https://www.faz.net/-gqe-ryen

Branchen (28): Mode : Französisch, italienisch - und natürlich deutsch

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die deutschen Konfektionäre exportieren 40 Prozent ihrer Kollektionen in das Ausland. Die Tendenz steigt, weil der Inlandsmarkt weitgehend gesättigt und der Preisdruck besonders stark ist.

          4 Min.

          Chanel oder Hermes, Versace, Prada oder Dolce & Gabbana - es klingt meist französisch oder italienisch, wenn von Mode die Rede ist. Doch wenn sich in wenigen Tagen in Düsseldorf die internationale Modewelt ein Stelldichein zur größten Bekleidungsmesse CPD gibt, werden auch die deutschen Bekleidungshersteller wieder einmal unter Beweis stellen, daß Mode made in Germany gefragt ist.

          Rund 40 Prozent aller von deutschen Modeherstellern entwickelten Kollektionen werden exportiert, und das mit steigender Tendenz. Unter den weltgrößten Herstellern belegt die deutsche Bekleidungsindustrie damit den fünften Platz, berichtet der in Köln ansässige Branchenfachverband German Fashion. In Europa liegen die deutschen Bekleidungsproduzenten auf Rang zwei, und zwar gleich hinter der Modenation Italien.

          Absatz bei markenverliebten Chinesen

          Die deutschen Konfektionäre sind auf ein gut florierendes Auslandsgeschäft angewiesen. Neben den westeuropäischen Märkten rücken zunehmend die osteuropäischen und die asiatischen Märkte ins Visier der Modeproduzenten. Gerade China ist nicht nur als Produktionsland attraktiv, sondern zunehmend als aufnahmefähiger Markt für westliche Markenprodukte. Branchenprimus Hugo Boss ist längst auf dem Milliardenmarkt erfolgreich, auch Escada und Gerry Weber setzen auf chinesische Kunden. Zunehmend versuchen ebenso Mittelständler, ihre Produkte bei den markenverliebten Chinesen abzusetzen.

          Zu den Vorreitern gehörte seit 2002 Betty Barclay aus Baden-Württemberg mit mehr als einem Dutzend Verkaufsstellen. Und selbst der schwäbische Hemdenhersteller Olymp will den Absatz von Hemden im Reich der Mitte schon kurzfristig auf 200.000 Stück steigern. Am Preis scheitern die deutschen Anbieter nicht. Obwohl die Anzüge von Hugo Boss wegen hoher Steuern in China ein Vielfaches dessen kosten, was deutsche Kunden bezahlen müssen, erwartet beispielsweise Boss-Chef Bruno Sälzer in den nächsten Jahren Wachstumsraten von jährlich 20 Prozent in diesem Markt.

          Textilien von Discoutern und Kaffeeläden

          Davon kann die Branche im Heimatmarkt nur träumen. Hierzulande ist der Markt gesättigt. Es herrscht Verdrängungswettbewerb. So ist der Anteil der Ausgaben für Bekleidung am gesamten privaten Konsum seit den frühen 90er Jahren kontinuierlich zurückgefallen und liegt jetzt noch bei 5,1 Prozent. 1970 wendete ein Vier-Personen-Haushalt noch etwa zehn Prozent seiner Ausgaben für Textilien auf. Heute wird billig eingekauft.

          Jeder zweite hat sich schon beim Kaffeeröster Tchibo oder bei Discountern wie Aldi oder Lidl mit Kleidungsstücken eingedeckt. Deren Ware stammt kaum von den namhaften deutschen Markenproduzenten. Die Menge importierter, vornehmlich aus Asien und Osteuropa stammender Textilien ist etwa doppelt so groß wie das Volumen der Exporte deutscher Hersteller.

          Weniger Unternehmen, weniger Beschäftigte

          Weil im Ausland weit billiger als hierzulande produziert wird, hat die gesamte deutsche Textilindustrie, zu der auch die Stoff- und Garnproduzenten, die Hersteller von Heimtextilien und technischen Textilien gehören, einen empfindlichen Schrumpfungs- und Ausleseprozeß durchlaufen. Bei der Zahl der Betriebe und der Beschäftigten zeigt sich, daß die Branche im Inland schrumpft. In Beschaffung, Produktion und Vertrieb herrscht Globalisierung.

          Weitere Themen

          Wer profitiert vom Konjunkturpaket? Video-Seite öffnen

          130 Milliarden Euro : Wer profitiert vom Konjunkturpaket?

          Mit 130 Milliarden Euro will die Bundesregierung die von der Coronavirus-Pandemie stark gebeutelte deutsche Wirtschaft stützen. Von dem Geldsegen profitieren sollen vor allem Unternehmen, Familien und die Kommunen.

          Journalismus im Bunker

          TV-Kritik: Sandra Maischberger : Journalismus im Bunker

          In ihrer letzten Sendung vor der Sommerpause geriet Sandra Maischberger mit einer harmlosen Sendeankündigung ins Kreuzfeuer von Politaktivisten. Wir sehen, wie der Journalismus in polarisierten Gesellschaften unter Druck gerät.

          Topmeldungen

          Boogaloo-Bewegung in Amerika : Sie wollen den Krieg

          Eine amerikanische Internet-Bewegung, die auf einen Umsturz sinnt, wittert in der Pandemie und den Protesten ihre Chance. Die „Boogaloo Boys“, die sich in vielen Städten unter die Demonstranten mischen, sind bewaffnet und gefährlich.
          Grund allen Übels: Schalke und Aufsichtsratschef Clemens Tönnies erleben ein Imagedesaster.

          Brief an Fans : Härtefall Schalke

          Schalke 04 schreibt einen Brief an seine Dauerkartenkunden. Und erlebt ein Kommunikationsdesaster. Es drängt sich mehr und mehr die Annahme auf, dass die führenden Köpfe aus Finanzabteilung und Aufsichtsrat das Grundübel sein könnten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.