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Ungewöhnliche Police : Dortmunds geheime Champions-League-Versicherung

  • -Aktualisiert am

Dortmund-Fan: Versicherungsstatus unbekannt. Bild: Reuters

Borussia Dortmund hat sich offenbar mit einer ungewöhnlichen Versicherungspolice gegen Einnahmeverluste abgesichert. Die Saison ohne Champions League wird finanziell aufgefangen. Andernorts ist das verboten.

          2 Min.

          Der börsennotierte Fußballklub Borussia Dortmund (BVB) hat sich nicht zu einem Bericht äußern wollen, wonach er sich mit einer Versicherungspolice gegen Einnahmeverluste in seinem internationalen Geschäft abgesichert haben soll. In dieser Sache wolle der Verein „keinen Kommentar“ abgeben, hieß es am Donnerstag auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Nach den sportlichen Rückschlägen in dieser Saison können die Dortmunder aber offenbar damit rechnen, einen Großteil der Einnahmen, die ihnen demnächst wegen der Nichtteilnahme an der Champions League entgehen werden, ersetzt zu bekommen. Wie der Nachrichtendienst „Bloomberg“ meldete, soll ein solcher Versicherungsvertrag existieren. Dahinter stünde ein Versicherungskonsortium mit rund zwölf Mitgliedern unter der Führung von der Catlin Group Ltd. und der XL Group Plc.

          Thomas Klemm
          Sportredakteur.

          Absicherungen dieser Art sind im Fußball nicht unüblich. Es gibt sie gegen Misserfolg, Abstieg, aber auch im Erfolgsfall, wenn Spielern höhere Prämien von den Vereinen gezahlt werden. „Es gibt extrem viele Anfragen in der Bundesliga“, sagte der Sportversicherungsmakler Dieter Prestin, einst selbst Fußballprofi beim 1. FC Köln, der F.A.Z. „Aber je später in der Saison die Anfrage kommt, desto teurer wird es.“ Einige Bundesligavereine hätten sich derzeit auf unterschiedliche Weise abgesichert. „Die professioneller werdenden Vorstände denken immer öfter an die Risikovorsorge“, sagt Prestin.

          Nur drei Manager des Vereins sollen von der Police gewusst haben

          Die Dortmunder liegen derzeit auf dem neunten Rang der Bundesliga und können erstmals seit fünf Jahren nicht mehr in die lukrative europäische Meisterklasse kommen. Der Klub erzielte in dem Geschäftsjahr bis 30. Juni 2014 260,7 Millionen Euro an Einnahmen, davon waren 34,7 Millionen Preisgelder des europäischen Verbandes.

          Der Klub habe die Ausfallversicherung 2012 abgeschlossen, als man das zweite Jahr in Folge deutscher Meister wurde, berichtet „Bloomberg“. Die Versicherungen hätten eine Option zur Kündigung gehabt, wenn Trainer Jürgen Klopp oder drei Dortmunder Spitzenspieler den Verein im Laufe des vorangegangenen Jahres verlassen hätten.

          Die Versicherer forderten laut Bloomberg Vertraulichkeit, um zu verhindern, dass die von Jürgen Klopp trainierte Mannschaft im Kampf um einen hohen Tabellenplatz nachlässt.
          Die Versicherer forderten laut Bloomberg Vertraulichkeit, um zu verhindern, dass die von Jürgen Klopp trainierte Mannschaft im Kampf um einen hohen Tabellenplatz nachlässt. : Bild: dpa

          Topklubs wie Real Madrid könnten eine solche Absicherung für fünf Prozent der versicherten Summe abschließen. Für Dortmund liege eine solcher Betrag eher bei 30 Prozent der Versicherungssumme. In Anbetracht der aktuellen Situation könnte es sich um einen guten Schachzug des Managements gehandelt haben.

          Nur drei Manager des Vereins wüssten von der Police, um zu verhindern, dass die Mannschaft im Kampf um einen hohen Tabellenplatz nachlässt. Im englischen Fußball sind solche Versicherungen verboten, um Manipulationen von Spielen zu verhindern. Der FC Bayern wollte sich am Donnerstag auf Anfrage nicht dazu äußern, ob er ähnliche Versicherungen wie Dortmund abgeschlossen hat.

          Der börsennotierte BVB bleibt trotz sportlicher Mittelmäßigkeit finanziell stabil. Analyst Thorsten Renner von GSC Research geht davon aus, dass sich beim Klub nach einem kleinen Endspurt und einer folgenden Qualifikation für die Europa League wirtschaftlich nur „eine kleinere Lücke“ gegenüber dem Champions-League-Jahr auftut. Die Borussia habe sich „finanziell sehr wacker geschlagen“, wie auch die Umsatzsteigerung von 10 Prozent auf 150 Millionen Euro in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres (bis 31. Dezember 2014) zeigte. Weil die Gesellschaft durch zwei Kapitalerhöhungen die Verbindlichkeiten komplett zurückgeführt hat und über ein „Festgeldkonto“ verfügt, stehe finanziell nichts im Wege, das Team zusammenzuhalten.

          Für die wirtschaftliche Entwicklung ist Renner „positiv gestimmt“. Am Donnerstag musste die BVB-Aktie aber Verluste im S-Dax der Kleinwerte hinnehmen. Sie notierte mehr als 1 Prozent schwächer bei 3,48 Euro. GSC-Analyst Renner belässt sein Kursziel bei 4,50 Euro, setzt seine Empfehlung aber auf „Kaufen“ herauf. Auf längere Sicht halte er – sportlichen Erfolg vorausgesetzt – 5 Euro für möglich.

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