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Branche im Wandel : Der Bankkonzern ING wird digital

Die Vorstandsvorsitzenden der ING: Roland Boekhout und Ralph Hamers (rechts) Bild: Fricke, Helmut

Das Konsumverhalten bei den Bankgeschäften verändert sich. Die ING will in mobile Plattformen investieren. Schon jetzt spielt Technik eine große Rolle - etwa um die Kreditfähigkeit abzuschätzen.

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          Der niederländische Finanzkonzern ING ist mit seiner Direktbank Diba inzwischen Deutschlands drittgrößte Privatkundenbank und mit einem Konzernbörsenwert von 41 Milliarden Euro um 10 Milliarden Euro wertvoller als die Deutsche Bank. Trotz dieser Erfolge geben der Vorstandsvorsitzende der ING Groep Ralph Hamers und Diba-Chef Roland Boekhout im Gespräch mit der F.A.Z. einen Nachholbedarf offen zu: „Wir werden nahezu unsere gesamten Investitionen auf die Verbesserung des Mobile Banking setzen. Unsere IT-Prozesse sollen für mehr Transaktionen in Echtzeit ausgebaut und unser Online-Banking angenehmer und beratungsorientierter werden.“

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          In der ING ist man sich über eine Sache im Klaren: Das Konsumentenverhalten ändert sich gerade rapide. Immer mehr Kunden bezahlen ihren Einkauf mit dem Smartphone und nutzen dabei Zahlungsverkehrsdienstleister außerhalb des Bankensektors. Zwar bestreitet Hamers, dass Banken den Kampf um diese Kunden schon verloren haben. Er hofft im Gegenteil darauf, dass die Konsumenten am Ende größeres Vertrauen in die Zahlungsverkehrssysteme der Banken haben werden als in die neuer Anbieter.

          Kunden rufen fünfmal täglich den Kontostand ab

          Aber Hamers gibt auch zu, dass künftig auch noch deutlich mehr Geschäft an den Banken vorbeilaufen könnte. Die Internetwährung Bitcoin zeige, dass es durchaus Alternativen zum bisherigen Geld- und Bankensystem gebe. Noch hat ING 47 Millionen Privat- und Firmenkunden, 75.000 Mitarbeiter betreuen sie. In Holland, Belgien und Luxemburg hält sich der Konzern für den Marktführer, sieht sich aber großen Herausforderungen gegenüber. Die ING-Privatkunden in Holland wollten schon heute nicht mehr nur einmal in der Woche im Internet ihren Konto- und Depotstand abrufen, sondern fünfmal am Tag über ihr Smartphone, berichtet Hamers.

          Deutschland hinke diesem internationalen Trend hinterher. Die deutschen Kunden suchten das Online-Banking der Diba noch fünfmal häufiger über das Internet auf als über ihr Smartphone, bestätigt Boekhout. Aber auch er ist überzeugt: „Die Verbesserung der mobilen Bankdienstleistungen, das ist es, wo man weiter investieren muss. Allerdings kann es in drei Jahren schon etwas völlig anderes sein. Wir müssen in eine Aufbruchstimmung kommen, in der wir viel ausprobieren.“

          Selten hört man Vorstände von Banken, die so offen über ihre Unsicherheit in der digitalen Welt sprechen. Dabei ist gerade ING Diba für die Anforderungen im Vergleich zu Wettbewerbern recht gut gerüstet: Die Direktbank setzt auf wenige, einfache Geldanlagen, die sich in der erhöhten Preistransparenz im Internet behaupten können.

          „Im Banking haben wir schon immer Daten analysiert“

          Und Hamers nennt noch einen anderen, auf den ersten Blick etwas überraschenden Grund, warum sich Banken in der neuen Datenflut und deren Nutzung für gezielte Werbung („Big Data“) gut zurechtfinden sollten: „Im Banking haben wir schon immer Daten analysiert, etwa die Gehaltsentwicklung eines Privaktkunden, und daraus abgeleitet, wie hoch seine monatliche Tilgungsleistung bei einem Kredit sein kann.“ Künftig werde es darauf ankommen, die Datennutzung noch zu verbessern, zum Beispiel um Kunden bei beginnenden finanziellen Schwierigkeiten frühzeitig auf Lösungsmöglichkeiten hinzuweisen.

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