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Borussia Dortmund : Umsatz und Gewinn sind zwei Paar Schuhe

„Die Borussia bleibt weiter auf Wachstumskurs“

Die Fans wären begeistert. Denn auch sie werden angesichts der sportlichen und wirtschaftlichen Stabilisierung des Vereins, der auch schon einmal mit der Insolvenz Walzer getanzt hat, immer zahlreicher. Das kann man am Samstag vor dem ausverkauften Heimspiel gegen Nürnberg wieder sehen. Dann bekommt Mathias Fandrey aus Arnsberg im Stadion einen Auftritt, den er in seinem Leben nicht vergessen wird. Denn Dortmund hat als dritter deutscher Sportverein die Marke von 100.000 Mitgliedern erreicht. Und Fandrey hat es vor ein paar Wochen geschafft, sich zum exakt richtigen Zeitpunkt anzumelden.

Jetzt ist er das Jubiläums-Mitglied, mit einer Ehrung durch den Vereinspräsidenten Reinhard Rauball auf dem Spielfeld inklusive. Derweil hält der Zustrom neuer Borussia-Fans an. Inzwischen liegt die Mitgliederzahl bei 100.254. Übertreffen können das in der Bundesliga nur die Bayern aus München mit rund 230.000 Mitgliedern und der Dortmunder Erzrivale Schalke 04 mit rund 125.000. Spannender als dieser Vergleich ist aber die Dynamik der vergangenen Jahre: 1989 zählte der damalige DFB-Pokalsieger Borussia Dortmund nach zuvor 23 titellosen Jahren gerade einmal 1800 Mitglieder. Ende 2005 waren es schon 20.000, und danach ging es richtig steil bergauf.

Natürlich spiegelt sich das auch im Verlauf des Aktienkurses wider, auch wenn die Erstzeichner den Emissionskurs vermutlich von 11 Euro nie weder sehen werden. Analyst Alexander Langhorst von GSC Research jedenfalls bewertet die BVB-Aktie weiterhin mit „Kaufen“ und dem Kursziel 4,50 Euro. Derzeit notiert das Papier zu Kursen um 3,90 Euro. Im vergangenen Jahr ist der Wert des Papiers um ein knappes Drittel gestiegen. Für die vergangenen Jahre steht ein Plus von mehr als 300 Prozent zu Buche. Ein Investment in den Revierverein war aus Anlegersicht in turbulenten Börsenzeiten damit nicht die schlechteste Idee. „Die Borussia bleibt weiter auf Wachstumskurs“, sagt auch Marktanalyst Daniel Saurenz von Feingold-Research. In den Sphären von Paris, Madrid oder Manchester spiele der BVB finanziell noch nicht, aber eine Etage tiefer durchaus.

Auch das Risiko spielt eine Rolle

Dort will sich Watzke festbeißen, als zweiter deutscher Leuchtturm neben den Bayern. Der Aktienkurs spiegelt dieses Potential aus seiner Sicht nicht wider: „Borussia Dortmund ist völlig unterbewertet“, sagte er jüngst im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Wenn der Investor KKR, ein Unternehmen, das etwas von der Materie versteht, Hertha BSC Berlin mit der gleichen Summe von gut 200 Millionen Euro bewertet, wie der Markt Borussia Dortmund bewertet, und andererseits der Versicherungskonzern Allianz, der auch etwas davon versteht, die Bayern auf weit über 1 Milliarde Euro taxiert, dann ist jedem klar, dass wir unterbewertet sind.“

Watzke verweist auf das eigene Stadion, auf dem mit rund 30 Millionen Euro die einzigen verbliebenen Verbindlichkeiten liegen. Schon diese Arena sei mehr 200 Millionen Euro wert. „Wir haben einen Spielerwert von über 300 Millionen. Das sind schon 500 Millionen – von den anderen Dingen gar nicht zu reden.“ Der Markt aber bewerte Borussia Dortmund mit 220 Millionen Euro.

So ist Fußball zwar unser Leben. Aber für den Anleger an der Börse gilt das nicht. Es ist wohl das Risiko, das eine Rolle spielt. Die Angst vor der Verletzung eines wertvollen Spielers zum Beispiel, das für solche Abschläge sorgt. Denn: Geld schießt Tore. Und ohne Tore ist im Fußball das Leben fad. In Dortmund sind die Tore die Spezialität von Robert Lewandowski, dem deshalb in der vergangenen Saison der vorzeitigen Wechsel zum FC Bayern München verwehrt blieb. Auf eine Erfüllung des Vertrags, der in diesem Sommer ausläuft, zu bestehen und damit auf eine Ablösezahlung von 20 Millionen Euro zu verzichten sei „nicht die schlechteste Entscheidung“ gewesen, sagt Watzke nun.

Beim 4:2-Sieg gegen Zenit St. Petersburg im Achtelfinalhinspiel der Champions League hat sich der Verbleib Lewandowskis in dieser Woche jedenfalls abermals bezahlt gemacht. Mit seinen beiden Toren in der 61. und 71. Minute trug der Star maßgeblich dazu bei, dass der BVB auf das Viertelfinale zusteuert.

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