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Branchen (21): Sportartikel : Der Kampf um die Spitzenplätze

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die großen Sportartikelhersteller verschärfen das Tempo der Konzentration in der Branche. In der Ski-Industrie konzentrieren sich die großen Marken auf immer weniger Konzerne. Die flaue Nachfrage treibt sie zusammen.

          Sport heißt Bewegung. Eine besonders starke Dynamik beweist in diesem Jahr die Sportartikelindustrie. Tempo machen vor allem die beiden Erzrivalen aus dem fränkischen Städtchen Herzogenaurach: Adidas-Salomon und Puma. Die umwälzenden Veränderungen schlagen sich sogar im Firmennamen nieder. Aus Adidas-Salomon wird bald wieder Adidas.

          Das glücklose Engagement mit dem 1997 für umgerechnet 1,2 Milliarden Euro gekauften französischen Wintersportartikelanbieter Salomon ist beendet. Anfang Oktober verkaufte Adidas die Sparte an die finnische Amer-Gruppe - für 485 Millionen Euro. Doch das soll nur der kleinere Beitrag von Adidas zur Konsolidierung der Branche sein.

          Adidas übernimmt Reebok

          Im August kündigte der zweitgrößte Hersteller der Welt die Übernahme von Reebok für 3,1 Milliarden Euro an. In der ersten Hälfte 2006 soll der Zusammenschluß perfekt sein. Adidas würde mit diesem Coup den Abstand zum Branchenprimus Nike verkürzen und strebt danach sogar an die Spitze. Reebok soll die Franken vor allem auf dem amerikanischen Markt voranbringen, dem größten in der Welt für Sportartikel.

          Kein Wunder, daß im Sommer das alte Gerücht aufgewärmt wurde, Nike nehme Puma ins Visier. Doch auch im kleineren der beiden Unternehmen aus Herzogenaurach hat sich in diesem Jahr einiges verändert. Die Geschwister Günter und Daniela Herz haben einen Teil ihrer Milliarden aus dem Tchibo-Erbe in Puma-Aktien angelegt und damit schon eine Sperrminorität von mehr als 25 Prozent erworben. Welche Pläne sie mit ihrer Beteiligung verfolgen, ist noch ungewiß.

          Branche der Skihersteller aufgemischt

          Die Branche der Skihersteller ist in den vergangenen zwei Jahren nicht nur wegen des Verkaufs von Salomon kräftig durchgeschüttelt worden. K2 hat 2004 den letzten deutschen Anbieter, Völkl, übernommen, Quicksilver Anfang dieses Jahres Rossignol aus Frankreich. Rossignol haben vor allem die flaue Nachfrage nach Skiern und der schwache Dollar zu schaffen gemacht.

          Mit dem Verkauf von Salomon konzentriert sich der Skimarkt weiter, denn zur Gruppe des neuen Eigentümers Amer, nun der größte Skihersteller der Welt, gehört schon die österreichische Marke Atomic. Gemessen an den Verkaufszahlen, liegen Atomic und Rossignol etwa gleichauf vorn. Die EU-Kommission hat deshalb den Finnen die Auflage gemacht, daß die Kooperation von Salomon mit Fischer aus Österreich, ebenfalls einer der größten Anbieter und Auftragsfertiger für andere Marken, eingeschränkt werden muß.

          Die Discounter machen dem Markt zu schaffen

          Das Geschäft bleibt für die meisten schwierig: Bestenfalls rechnen die Skihersteller mit einem stagnierenden Markt. Der Preisdruck ist gewaltig. Etwas aufatmen kann die Branche, weil Gerichte dem Großhändler Metro und der österreichischen Discounter-Kette Hofer untersagt haben, Skier mit Bindungen von Marker zu verkaufen. Vor allem der Sportfachhandel hofft, daß ihnen die Konkurrenz à la Aldi, Lidl oder Plus nicht auch noch mit Billigskiern Kunden wegschnappt. Mit Laufschuhen, Radlerhosen oder Stöcken für das Nordic Walking zu niedrigen Preisen haben die Discounter den Sportartikelmarkt längst für sich entdeckt.

          Wesentlich besser als die Wintersparte entwickeln sich andere Segmente der Industrie. Nach Schätzung der Marktforscher von Convensis sind in der Welt im vergangenen Jahr 128 Milliarden Dollar für Sportartikel ausgegeben worden. Das bedeutet ein Wachstum von rund 2,5 Prozent. Den kräftigsten Zuwachs erzielt das sogenannte Outdoor-Segment, zu dem die Wanderbekleidung und -ausrüstung zählen. Auch Sportschuhe schneiden gut ab. Branchenprimus Nike legte zuletzt 12 Prozent zu.

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