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Brände in Köln und Aachen : Wird der Möbeldiscounter Poco erpresst?

Brand in einem Poco-Lager in Aachen Bild: dpa

Erst brannte eine Lagerhalle von Poco in Köln, dann brach in Aachen ein Feuer aus: Dahinter steckt möglicherweise eine Erpressung. Etliche Unternehmen waren solchen Versuchen schon ausgesetzt.

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          Der Feueralarm kam beide Male mitten in der Nacht – im Abstand von zehn Tagen. Am 22. Mai brannte zunächst eine Lagerhalle des Möbeldiscounters Poco in Köln-Porz. In der Nacht zum Montag brach dann in einem Poco-Lager in Aachen ein Feuer aus, das sich zu einem Großbrand entwickelte. Auch angrenzende Gebäude – ein Fitnessstudio, eine Physiotherapiepraxis, ein Malerbetrieb und eine Fußballhalle – wurden zerstört. Für die Aachener Feuerwehr war es einer ihrer größten Einsätze seit Jahrzehnten, die Nachlöscharbeiten dauerten noch am Dienstag an. Der Schaden wird grob auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Hintergrund der Brände könnte nach Medienberichten eine Erpressung sein. Die offiziellen Stellen äußern sich dazu unter Hinweis auf laufende Ermittlungen zurückhaltend, Poco wollte keine Stellungnahme abgeben. „Wir prüfen, ob ein strafrechtlich relevanter Hintergrund vorliegt“, sagte Jost Schützeberg von der Staatsanwaltschaft Aachen. Sachverständige würden den Brandort untersuchen, sobald die Feuerwehr das Gelände freigebe.

          Derzeit laufe ein Ermittlungsverfahren wegen versuchter Erpressung eines in Köln tätigen Unternehmens, berichtete der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Den Namen Poco wollte er nicht bestätigen. Am 26. Mai hat laut Bremer eine fingierte Geldübergabe stattgefunden, bei der eine Person vorläufig festgenommen wurde. Die Beweislage habe aber für einen Haftbefehl nicht ausgereicht. Derzeit werde ermittelt, ob es sich bei dieser Person um einen Tatbeteiligten, einen Trittbrettfahrer oder einen zufälligen Passanten handele.

          Der Betrieb läuft weiter

          Der Betrieb in den beiden Filialen laufe weiter, teilte ein Poco-Sprecher mit. Die Verkaufshäuser seien von den Bränden nicht betroffen, sie würden jetzt aus provisorisch eingerichteten Lagern bedient.

          Mit einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro ist Poco der sechsgrößte Möbelhändler in Deutschland hinter Ikea, der Höffner-Gruppe, XXX-Lutz, Roller/Tejo und Porta (mit dem Discounter Möbel Boss). Von der Zentrale in Bergkamen aus werden 109 Mitnahmemärkte in Deutschland sowie ein Standort in Polen betrieben. Ende dieser Woche eröffnet eine erste Filialen in den Niederlanden. In den kommenden Jahren sind hierzulande laut einem Sprecher 30 bis 40 weitere Standorte geplant.

          Der auch durch seine Werbung mit Fernsehmoderatorin Daniela Katzenberger bekannte Möbeldiscounter gehört zum weitverzweigten Steinhoff-Konzern, der als zweitgrößter Möbelhändler in Europa nach Ikea gilt. Den Grundstein für das expansionsfreudige Unternehmen legte Bruno Steinhoff. 1965 gründete er im niedersächsischen Westerstede die Bruno Steinhoff Möbelvertretungen und -vertrieb und importierte Möbel aus Osteuropa. Durch zahlreiche Zukäufe wuchs die inzwischen in Südafrika beheimatete Gruppe kräftig. Ebenfalls an Poco beteiligt ist seit Anfang des vergangenen Jahres Andreas Seifert, Chef der österreichischen XXX-Lutz-Gruppe.

          In der Vergangenheit sahen sich schon etliche Unternehmen Erpressungsversuchen ausgesetzt. Für großes Aufsehen sorgten in den achtziger und neunziger Jahren die Anschläge auf Karstadt-Warenhäuser. Mit der Drohung vergifteter Lebensmittel wurde vor einigen Jahren der Discounter Aldi Süd erpresst. Beim Möbelhändler Ikea gab es 2011 Anschläge auf Filialen in Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland.

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