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Wichtig für Elektroautos : Bosch-Chef: Batteriefabrik lohnt sich wohl nicht

Kein großer Spielraum für Gewinne

Die Chance bestehe generell darin, dass ein Milliardenmarkt entstehe. Bosch rechnet ganz grob damit, dass bis zum Jahr 2030 der jährliche Bedarf an Batteriezellen auf 1000 Gigawattstunden steigen wird. Um in diesem Markt eine führende Position zu erreichen, brauche man einen Marktanteil von 20 Prozent – also Fertigungskapazitäten von 200 Gigawattstunden. Für eine entsprechende Batteriefabrik wäre eine Investition von 20 Milliarden Euro nötig, erklärte Denner. Ob sich das Geschäft rechnen könnte, zog er gleich selbst in Zweifel.

Auch mit künftigen Zelltechnologien werde ein harter Preiskampf ausgetragen und etablierte Marktteilnehmer (im wesentlichen fünf asiatische Hersteller) verfügten über starke Wettbewerbsvorteile. Der Spielraum für mögliche Gewinne sei gleichzeitig nicht besonders groß, denn drei Viertel der Herstellkosten entfalle auf das Material. Denner hob zudem darauf ab, dass sowohl in Fragen der Technik wie auch des Marktes vieles sehr schwer vorhersehbar sei, nicht zuletzt wegen des langen Planungshorizonts.

„Wir gehen davon aus, dass wir unsere Entscheidung in einigen Wochen kommunizieren können“, sagte Denner. Einen Zusammenhang mit den Bemühungen des EU-Vize-Präsidenten Maros Sefcovic um eine europäische Batterie-Allianz gebe es in der Sache nicht, wird bei Bosch betont. Die Alternativen zu einer Großinvestition in die Batteriezell-Produktion ließ die Bosch-Geschäftsführung noch im Dunkeln. Man werde die Mittel für die Transformation einsetzen, sagte Denner lediglich, und dass es notwendig sei, ein Finanzpolster zu haben, um auch für Zukäufe im Tech-Bereich gewappnet zu sein, die heutzutage häufig mit Milliardensummen bewertet werden.

78 Milliarden Euro Umsatz

Ausdrücklich nennt Denner es als Ziel für Bosch, im Internet der Dinge (IoT) führend zu werden. „Während das Silicon Valley die digitale Welt vernetzt, vernetzt Bosch die reale Welt“, lautet das Leitmotiv. 38 Millionen internetfähige Produkte habe man im vergangenen Jahr verkauft, über die Bosch-IoT-Suite würden derzeit 6,2 Millionen Sensoren, Geräte und Maschinen vernetzt. Derzeit arbeite Bosch an 170 eigenen IoT-Projekten, von der Mobilität über Gebäude bis hin zur vernetzten Landwirtschaft.

Für den zukünftigen Erfolg mögen solchen Entwicklungen bedeutend sein, das aktuelle Geschäft ist nach wie vor von der Automobiltechnik geprägt. Zum Gesamtumsatz von 78 Milliarden Euro steuerte die Sparte Mobilität im vergangenen Jahr 47,4 Milliarden Euro Umsatz bei (plus 7,8 Prozent). Weit abgeschlagen folgen Konsumgüter mit 18,5 Milliarden Euro (plus 4,5 Prozent), Industrietechnik mit 6,7 Milliarden Euro (plus 6,3 Prozent) und Energie- und Gebäudetechnik mit 5,4 Milliarden Euro (plus 3,1 Prozent).

Der Konzern erzielte damit ein Ebit (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) von 5,3 Milliarden Euro (nach 4,3 Milliarden Euro im Vorjahr). Mit einer Ebit-Marge von 6,8 Prozent liegt Bosch deutlich hinter anderen großen Autozulieferern zurück, was Bosch-Chef Denner mit der niedrigeren Rendite in den anderen Sparten erklärte. Für das laufende Jahr erwartet man bei Bosch Wachstumsraten zwischen 2,5 und 3 Prozent.

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