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Branchen (11): Private Equity : Ansturm auf die Deutschland AG

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die „Heuschrecken“ kommen: Aus Amerika, Großbritannien oder Schweden. Und sie bringen Geld mit. Die Beteiligungsbranche geht eine Wette auf den Aufschwung ein. In Deutschland herrscht noch großer Nachholbedarf.

          Sie kommen aus Amerika, Großbritannien oder Schweden. Sie kommen mit gefüllten Taschen. Und spätestens seit der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering sie als „Heuschrecken“ bezeichnet hat, kennt sie in Deutschland jeder: außerbörsliche Beteiligungsgesellschaften, auf neudeutsch „Private-Equity-Fonds“ genannt.

          Seit einigen Jahren drängen Gesellschaften wie Kohlberg Kravis Roberts (KKR), Blackstone, EQT, Apax oder Permira auf den deutschen Markt. Sie machen sich daran, die Deutschland AG umzukrempeln.

          Einer der größten deutschen Arbeitgeber

          Beteiligungskapital greift nach deutschen Konzernabspaltungen, Familienunternehmen und börsennotierten Gesellschaften. Es versucht, binnen einiger Jahre deren Wert zu steigern und sie später mit hohen zweistelligen Renditen abzustoßen. Still hat sich Private Equity dadurch zu einem der größten deutschen Arbeitgeber gemausert. Nach Zahlen des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) beschäftigten von Private Equity finanzierte Firmen im vergangenen Jahr 638 000 Mitarbeiter mit einem Umsatz von 114,4 Milliarden Euro.

          Sieht man einmal von Pionieren wie Permira ab, war das Geschäft mit Bereitstellung von Eigenkapital für Unternehmen hierzulande lange Zeit ein Zubrot für deutsche Banken und Versicherungen. Sie investierten einen Bruchteil ihrer Anlagegelder direkt in Unternehmensbeteiligungen. Selbständige Fondsgesellschaften, wie sie in Nordamerika und Großbritannien seit Jahrzehnten Usus sind, gab es so gut wie nicht, weil die Investoren fehlten.

          „Buy-outs“ boomen

          Im angloamerikanischen Raum dagegen haben sich seit den wilden achtziger Jahren Firmenjäger wie Carl Icahn, George Soros oder James Goldsmith ganze Konglomerate unter den Nagel gerissen, um sie mit riesigen Gewinnen zu zerschlagen. Seitdem sind große Fonds zu einem essentiellen Element des Wirtschaftskreislaufs avanciert. Denn Gesellschaften wie Carlyle oder Warburg Pincus speisen sich aus unerschöpflichen Geldquellen wie Pensionsfonds, Versicherungen, Stiftungen oder reichen Privatleuten. Die Gelder, die in Beteiligungen investiert werden, sichern dem amerikanischen Rentner den Lebensabend.

          Derzeit boomt der globale Markt für Übernahmen, in der Fachsprache „Buy-outs“ genannt. Nach Schätzungen des Forschungsinstituts Private Equity Intelligence werden in diesem Jahr 200 Milliarden Dollar für neue Fonds angeworben. Nach Bloomberg-Daten wurden allein im ersten Halbjahr 77 Milliarden Dollar für Buy-outs ausgegeben. Mit Warburg Pincus, Blackstone, Goldman Sachs, Carlyle, BC Partners und CVC haben sechs Private-Equity-Gesellschaften in diesem Jahr jeweils mehr als 5 Milliarden Dollar eingesammelt. Die zwei größten Private-Equity-Gesellschaften der Welt - Blackstone und KKR - können aus mehreren Töpfen investieren und haben insgesamt 25 Milliarden Dollar zur Verfügung.

          Deutschland: Kein Mut zum Risiko

          Die deutschen Gesellschaften backen dagegen kleine Brötchen. Die Ausnahme ist der Private-Equity-Arm der Allianz, die Allianz Capital Partners, die - allerdings bislang ausschließlich aus Geldern des Konzerns - derzeit 1 Milliarde Euro in Unternehmensbeteiligungen investiert hat. Ansonsten verfügen die größten Gesellschaften wie Odewald oder die Deutsche Beteiligungs-AG nicht einmal über eine halbe Milliarde Euro. Sie konzentrieren sich denn auch auf den Kauf kleinerer Unternehmen.

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