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Unternehmensberater : Boston Consulting Group hat erstmals mehr als 1000 Partner

BCG-Deutschlandchef Carsten Kratz Bild: Boston Consulting Group

Unternehmensberater erleben gerade glänzende Zeiten. In drei Demo-Fabriken zeigen die Berater, wie Industrie 4.0 funktionieren kann.

          2 Min.

          Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) ist im vergangenen Jahr weiter kräftig gewachsen. Global stieg der Umsatz um 14 Prozent auf 5,6 Milliarden Dollar. Die Zahl der Mitarbeiter stieg innerhalb eines Jahres von 12 000 auf 14 000. Vor allem die Digitalisierung treibt das Geschäft der Berater voran.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          BCG-Deutschland-Chef Carsten Kratz zeigte sich beim jährlichen Presseabend der Berater ausgesprochen zufrieden: „Wir wachsen das zweite Jahr in Folge zweistellig: weltweit und auch in Deutschland“, sagte Kratz, „damit haben wir unsere selbst gesteckten Ziele noch übertroffen.“ Auch die globale Führungsebene der Unternehmensberatung wurde ausgebaut. Erstmals stieg die Zahl der Manager auf Partner-Ebene rund um die Welt auf über 1000, rund 15 Prozent davon sind Frauen. Bei Neueinstellungen will BCG mittelfristig 40 Prozent Frauen berufen.

          Genaue Geschäftszahlen für den deutschen Markt veröffentlicht BCG seit drei Jahren nicht mehr. Hochgerechnet mit den veröffentlichten Wachstumsraten, dürfte der jährliche Umsatz in Deutschland mittlerweile bei schätzungsweise 730 Millionen Euro (Vorjahr: 620 Millionen) liegen.

          Jeden zehnten Euro haben in Deutschland Tochtergesellschaften erwirtschaftet. Vor gut drei Jahren schon hatten die Berater den Start-up-Ableger Digital Ventures ins Leben gerufen, der großen Traditionskonzernen helfen soll, mehr Start-up-Geist ins Unternehmen zu holen. Geführt wird der Ableger vom früheren Ebay-Deutschland-Chef Stefan Groß-Selbeck. Die Tochtergesellschaft Gamma ist spezialisiert auf die Analyse großer Datenmengen. Im vergangenen Jahr hat die Boston Consulting Group zusätzlich noch den Kölner Einkaufsberater Inverto übernommen. Der Kauf war für das Unternehmen die größte Übernahme seit Jahren und in Deutschland die bisher größte in der Unternehmensgeschichte. In fünf Jahren sollen die Tochtergesellschaften zusammen rund 20 Prozent zum Umsatz in Deutschland beitragen, hat Kratz als Zielmarke ausgegeben.

          BCG plant in diesem Jahr 500 Neueinstellungen

          Der Wachstumskurs macht sich auch bei den Einstellungen bemerkbar: Im vergangenen Jahr hat BCG in Deutschland und Österreich zusammen rund 450 neue Mitarbeiter eingestellt, zwei Drittel davon klassische Berater. Im kommenden Jahr sollen es sogar noch mehr sein: Mehr als 500 Neueinstellungen hat Kratz geplant, davon wieder zwei Drittel Berater. Etwa die Hälfte der Neueinstellungen wird benötigt, um die in der Beratungsbranche traditionell hohe Fluktuation abzufedern.

          Kratz äußerte sich insgesamt optimistisch über die Zukunft der deutschen Wirtschaft im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung. „Viele Menschen mögen um ihre Arbeitsplätze fürchten, aber es gibt riesige Chancen für die deutsche Industrie“, sagte er. Deutschland habe eine sehr gute Ausgangslage. „Wir haben in Deutschland die besten Maschinen und die besten Mitarbeiter.“ Kurz- und mittelfristig sieht er für Deutschland durch die Digitalisierung große Chancen, Wettbewerbsvorteile auszubauen. Was ganz langfristig auf die deutsche Wirtschaft zukomme, wenn der Verbrennungsmotor einmal nicht mehr gebraucht werde, könne heute noch niemand sagen: „Die Veränderungen werden groß sein, da Deutschlands Wirtschaft stark von der Automobilbranche und deren Zulieferern geprägt ist.“

          Demo-Fabrik in Aachen
          Demo-Fabrik in Aachen : Bild: Boston Consulting Group

          Um Kunden zu zeigen, wie Industrie 4.0 in der Praxis funktionieren kann, hat BCG gemeinsam mit Kooperationspartnern drei Demo-Fabriken aufgebaut: eine in Aachen, eine in Kaiserslautern und eine in Stuttgart. Manager können dort sehen, wie zum Beispiel der Maschinenbau und die Chemieindustrie der Zukunft aussehen können. „Das senkt die Hemmschwelle“, sagte Kratz. „Manche deutsche Unternehmen sind Vorreiter, aber viele hierzulande haben nach wie vor keine genaue Vorstellung, welche Möglichkeiten es heute gibt.“

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