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BP zieht Zwischenbilanz : Ölpest kostet bisher mehr als 32 Milliarden Dollar

Bob Dudley: „BP wird kleiner sein als bisher, aber wir werden finanziell wachsen” Bild: REUTERS

Die Ölkatastrophe verschafft BP einen Verlust, der die Erwartungen der Analysten noch übertrifft. Der scheidende Chef Hayward aber kann auf eine stattliche Abfindung, Betriebsrenten und Aktien hoffen.

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          Die Ölpest im Golf von Mexiko kommt den britischen Energiekonzern BP noch teurer zu stehen als erwartet. In seinem am Dienstag veröffentlichten Halbjahresbericht verbucht das Unternehmen bisher entstandene Belastungen durch die Umweltkatastrophe von insgesamt 32,2 Milliarden Dollar (25 Milliarden Euro). Analysten hatten dagegen die Schäden auf 25 bis 30 Milliarden Dollar geschätzt.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der drittgrößte private Ölkonzern der Welt hat dadurch im ersten Halbjahr einen Nettoverlust von 10,9 Milliarden Dollar gemacht, während BP im Vorjahreszeitraum noch einen Gewinn von 7,1 Milliarden Dollar ausgewiesen hatte. Im kommenden Quartal ist nach Angaben von BP mit weiteren Kosten zu rechnen. Analysten schätzen die drohenden Gesamtschäden auf bis zu 70 Milliarden Dollar. Gegen das Unternehmen wurden allein bisher mehr als 300 Zivilklagen eingereicht, die amerikanischen Behörden ermitteln wegen zahlreicher Gesetzesverstöße. Der BP-Aktienkurs gab im Handelsverlauf in London um 2 Prozent auf 409 Pence nach.

          Hayward bekommt Aufsichtsratsposten

          Neuer Vorstandschef des krisengeschüttelten Unternehmens wird wie erwartet der 54 Jahre alte Amerikaner Bob Dudley. Er ist bisher im BP-Vorstand für das Asien- und Amerikageschäft zuständig. Dudley soll allerdings erst Anfang Oktober Tony Hayward an der Konzernspitze ablösen. Der Brite ist wegen seines Krisenmanagements im Golf von Mexiko vor allem in den Vereinigten Staaten heftig in die Kritik geraten.

          Übergibt seinen Chefposten erst im Oktober: Tony Hayward

          Hayward gab sich am Dienstag gegenüber den BP-Mitarbeitern selbstkritisch: „Ich habe in manchen Situationen Fehler gemacht“, schrieb der Ölmanager, der mit verharmlosenden Interviews den Zorn der amerikanischen Regierung auf sich gezogen hat, in einem Brief an die Belegschaft. Er wird den Konzern aber nicht ganz verlassen, sondern soll für BP einen Aufsichtsratsposten bei der russischen Sparte TNK-BP übernehmen. Die Tochtergesellschaft ist eine der wichtigsten Beteiligungen des Konzerns.

          Abfindung, Betriebsrente, Aktienpakete

          Trotz der Ölkatastrophe erhält der BP-Chef außerdem als Abfindung ein Jahresgehalt von 1,1 Millionen Pfund (rund 1,3 Millionen Euro) und hat nach 28 Jahren im Unternehmen Anspruch auf eine Betriebsrente in Höhe von insgesamt 10,8 Millionen Pfund. Außerdem stehen ihm nach Angaben eines Unternehmenssprechers BP-Aktien aus laufenden Vergütungsprogrammen für Führungskräfte zu.

          Haywards Nachfolger Dudley, der BP aus der schwersten Krise seiner Geschichte führen soll, versuchte am Dienstag Aufbruchstimmung zu verbreiten: BP werde „kleiner sein als bisher, aber wir werden finanziell wachsen“, sagte der Ölmanager im amerikanischen Fernsehen. Dudley zeigte sich zugleich zuversichtlich, dass mehr als drei Monate nach Beginn der Umweltkatastrophe kein weiteres Öl aus der Ölquelle im Golf von Mexiko austreten werde. Das Leck in der Tiefsee ist bisher allerdings nur provisorisch abgedichtet. Dauerhaft kann es im August geschlossen werden.

          Verkauf von Tochtergesellschaften soll 30 Milliarden Dollar einbringen

          Der Verwaltungsratsvorsitzende Carl-Henric Svanberg versprach einen Neuanfang: BP werde „in Zukunft ein anderes Unternehmen sein unter einer neuen Führung mit robusten Aufsichtsstrukturen und einem sehr engagierten Verwaltungsrat“, sagte der Schwede, dem von Großaktionären Passivität vorgeworfen worden war. Er werde trotz der Kritik im Amt bleiben, sagte Svanberg, der im Januar zu BP gestoßen ist.

          Dudley muss es in den kommenden Monaten schaffen, BP zu stabilisieren. Der Aktienkurs des Unternehmens ist seit Ende April um mehr als ein Drittel gefallen. In den vergangenen Wochen sind deshalb immer wieder Spekulationen aufgekommen, BP könnte zum Übernahmekandidaten werden. Um Geld zu beschaffen, kündigte der Konzern am Dienstag an, dreimal mehr Beteiligungen als bisher geplant abzugeben: Statt 10 Milliarden Dollar will BP nun in den nächsten anderthalb Jahren insgesamt 30 Milliarden Dollar durch den Verkauf von Tochtergesellschaften erlösen. Trennen will sich das Unternehmen vor allem von wenig wachstumsträchtigen Randbereichen der Öl- und Gasförderung. Das ertragsschwache Tankstellen- und Raffineriegeschäft stehe dagegen nicht zur Disposition.

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