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Branchen (14): Logistik : Die Gewinner der Globalisierung formieren sich

Bild: F.A.Z.

Wachsender Welthandel und vermehrte Auslagerungen der Kunden fördern die Umsätze. Durch die Übernahme von Exel durch die Deutsche Post hat die Konsolidierung Tempo bekommen und ist nicht mehr aufzuhalten.

          Eine Branche wird neu entdeckt. Die geplante Übernahme des britischen Logistik-Riesen Exel durch die Deutsche Post hat die Anleger aufhorchen lassen und beschert den Konkurrenten unerwartete Höhenflüge. Aktien der lange als langweilig verschrienen Frachtunternehmen sind plötzlich wieder gefragt, viele Papiere notieren in der Nähe ihrer Höchststände.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Einer der Hauptprofiteure war der schweizerische Luft- und Seefrachtspezialist Panalpina: Seine Aktien waren beim Börsengang Ende September mehrfach überzeichnet. Die Branche glänzt seit Jahren mit hohen Zuwachsraten, ein Ende scheint nicht in Sicht. Jetzt kommt auch noch die Übernahmephantasie hinzu.

          Weltumspannende Logistik-Netze

          Branchenkenner sind davon überzeugt, daß Exel nicht der letzte Coup gewesen ist. „Die Konsolidierung ist in vollem Gange“, sagt Frank Straube, Inhaber des Lehrstuhls für Logistik an der Technischen Universität (TU) Berlin. Er erwartet, daß Branchenriesen wie die Post oder die Deutsche Bahn mit ihrer Tochtergesellschaft Schenker künftig den Markt für standardisierbare Massenleistungen dominieren werden. Auch Peter Klaus, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre und Logistik an der Universität Erlangen-Nürnberg, hält weitere Übernahmen für realistisch.

          „Da vollzieht sich ein Konzentrationsprozeß, der nicht aufzuhalten ist. Die Logistikunternehmen werden versuchen, ihre europa- oder weltweite Netzabdeckung zu verbessern“, sagt er voraus. Klaus erwartet eine „Polarisierung der Branche“: auf der einen Seite Logistik-Riesen mit weltumspannenden Netzen und mittelständischen Frachtfirmen als Subunternehmen; auf der anderen Seite spezialisierte mittlere Unternehmen, die mit ihrer Kompetenz Auftraggeber aus der eigenen Region an sich binden können.

          Viertgrößte Branche in Deutschland

          Logistik-Giganten wie DHL, Kühne + Nagel, die amerikanische UPS oder die niederländische TNT sind doppelte Gewinner der Globalisierung. Im internationalen Frachtgeschäft sorgt der wachsende Welthandel für einen anhaltenden Boom. Und im Inland zwingt der Kosten- und Rationalisierungsdruck Industrie- und Handelsunternehmen zur Auslagerung von Logistik-Dienstleistungen an die Spezialisten, die es effizienter und preiswerter können als ihre Auftraggeber.

          Auf rund 165 Milliarden Euro beziffert die Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Technologien der Logistik-Dienstleistungswirtschaft (ATL) in Nürnberg den Umsatz der deutschen Logistik-Wirtschaft. Europaweit dürften es rund 400 Milliarden Euro sein. Amtliche Zahlen gibt es nicht, obwohl die Logistik laut ATL-Angaben nach dem Fahrzeugbau, der Elektrotechnik und dem Maschinenbau die viertgrößte Branche in Deutschland wäre. Gemessen an den Erwerbstätigen-Zahlen, steht sie mit rund 2,5 Millionen Beschäftigten sogar unangefochten auf Platz eins.

          Spezialisten übernehmen Warenverteilung und Lager

          Klaus schätzt, daß die Logistik-Unternehmen im vorigen Jahr auf 45 bis 47 Prozent des Gesamtumsatzes kamen. Das entspricht Erlösen von rund 75 Milliarden Euro. Vielfach werden nicht nur vergleichsweise einfache Transportaufgaben ausgelagert, sondern die Spezialisten übernehmen auch die komplette Warenverteilung und Lagerhaltung, nicht selten samt Zusatzleistungen in der Wertschöpfungskette. Mitarbeiter von UPS zum Beispiel liefern Computer aus und spielen zuvor die Software auf.

          Oder die Bremer Lagerhaus-Gesellschaft (BLG) stattet im Auftrag japanischer und koreanischer Autokonzerne in Bremerhaven Importfahrzeuge mit Ausstattungen für den deutschen Markt aus. Kontraktlogistik heißt diese langfristig angelegte Form der Zusammenarbeit, bei der Logistiker zum dauerhaften Partner eines Handels- oder Industrieunternehmens werden. Nach einer Studie der Mercer Management Consulting wächst dieser Zweig mit Jahresraten von rund acht Prozent. Davon kommen etwa 5 Prozent aus dem allgemeinen Wirtschaftswachstum und dem zunehmenden Handel, während drei Prozent dem Outsourcing zu verdanken sind.

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