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Bosch-Chef zu Bilanzzahlen : „Die Elektromobilität ist keine Wette mehr“

Bosch-Chef Volkmar Denner in einem Show-Auto Bild: dpa

20 Milliarden Euro an Aufträgen in der Elektromobilität habe man schon eingesammelt, sagt Bosch-Chef Denner. In drei Jahren soll das Geschäft mit der Antriebsform profitabel sein. Und doch setzt er seine Hoffnungen auch auf die Brennstoffzelle.

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          Die Elektromobilität wird für den Autozulieferer und Digitalkonzern Bosch mehr und mehr zum Kerngeschäft. Das sagte Volkmar Denner, Chef des Stuttgarter Unternehmens, anlässlich der Bilanzpressekonferenz. Bis Ende 2020 habe man schon Aufträge im Wert von 20 Milliarden Euro akquiriert. Vom Jahr 2024 an will das Unternehmen, das knapp 400.000 Mitarbeiter hat, mit der Elektromobilität Gewinn erwirtschaften, dann sollen sich die Vorleistungen, also etwa Forschungsinvestitionen, in Höhe von bisher 5 Milliarden Euro auszahlen.

          Gustav Theile
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Die Elektromobilität ist damit keine Wette auf die Zukunft mehr, wir verdienen die Vorleistungen zurück“, sagte Denner laut vorab verbreitetem Redemanuskript. Der Umsatz in dem Bereich soll sich bis 2025 auf 5 Milliarden Euro verfünffachen. „Und während der Markt für elektrische Antriebskomponenten derzeit jährlich um gut 20 Prozent wächst, legt Bosch um nahezu 40 Prozent zu“, bekräftigte Denner.

          Bosch profitiert von China

          Finanziell sieht sich der größte Automobilzulieferer der Welt gut aufgestellt. Der sogenannte „Free-Cash-Flow“ sei mit 5,1 Milliarden Euro so hoch wie nie, sagte Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer. Die Eigenkapitalquote liege bei 44 Prozent. Der Umsatz stieg in den ersten drei Monaten des Jahres um 17 Prozent. „Doch auch gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 legte der Umsatz um 8,5 Prozent zu“, sagte Asenkerschbaumer.

          Für das laufende Jahr rechnet der Konzern mit einem Umsatzwachstum von 6 Prozent, die operative Rendite soll bei 3 Prozent liegen. Damit hätte der Konzern die Corona-Delle, die im Jahr 2020 Umsatzeinbußen von 6,4 Prozent auf 71,5 Milliarden Euro bedeutete, innerhalb eines Jahr fast wieder wett gemacht. Doch die Rendite bleibt weiterhin unter der selbstgesteckten Zielmarge von 7 Prozent.

          Halbleiter machen Probleme

          Bosch profitierte im ersten Quartal stark von der Entwicklung in China. Der Umsatz dort ist im Vergleich zum Vorjahresquartal um 54,4 Prozent gestiegen, aber auch im Vergleich zum ersten Quartal 2019 um 26,7 Prozent. In Europa betrug das Plus gegenüber dem ersten Pandemie-Quartal Anfang 2020 nur 14 Prozent. In Nordamerika gab es ein Minus 3,2 Prozent, ohne Wechselkurseffekte hätte es dort jedoch einen Umsatzzuwachs von 6,6 Prozent gegeben. Für den Rest des Jahres setzt der Konzern seine Hoffnungen auf Asien und Nordamerika. In Europa werde sich die Erholung aber noch verzögern, weil die Einschränkungen hier länger anhalten.

          Zu schaffen machen den Stuttgartern aber die Engpässe bei den Halbleitern, sagte Asenkerschbaumer. Der gefährde die prognostizierte Erholung in der Autoproduktion. „Eine kurzfristige Verbesserung der Situation ist aber leider nicht zu erwarten, sondern unsere gesamte Industrie wird voraussichtlich auf Monate hinaus mit dieser unbefriedigenden Lage konfrontiert sein.“ Perspektivisch müssten die Lieferketten widerstandsfähiger werden.

          Loblied auf den Wasserstoff

          Im Gegensatz zu anderen Konzernen aus der Auto-Industrie wie etwa Volkswagen setzt Bosch neben der Elektromobilität auch auf die Brennstoffzelle, also Wasserstoff, als Antriebsart. Diese befinde sich „auf dem raschen Weg zur Serienreife“, meint Denner. Eingesetzt werden soll die Technologie allerdings nicht nur in Autos, sondern auch zur Stromversorgung. „Von 2021 bis 2024 investieren wir für den Brennstoffzellen-Antrieb gut 600 Millionen Euro, für Brennstoffzellen-Kleinkraftwerke nochmals 400 Millionen Euro“, sagte Denner. Schon im laufenden Jahr werde man 100 Anlagen der stationären Brennstoffzelle zur Stromversorgung in Betrieb nehmen.

          Für den Wasserstoffantrieb für Lastwagen hat Bosch sich kürzlich mit einem chinesischen Partner zusammengetan. Die Produktion dort solle im laufenden Jahr starten, zudem werde es bald eine Testflotte geben. Bis zum Jahr 2030 werde das Marktvolumen 18 Milliarden Euro betragen, meint Denner.

          Von der Politik fordert der Manager seit Jahren mehr Technologieoffenheit. Klimaneutrale Mobilität sei so ehrgeizig wie die erste Mondlandung. Der damalige Präsident Amerikas Kennedy habe das Ziel ausgegeben, aber die Entwicklung den Ingenieuren überlassen. „Die EU-Kommission läuft Gefahr, es umgekehrt zu machen. Mit ihrer Politik, die faktisch auf ein Technologie-Monopol hinausläuft, wäre schon die Mondlandung nicht gelungen. Heute schneidet sie mögliche Pfade zum Klimaschutz ab.“ Man dürfe die verschiedenen Technologien nicht gegeneinander ausspielen, sondern solle sie kombinieren. „Ohne Wasserstoff-Wirtschaft jedenfalls wird Europa nicht klimaneutral“, sagt Denner.

          Zudem kritisiert er die Ansätze der EU zu neuen Schadstoffnormen für Autos. „Es scheint jedoch, als fixiere sich die europäische Politik allein auf das kurzfristige Ende des Verbrenners, scheue sich aber, über die Beschäftigungsfolgen zu sprechen.“ Erste Entwürfe für die Normen dafür waren der Industrie zu streng, inzwischen sei Bewegung in die Sache gekommen, sagt Denner. Er warnt vor einer „bedenklichen Industriepolitik“. Diesel und Benziner hätten auf die Luftqualität ohnehin kaum noch negativen Einfluss.

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