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Branchen (58): Nutzfahrzeuge : Schwere Geschäfte

Bild: F.A.Z.

Vier Wochen vor Beginn der IAA für Nutzfahrzeuge präsentiert sich die Branche mit glänzenden Zahlen. Das muß nicht so bleiben. Der nächste Konjunkturabschwung wird kommen, zuerst in Amerika, vermuten Experten.

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          Das Geschäft mit Nutzfahrzeugen boomt. Die Auftragsbücher von MAN, Scania oder Iveco sind prall gefüllt, die Fabriken produzieren an ihren Kapazitätsgrenzen. Marktführer Daimler-Chrysler hat in seinem Lastwagenwerk Wörth wegen der guten Auftragslage gerade 400 Mitarbeiter eingestellt. Auf vielen Märkten in der Welt werden die Hersteller von schweren und mittelschweren Lastwagen in diesem Jahr neue Absatzrekorde erzielen.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          In Deutschland etwa hat sich die Nutzfahrzeugkonjunktur erstmals vom gesamtwirtschaftlichen Trend abgekoppelt. Eine ausgewiesen zyklische Branche, in der jedem Aufschwung ganz sicher der nächste Abschwung folgte, präsentiert sich überraschend robust. In den zurückliegenden drei Jahren steigerten die Nutzfahrzeughersteller ihren Umsatz um durchschnittlich acht Prozent, im laufenden Jahr wird eine Steigerung um sieben Prozent erwartet, und auch für das Jahr 2007 ist noch kein Konjunktureinbruch in Sicht.

          Strengere Abgasvorschriften

          Bessere Vorgaben hätte sich der Verband der Automobilindustrie (VDA) für seine große Weltmesse, die IAA der Nutzfahrzeuge im September, nicht wünschen können. Erst im vergangenen Monat rollten mit 16.300 Lastwagen über sechs Tonnen (plus 15 Prozent) so viele Fahrzeuge wie noch nie in einem Juli von den Bändern deutscher Hersteller. VDA-Präsident Bernd Gottschalk glaubt, daß die gute Auslastung anhält: „Wir sind für 2007 zuversichtlich, daß die Lkw-Konjunktur auch bei geringerer Drehzahl hochtourig bleiben wird, es sei denn, die Gesamtwirtschaft bekäme einen ,Mehrwertsteuer-Schnupfen'.“

          Die Furcht vor einem Rückschlag ist gleichwohl nicht unbegründet. Weil das Geschäft in der Vergangenheit immer sehr zyklisch war, macht sich in der Branche Skepsis breit. Insbesondere der amerikanische Markt treibt so manchem Nutzfahrzeugvorstand Sorgenfalten auf die Stirn. In den Vereinigten Staaten treten zum 1. Januar 2007 strengere Abgasvorschriften in Kraft, die in diesem Jahr schon zu vorgezogenen Käufen geführt haben.

          Asiatische Unternehmen rüsten für Export

          Im kommenden Jahr dürfte die Nachfrage folglich nachlassen. MAN, Scania & Co. richten sich auf einen Abschwung im Amerika-Geschäft ein. Andreas Renschler, Nutzfahrzeugvorstand von Daimler-Chrysler, geht davon aus, daß der „Einbruch aber nicht so heftig wird, wie viele das annehmen“. Renschler sieht Daimler-Chrysler für den dortigen Abschwung gewappnet, dank einer sehr hohen Flexibilität mit Arbeitszeitkonten und Leiharbeitern in den eigenen Fabriken.

          Ungemach droht den Nutzfahrzeugherstellern in den jungen Märkten Asiens durch neue Wettbewerber. Asiatische Unternehmen wie Dongfeng und FAW aus China oder Tata Motors und Ashok Leyland aus Indien, allesamt Schwergewichte in der Branche, blicken über die Grenzen ihrer Heimatmärkte hinaus, rüsten sich für den Export auf Märkte in Osteuropa, dem Nahen und Mittleren Osten sowie in Südamerika.

          Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit

          Und selbst Automobilhersteller, die bislang noch nie einen Lastwagen gebaut haben, könnten ebenfalls in das Nutzfahrzeuggeschäft einsteigen. Gerüchten zufolge plant der chinesische Autohersteller Chery den Bau von Nutzfahrzeugen, könnte damit schon 2008 beginnen, um von 2010 an 300.000 Einheiten auf den Markt zu bringen. Machte das Chery-Beispiel Schule, stiege die Gefahr globaler Überkapazitäten noch weiter, fürchten Branchenfachleute.

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