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Branchen (71): Sportartikel : Die höhere Mehrwertsteuer trübt die Freude

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Reigen der Übernahmen von Skiherstellern setzt sich auch dieses Jahr fort. Doch die Fußball-WM und ein gutes Konsumklima sorgen noch für dicke Pluszeichen.

          Die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer war ein Volltreffer - nicht nur aus der Sicht der deutschen Fans. Die Hersteller und Händler von Sportartikeln gehören zu den großen Gewinnern des Turniers in Deutschland, das Millionen Menschen in den Stadien, vor Großleinwänden und am Fernseher begeisterte. In der ersten Hälfte dieses Jahres freuten sich die Fachhändler hierzulande über ein Umsatzplus von rund 3,5 Prozent.

          In ganz Europa stieg der Gesamterlös um 3 Prozent. Verglichen mit den zwei Jahren zuvor ist das ein kräftiger Sprung. 2004 war der Umsatz der Fachhändler in Deutschland um zwei Prozent gesunken. Im vergangenen Jahr ist er um ein halbes Prozent auf etwas mehr als 7 Milliarden Euro gestiegen - auch dank der Vorfreude auf die Fußball-WM.

          Stimmung der Verbraucher nach wie vor gut

          Die Stimmung der Verbraucher ist nach wie vor gut. Die Marktforscher der GfK erwarten, daß der Konsumklimaindex nach der Rekordhöhe im Oktober im November weiter gestiegen ist. Den Optimismus dämpft allerdings die bevorstehende Erhöhung der Mehrwertsteuer. Zumal sich die Händler, wie eine aktuelle Umfrage der Sportfachzeitschrift SAZ ergeben hat, von vielen Herstellern im Stich gelassen fühlen. Zahlreiche Geschäfte rechnen damit, die Belastung der um drei Prozentpunkte höheren Umsatzsteuer allein tragen zu müssen. In Segmenten mit starkem Preisdruck wird es kaum möglich sein, dies in Form von Preiserhöhungen an die Kunden weiterzugeben.

          Adidas kündigt jedoch an, zumindest für einen Teil der Produkte müsse der Endverbraucher für die höhere Mehrwertsteuer aufkommen. „Bestimmte Eckpreislagen werden wir aber nicht aufgeben“, sagt ein Sprecher des größten europäischen Sportartikelherstellers. Dazu zählt zum Beispiel das Trikot der deutschen Nationalmannschaft, für das weiterhin die unverbindliche Preisempfehlung von 64,95 Euro gilt. Für solche Produkte mit Preisen an markanten Grenzen übernehme Adidas letztlich die höhere Mehrwertsteuer.

          Mehrwertsteuererhöhung trübt die Freude

          Konkurrent Puma gibt die Erhöhung zum Teil an den Handel weiter. „Das geschieht aber nur sehr vereinzelt“, kündigt ein Sprecher an. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer sei seit langem bekannt. Puma habe sich frühzeitig darauf eingestellt und die Preiskalkulation auf der Beschaffungs- und Produktionsseite verändert. K2, der amerikanische Hersteller von Skiern, Snowboards und Inline-Skates, hat mit dem Handel vereinbart, die Belastung zu teilen. „Der Verbraucher bekommt die Mehrwertsteuererhöhung nicht zu spüren“, verspricht Peter Kuba, der Europachef von K2 für Verkauf und Marketing.

          Trotz aller Versuche, die Last zu teilen, trübt die Mehrwertsteuererhöhung die Freude der Sportartikelbranche. Für Adidas folgte aus einem anderen Grund auf das rauschende Fußballfest im Sommer ein schwerer Kater.

          Umsatzsteigerung von einem Drittel

          Die amerikanische Großakquisition Reebok bereitet dem Management Kopfzerbrechen. Im Sommer hatte sich das Unternehmen aus dem fränkischen Städtchen Herzogenaurach auf der Seite der Sportartikelhersteller als klarer Sieger der Fußball-WM durchgesetzt. Auch wenn im Finale die vom Konkurrenten Puma ausgerüstete italienische Nationalmannschaft gegen die Franzosen mit den drei Streifen auf dem Trikot die Oberhand behalten hatte. Allein 1,5 Millionen Leibchen des deutschen Teams verkaufte Adidas und profitierte von der Begeisterung, die die Mannschaft von Trainer Jürgen Klinsmann im Gastgeberland entfachte.

          Den Erlös mit Fußballschuhen, Trikots, Hosen und Bällen steigerte Adidas in diesem Jahr insgesamt um ein Drittel auf mehr als 1,2 Milliarden Euro. Sogar Jochen Zeitz, der Vorstandsvorsitzende des Erzrivalen Puma, rang sich zu einem Lob durch: „Mein Kompliment.“ Adidas sei der Rolle als Sponsor des Weltfußballverbandes Fifa gerecht geworden und habe den Heimvorteil mit der deutschen Nationalmannschaft gut für sich genutzt, hatte Zeitz im Sommer gesagt. Puma selbst steigerte den Umsatz mit Fußballartikeln um mehr als 40 Prozent. Die absolute Zahl nennt das Unternehmen nicht, Schätzungen reichen von 300 Millionen bis 350 Millionen Euro.

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