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Hans-Dieter Cleven spricht : „Boris, ich muss dich erinnern, die Finca habe ich schon!“

Boris Becker während des Wimbledon-Finales vor wenigen Tagen. Bild: EPA

Der frühere Freund des wohl hochverschuldeten deutschen Tennis-Idols Boris Becker, Hans-Dieter Cleven, hat pikante Details aus der jahrelangen Geschäftsbeziehung öffentlich gemacht. Beckers Anwalt bezieht gegenüber FAZ.NET Stellung.

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          Der ehemalige Freund und Mentor des offenbar hochverschuldeten deutschen Tennis-Idols Boris Becker hat pikante Details aus der jahrelangen Geschäftsbeziehung mit dem früheren Sportstar öffentlich gemacht. Ein Schweizer Kantonsgericht hatte unlängst bestätigt, dass Becker dem Deutsch-Schweizer Geschäftsmann Hans-Dieter Cleven beinahe 42 Millionen Franken schuldet (umgerechnet sind das ungefähr 37 Millionen Euro).

          Alexander Armbruster
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          In einem Interview mit der „Bild“-Zeitung bekräftigte Cleven nicht nur seine Forderungen, sondern beschreibt beispielsweise auch, wieso er sich mit Becker nicht schon früher vor Gericht auseinandersetzte. „In der Sache haben wir das letzte Mal im März 2015 gesprochen. Es war der letzte Versuch, die Probleme, die immer größer wurden, ohne Öffentlichkeit zu lösen.“

          Cleven forderte Becker nach eigenem Bekunden damals dazu auf, die Schulden ihm gegenüber auch vor einem Notar anzuerkennen. Auf die Frage, wie Becker darauf reagiert habe, antwortete Cleven so: „Er hat gesagt: Ich kann dir ja meine Finca auf Mallorca geben, die kannst du dann verwerten. Ich habe geantwortet: Boris, ich muss dich erinnern, die habe ich schon!“ Cleven behauptete daran anschließend, dass seine Anwälte herausgefunden hätten, dass Becker die Finca überdies „einem Freund aus London (...) ebenfalls als Sicherheit gegeben hat“. Cleven hatte eigener Aussage in dem Interview zufolge dann aber doch einen Notar-Termin mit Becker vereinbart, in Düsseldorf. Diesen habe der frühere Spitzensportler allerdings kurz vorher abgesagt. „Als ich dann von der Eintragung einer Hypothek auf die Finca hörte, haben meine Anwälte gesagt: Jetzt müssen Sie etwas unternehmen!“

          „Irreführende Äußerungen“

          Clevens Klage am Kantonsgericht in Zug war zuletzt erstinstanzlich abgewiesen worden. Die Richter waren der Meinung, dass der Darlehnsvertrag nie aufgekündigt worden wäre. Aus dem Gerichtsentscheid, welcher der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt, geht hervor, dass und wie sich diese Schulden über Zeit aufbauten. „Es ist unbestritten, dass der Kläger dem Beklagten ab 2001 diverse Darlehen gewährte und sich die Darlehensschuld des Beklagten auf CHF 41'774'236.65 per 31. Dezember 2014 beläuft (...)“, heißt es darin. Cleven hat eine Berufung angekündigt und will seine Forderungen zugleich im Insolvenzverfahren gegen Becker in England reklamieren.

          Ein Bild aus besseren Tagen: Hans-Dieter Cleven mit Boris Becker im Jahr 2005
          Ein Bild aus besseren Tagen: Hans-Dieter Cleven mit Boris Becker im Jahr 2005 : Bild: dpa

          Beckers Anwalt Christian-Oliver Moser sprach an diesem Mittwoch auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von „aus unserer Sicht zum Teil falschen oder irreführenden Äußerungen“ in dem Interview. Man wolle die entsprechenden gerichtlichen Maßnahmen ergreifen.

          Welche konkreten Aussagen von Cleven falsch oder irreführend seien, das sagte Moser nicht. Der Anwalt wies darauf hin, dass Cleven zuletzt in einer Pressemeldung mitgeteilt hatte, dass er persönlich keinerlei Auskünfte zu dem Verfahren machen wolle und nicht mehr für Medienanfragen zur Verfügung stünde. Moser hinterfragt hier die „Glaubwürdigkeit von Herrn Cleven“.

          Doch wofür flossen die Kredite an Becker? Ging es um gemeinsame Geschäfte? Und wie konnte es dazu kommen, dass der Deutsch-Schweizer Geschäftsmann den Tennisstar über 13 Jahre nach und nach Darlehen über insgesamt beinahe 42 Millionen Franken gab? War es Naivität? Eine besondere persönliche Verbundenheit? Oder wollte Cleven mit der ständigen Geldspritze den Totalausfall seiner Forderungen verhindern?

          Dazu sagt er: „Ich bin oft gefragt worden, warum ich die Sicherheiten, die gelistet sind, soweit möglich nicht im Grundbuch abgesichert habe, zum Beispiel die Finca. (...) Ganz konkret: Wenn ich das versucht hätte bei dem Haus in Leimen, in dem seine Mutter wohnte, dann wäre doch richtig was los gewesen. Und ich wollte ja Öffentlichkeit vermeiden.“ Währenddessen gibt Cleven an, dass Becker im Jahr 2003 einen Teil eines damaligen Darlehens über 2,5 Millionen Mark bei ihm getilgt hätte. 

          Cleven erzählt in dem Gespräch auch eine Anekdote darüber, wie es zur gemeinsamen Unternehmensgründung der beiden gekommen war. „Ich wollte zunächst wissen, was für ein Kerl er wirklich ist. Deshalb habe ich zu ihm gesagt: Ich treffe mich mit Ihrer Mutter. Das haben wir in dem Haus von Boris Becker in München dann bei Kaffee und Kuchen getan. Ich habe ihn rausgeschickt und habe mich mit seiner Mutter unterhalten. Danach habe ich gedacht: Mit dem kann ich was machen! Wir haben die Agentur gegründet, haben Geld verdient und waren happy.“

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