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Branchen (68): Spielwaren : Handys und Computer erobern das Kinderzimmer

Bild: F.A.Z.

In Großbritannien und in Frankreich geben die Eltern für ihre Kinder mehr als 200 Euro im Jahr aus. In Deutschland sind Mutter und Vater mit 145 Euro weniger spendabel. Der Umsatz mit traditionellem Spielzeug geht seit Jahren zurück.

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          Das Geschäft mit Spielwaren strebt dem Höhepunkt entgegen. Weihnachten steht vor der Tür. In den Monaten November, Dezember und auch Januar werden bis zu 40 Prozent des gesamten Spielwaren-Jahresumsatzes erzielt. Die kommenden Wochen entscheiden, ob die Branche auf ein gutes Jahr 2006 zurückblicken kann.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Die Aussichten sind nicht schlecht. Im bisherigen Jahresverlauf hat der Umsatz für traditionelle Spielwaren mit knapp 2,3 Milliarden Euro das Vorjahresniveau erreicht. Einschließlich der Videospiele wie Nintendo, Sony oder Microsoft dürfte er eindeutig über den 3,2 Milliarden Euro des Vorjahres liegen.

          Erste Dämpfer fürs Weihnachtsgeschäft

          Im Saldo könnte der Spielwarenhandel also mit einem leichten Plus aus dem Jahr 2006 gehen. Erste Dämpfer hat das Weihnachtsgeschäft aber schon bekommen. Zum einen laufen Produkte des dänischen Herstellers Lego so gut, daß dieser Lieferschwierigkeiten hat. Zum anderen hat der japanische Hersteller Sony die Einführung seiner neuen Videospielkonsole Playstation 3 auf den kommenden März verschoben.

          Viele Geschäfte hatten schon Vorbestellungen entgegengenommen und ihre Werbung in der Adventszeit darauf abgestellt. Und auch der Mitbewerber Nintendo wird mit seiner neuen Spielekonsole Wii zwar noch im Dezember auf den Markt kommen, aber wohl nur mit geringen Stückzahlen. Darüber dürften sich vor allem die Hersteller traditionellen Spielzeugs freuen.

          Plüschtierhersteller kämpfen gegen Geburtenrückgang

          Sie könnten gute Nachrichten gebrauchen. Denn das Jahr hatte viele Hiobsbotschaften parat. Nachdem 2005 der Modelleisenbahnhersteller Roco wirtschaftliche Schwierigkeiten hatte und in diesem Jahr Märklin mit Mühe und Not gerettet werden konnte, hat kürzlich der dritte große Hersteller Ernst Paul Lehmann Patentwerke (LGB Lehmann-Groß-Bahn) Insolvenz angemeldet.

          Vor der Fußball-Weltmeisterschaft traf es den Geschenk- und Plüschartikelhersteller Nici. Wenigstens gibt es beim Puppenhersteller Zapf Anzeichen, daß sich nach zwei Jahren Dauerkrise der Umsatz auf niedrigem Niveau stabilisiert. Der Plüschtierhersteller Steiff kämpft weiterhin gegen asiatische Konkurrenz und sinkende Geburtenraten.

          Am Kind wird nicht gespart

          Insgesamt geht Werner Lenzner, Leiter Zentraleuropa des Marktforschungsinstituts npdgroup/Eurotoys in Nürnberg, davon aus, daß sich der Markt für traditionelles Spielzeug mittelfristig bei knapp 2,3 Milliarden Euro stabilisieren wird. Zwar sinkt die Zahl der Geburten weiter. Sie unterschritt im vergangenen Jahr erstmals die Marke von 700.000.

          Dieser Rückgang spiegelt sich in der Nachfrage nach Spielzeug aber nur bedingt. Denn am Kind wird nicht gespart. Eltern, Großeltern und andere Verwandte geben für die Kinder immer mehr Geld aus. Für das bevorstehende Weihnachtsfest erwartet Jürgen-Michael Gottinger von der Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner in München steigende Ausgaben für Geschenke.

          „Der Gewinner der Entwicklung ist der PC“

          Wie groß das Potential hierzulande noch ist, zeigt ein internationaler Vergleich. In Großbritannien und Frankreich geben die Eltern je Kind im Jahr mehr als 200 Euro für traditionelles Spielzeug aus, in Deutschland nur 145 Euro. Dennoch werden die höheren Ausgaben für Kinder auch in diesem Jahr wieder weitgehend am Spielwarenhandel vorbeigehen. „Der Gewinner der Entwicklung ist der PC“, sagt Gottinger. Der Personal Computer mache zunehmend sogar dem konsolengebundenen Videospiel Konkurrenz.

          Viele Kinder kommen kaum noch mit traditionellem Spielzeug wie Eisenbahn, Plüschtieren, Puppen, Bilderbüchern oder Modellautos in Berührung. Schon fünf Jahre alte Kinder nutzen zunehmend das Handy. Mit sechs Jahren haben sie eine Videospielkonsole. Mit acht Jahren beginnen sie Computerspiele zu erwerben. „Kinder ab zehn Jahre aufwärts spielen kaum noch mit traditionellem Spielzeug“, sagt Lenzner von npdgroup/Eurotoys. Er geht aber davon aus, daß die Verschiebung zugunsten der Elektronik weitgehend abgeschlossen ist und das jetzige Verhältnis zum traditionellen Spielzeug mittelfristig Bestand haben wird.

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