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Ostdeutscher Netzbetreiber : Boris Schucht verlässt 50Hertz

  • -Aktualisiert am

Boris Schucht, Geschäftsführer des Stromnetzbetreibers 50Hertz Transmission GmbH, während einer Bilanzpressekonferenz im März 2015. Bild: dpa

Der Chef des ostdeutschen Netzbetreibers 50Hertz geht vorzeitig. Das liegt unter anderem am Umbau des Konzerns – und damit indirekt auch an der Bundesregierung.

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          Seit 2010 führt Boris Schucht den ostdeutschen Netzbetreiber 50Hertz. Ende Februar wird er sein Amt des Vorsitzenden der Geschäftsführung abgeben. Schuld sind nicht zuletzt die Chinesen.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          „Nach neun sehr spannenden und überaus erfolgreichen Jahren im Kreis einer wirklich großartigen 50Hertz-Mannschaft ist dies für mich der richtige Zeitpunkt, den Staffelstab weiter zu geben“, erklärte Schucht am Mittwoch. Mit warmem Dank für „außergewöhnliche Leistungen und die vielen Erfolge“ sowie Schuchts „engagierten Beitrag“ meldete sich der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Chris Peeters, zu Wort. Peeters ist CEO der Muttergesellschaft Elia. Man habe die Auflösung des bis Februar 2023 laufenden Vertrages einvernehmlich vereinbart.

          Der von Peeters betriebene Umbau des Konzerns war ein Grund für Schuchts Schritt. Die neue Gruppen-Struktur lässt dem deutschen Chef weniger Handlungsfreiheit, vor allem auch in strategischen Fragen. Die aber hat Schucht genossen und gelebt – und seine Eigner damit reich gemacht. 810 Millionen Euro hatten Elia und der australische Fonds IFM im Jahre 2010 für den Netzbetreiber 50Hertz an Vattenfall gezahlt. Zuletzt hatten Chinesen fast eine Milliarde Euro für nur 20 Prozent geboten – eine Steigerung um das Zwölffache.

          IMF hat seine Anteile mit einem netten Zugewinn verkauft. Allerdings nicht an die Chinesen, die 2016 und 2017 zweimal versucht haben, ein Bein in die Berliner Tür zu bekommen. Doch das Bundeswirtschaftsministerium, auf dessen Führungsebene der für seine klaren Worte bekannte Schucht immer ein willkommener Berater und Gesprächspartner war, hat den Einkauf der Chinesen aus Gründen der nationalen Sicherheit verhindert. Stattdessen hat es auf Elia eingewirkt, seinen Anteil von 60 auf 80 Prozent aufzustocken, den Rest musste die staatliche KfW-Bank kaufen – wo er wohl noch eine Zeit liegen wird. Damit hat die Bundesregierung also indirekt zu Schuchts Demission beigetragen.

          Nicht, dass der sich die Chinesen als Investoren gewünscht hätte. Aber die Anteilsverschiebung hat das Gewicht zu Elias Gunsten verändert. Die neue Struktur zeigt das. Schucht selbst, der wohl noch keinen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben hat, gibt darauf einen Hinweis: „Für 50Hertz beginnt nach den Anteilsübergängen in diesem Jahr eine neue Phase.“

          In seiner Karriere in den ostdeutschen Energieunternehmen Veag, Wemag und Vattenfall hat sich der 51 Jahre alte Maschinenbauer oft mit der Integration des Ökostroms befasst. Kurzfristig dürfte er nun mehr Zeit für seine Frau und die drei Kinder, Skifahren und Aufsichtsratsmandate haben, wie etwa beim Flughafen Berlin-Brandenburg.

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