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Branchen (26): Steuerberater : Gedrängel im Beratergeschäft

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die „Steuererklärung auf dem Bierdeckel“ ist nicht in Sicht. Mit dem Paragraphendschungel im Steuerrecht wittern zunehmend auch Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer ein lukratives Geschäft in der Steuerberatung.

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          Der typische Steuerberater ist noch immer sein eigener Herr: Fast drei Viertel dieser Freiberufler sind selbständig - obwohl sich ihre Zahl seit 1980 auf rund 77.000 fast verdoppelt hat. Große Steuerberatungsgesellschaften sind noch selten und meist identisch mit den fachlich verwandten Wirtschaftsprüfungskonzernen.

          Dabei ist die Zunft der Abgabenhelfer keine Selbstverständlichkeit: Nicht in allen Ländern der Europäischen Union hat sich ein solcher Berufsstand herausgebildet. Und Deutschlands Rechtsanwälte ärgern sich schon lange, daß ihre Konkurrenz nur deshalb so groß werden konnte, weil sich Juristen nun einmal nicht gern mit Buchführung und Zahlenwirtschaft beschäftigen. Mühsam versuchen die Advokaten nun, mit dem Zusatztitel „Fachanwalt für Steuerrecht“ einen Teil dieses Beratungsmarkts zurückzuerobern.

          Steuerberater setzen auf Kompetenz

          Doch auch im Berufsbild des Steuerberaters hat sich manches verändert. Mittelständische Betriebe sind immer weniger darauf angewiesen, sich von ihrem Fiskalberater die Lohn- und Finanzbuchhaltung abnehmen zu lassen. Vorbei sind die Zeiten, als ein Zentralrechner der Steuerberater-Genossenschaft Datev in Nürnberg Stapel von Lochkarten verarbeitete und die von ihr ausgedruckten Zahlenkolonnen bundesweit mit der Post verschickte. Moderne Computerprogramme zum Selbstgebrauch und Billiganbieter haben sich längst als Alternativen herausgebildet.

          Der Steuerberater von heute muß sich da mehr einfallen lassen, als bloß auf Mandanten zu warten, die sich die Formulare des Finanzamts ausfüllen oder den Jahresabschluß erstellen lassen. Die Beratergilde setzt deshalb verstärkt auf ihre betriebswirtschaftliche Kompetenz. Vermögensberatung und Testamentsvollstreckung runden das Angebot ab. Und wer sowieso die Bilanz seiner gewerblichen Kunden aufgestellt hat, kann ihnen gleich auch noch seine Dienste als Unternehmensberater anbieten.

          Steuerrecht wird nicht unkomplizierter

          Den lukrativen Kern des Geschäfts stellt ohnehin nicht die „Deklaration“ fremder Steuerlasten dar, sondern die „Gestaltungsberatung“: Durch geschickte Strukturierung eines Unternehmens oder Familienvermögens soll der Fiskus möglichst wenig von den erwirtschafteten Gewinnen abbekommen. Ob eine Betriebsspaltung die Finanzströme raffiniert umverteilt, die Errichtung einer vermögensverwaltenden GmbH & Co. KG einen Teil der Einkünfte vom Finanzamt abschirmt oder die Bildung einer Ansparabschreibung den zu versteuernden Gewinn auf dem Papier mindert - fast für jeden Steuerbürger hat ein kundiger Berater hilfreiche Instrumente in seinem Werkzeugkasten parat. Öffentlich sprechen die Berater lieber unverfänglich von „Steueroptimierung“ als von „Steuervermeidung“.

          Obwohl die Umsätze dieser Branche in den vergangenen drei Jahren leicht zurückgegangen sind, wird den Abgabenkennern die Arbeit nicht ausgehen, auch wenn Privatleute deren Honorar künftig nicht mehr vollständig von der Steuer absetzen können. Denn ein einfaches Steuerrecht wird zwar von Politikern aller Parteien in Sonntagsreden immer wieder gefordert. Doch bisher hat so gut wie jede Gesetzesänderung zu noch komplizierteren Regeln als zuvor geführt.

          Frust und Last des Paragraphendschungels

          Die „Steuererklärung auf dem Bierdeckel“ ist nicht in Sicht. Gerade erst hat die große Koalition im Bund ein Sparpaket im Steuerrecht verabschiedet, die Eigenheimzulage gestrichen und Steuersparfonds das Leben schwerer gemacht. Deutsche Finanzgerichte bescheren Steuerzahlern ebenso wie ihren Beratern und den Finanzbeamten immer wieder zusätzliche Neuerungen. Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg ist auch immer wieder für Überraschungen gut. Darüber hinaus werden die Regeln der Rechnungslegung in den Unternehmen zunehmend international.

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