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Boykottbewegung : Eine Front gegen Mark Zuckerberg & Co.

Die Boykottbewegung gegen social-media-Plattformen wächst. Bild: AP

Von Coca-Cola bis Unilever: Immer mehr große Werbekunden boykottieren Facebook und zum Teil auch andere Plattformen. Facebook reagiert – geht aber seinen Kritikern nicht weit genug.

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          Eine gute Woche ist es her, dass eine Gruppe bekannter Menschenrechtsgruppen einen Appell an Unternehmen gestartet hat, im Juli keine Anzeigen auf Facebook zu schalten. Es sollte eine Protestaktion sein, denn nach Auffassung der Organisationen tut das soziale Netzwerk auf seinen Diensten noch immer viel zu wenig gegen rechtsextreme Gruppen, Aufrufe zur Gewalt und Versuche, Wahlen zu manipulieren. Der Boykott sollte das soziale Netzwerk dort treffen, wo es ihm besonders weh tut, denn es macht fast seinen gesamten Umsatz mit Werbung. Die Aktion fand schnell Gehör, wobei sich ihr zunächst vor allem kleinere Unternehmen anschlossen, darunter North Face und Patagonia, zwei Hersteller von Outdoor-Bekleidung.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Nun aber folgen Großkonzerne. Am Donnerstag setzte der Telekommunikationskonzern Verizon Werbung auf Facebook auf unbestimmte Zeit aus. Am Freitag sorgte Unilever für einen noch größeren Paukenschlag und ging weit über die Forderung der Menschrechtsgruppen hinaus. Das Konsumgüterkonglomerat teilte mit, Werbung auf Facebook und zugehörigen Plattformen in den Vereinigten Staaten nicht nur im Juli, sondern mindestens bis zum Jahresende zu stoppen. Und dieser Boykott erstreckt sich nicht nur auf Facebook, sondern auch auf den Kurznachrichtendienst Twitter. Am Freitagabend folgte auch noch der Getränkegigant Coca-Cola und kündigte an, in den nächsten 30 Tagen Werbung in allen sozialen Netzwerken zu stoppen, und dies soll neben Facebook und Twitter auch für Youtube gelten, den zu Google gehörenden Videodienst.

          Unilever teilte mit: „Weiter auf diesen Plattformen zu werben, würde keinen Wert für Menschen und für die Gesellschaft schaffen.“ Gerade was spalterische Äußerungen und Hasskommentare inmitten der gegenwärtigen polarisierten Zeit vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen betreffe, hätten diese Online-Dienste noch viel zu tun. Coca-Cola-Vorstandsvorsitzender James Quincey sagte in einer Stellungnahme, er erwarte mehr Verantwortung und Transparenz von sozialen Medien. Der zumindest vorläufige Verlust solcher großer Markenartikelkonzerne schmerzt. Unilever zum Beispiel hat im vergangenen Jahr nach Angaben der Marktforschungsgruppe Pathmatics in Amerika mehr als 42 Millionen Dollar für Facebook-Anzeigen ausgegeben. Der Konzern teilte mit, die von Facebook und Twitter abgezogenen Werbeausgaben auf andere Medien verlagern zu wollen.

          Coca-Cola hat entschieden, seine social media Werbungen für 30 Tage lang auszusetzen.
          Coca-Cola hat entschieden, seine social media Werbungen für 30 Tage lang auszusetzen. : Bild: AFP

          Die immer größere Wucht der Boykotte hat sich am Freitag an der Börse niedergeschlagen. Der Aktienkurs von Facebook fiel um mehr acht Prozent, Twitter verlor mehr als sieben Prozent an Wert, und das war noch vor der Ankündigung von Coca-Cola. Insgesamt haben sich dem Aufruf nach Angaben einer der daran beteiligten Gruppen mittlerweile mehr als 120 Unternehmen angeschlossen.

          Nur kurze Zeit nach der Mitteilung von Unilever hat sich Mark Zuckerberg zu Wort gemeldet. Ohne den Boykottaufruf direkt anzusprechen, kündigte der Mitgründer und Vorstandsvorsitzende von Facebook eine ganze Serie von Schritten an, und zwar auf solchen Gebieten, auf denen er nach Ansicht seiner Kritiker bislang nicht genug getan hat. Beispielsweise soll mehr gegen Inhalte getan werden, die Menschen vom Wählen abhalten könnten. So sollen Einträge verboten werden, in denen fälschlicherweise behauptet wird, in Wahllokalen würden Einwanderungsdokumente kontrolliert. Facebook will auch die Kategorien von Hassbotschaften erweitern, die in Anzeigen nicht erlaubt sind. Etwa dass Menschen einer bestimmten Rasse eine Bedrohung darstellen oder Flüchtlinge minderwertig oder verachtenswert sind.

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