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Branchen (45): Mineralölindustrie : Teure Jagd nach Reserven

Die Korrektur begründete er mit dem teuren Einkauf von Ölförderanlagen, die den Aufschub von Langfrist-Projekten zweckmäßig erscheinen lassen. Ohnehin sind die Kosten bei wichtigen Großvorhaben aus dem Ruder gelaufen. Vor kurzem sagte van der Veer, daß das Budget für das russische Gasfeld „Sakhalin II“ mit 16 Milliarden Euro doppelt so hoch wie geplant ausfalle.

Von diesem Dilemma ist nicht nur Shell betroffen. Angesichts der Tatsache, daß leicht zugängliche, „konventionelle“ Energieträger erschlossen oder ausgeschöpft sind, haben sich in den vergangenen sechs Jahren die Kosten für die Entwicklung neuer Felder verdreifacht, geht aus einer Studie der Investmentbank Morgan Stanley hervor. Um gegenzusteuern, forcieren Exxon und Shell die Erschließung „unkonventioneller“ Vorkommen. Dazu zählt die technisch anspruchsvolle Verwertung von ölhaltigem Sand ebenso wie die Verflüssigung von Erdgas - kurz LNG (Liquified Natural Gas) genannt.

Übernahmen im großen Stil

Angesichts der Höchststände am Rohölmarkt erscheinen Übernahmen im großen Stil zu teuer. Shell hält lediglich für kleinere Übernahmen bis zu 10 Milliarden Dollar bereit. Zu Kaufobjekten avancierten der britische Gasförderer BG Group oder auch Repsol. Der fünftgrößte Öl- und Gasproduzent in Europa, der direkten Zugang zu lukrativen Märkten in Südamerika hat, reifte nach der falschen Bewertung seiner Energiereserven zum Übernahme-Kandidaten. Interesse wurde BP nachgesagt. Doch die Briten schließen Zukäufe bislang strikt aus.

Statt dessen loten die großen Anbieter bei aufwendigen Vorhaben strategische Allianzen aus. Neue Chancen, die durch ein verändertes Marktumfeld entstehen, weiß BP geschickt zu nutzen. Vor drei Jahren kaufte sich Großbritanniens größter Börsenwert in Rußland ein und begründete dort mit einem nationalen Konkurrenten das Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP. Das Unternehmen, an dem BP die Hälfte der Anteile hält, ist der fünftgrößte Anbieter in einem Land, das mit einer Tagesproduktion von 9,2 Millionen Barrel (ein Barrel entspricht 159 Litern) zu den führenden Ölproduzenten der Welt gehört.

Verbrauch: 83 Millionen Barrel am Tag

Dabei geht es um den Zugang zu Ölvorkommen. Gegenwärtig verbraucht die Menschheit 83 Millionen Barrel pro Tag. Der Wert soll bis 2010 auf mehr als 90 Millionen Barrel steigen, um dann zwei Jahrzehnte später mindestens 115 Millionen Barrel zu erreichen, so lautet die Schätzung der Internationalen Energieagentur. Dahinter steht der Energiehunger der Wachstumsländer in Asien, allen voran China, Indien und Japan, das 80 Prozent seiner Ressourcen importieren muß.

Um den riesigen Bedarf zu decken, tritt China nicht nur als Käufer, sondern auch als Akteur in der Ölindustrie auf und macht den Etablierten das Terrain streitig. Die halbstaatliche CNOOC setzte 2005 zur Übernahme der amerikanischen Unocal an. Doch die Chinesen scheiterten, obwohl ihre Offerte mit 18,5 Milliarden Dollar die höchste war. Die amerikanische Regierung blockierte die Transaktion mit dem Hinweis auf „nationale strategische Interessen“. Im Gegenzug zog Chevron bei Unocal ein.

Nach dem Rückschlag in Nordamerika geben Pekings Ölproduzenten nicht auf. Sie konzentrieren sich jetzt auf andere Regionen. CNOOC kaufte für 2,3 Milliarden Dollar einen privaten Ölsucher in Nigeria. Die China National Petroleum kam Ende 2005 für 4 Milliarden Dollar bei der von Kanada aus gesteuerten Petro-Kazakhstan zum Zuge.

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