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Kult-Automarke : Borgward versucht sein Glück wieder in Deutschland

  • -Aktualisiert am

Der Geländewagen Borgward BX7 TS ist das erste Modell für den deutschen Markt. Bild: dpa

Einst war Isabella der Traumwagen vieler Bundesbürger, dann ging Borgward Anfang der 1960er Jahre insolvent. Jetzt kommt der Hersteller zurück.

          Die wiederbelebte Automarke Borgward geht nun auch in Deutschland an den Start. In Stuttgart wurde am Montag der sportliche Geländewagen (SUV) BX7 TS vorgestellt, wie das Unternehmen mitteilte. Das Fahrzeug wird nicht klassisch über eigene Autohäuser verkauft, sondern muss über das Internet bestellt werden. Ebenso muss die Probefahrt für das etwas mehr als 44.000 Euro teure Auto entsprechend vereinbart werden. Die klassischen Autobauer bieten diesen Service auch schon seit Jahren an. Sie halten aber an den klassischen Verkaufsniederlassungen fest, um die Kunden an sich zu binden.

          Ein eigenes Netz von Werkstätten gibt es bei der Borgward Group AG gleichfalls nicht. Hier wird mit der Werkstattkette ATU zusammengearbeitet, die an ihren 577 Stützpunkten den bundesweiten Service sicherstellen soll, wie Borgward-Manager Tom Anliker mitteilte. „Wir sorgen mit unserer Strategie für ein Novum in der deutschen Automobilbranche. Von Beginn an setzen wir auf die Trennung von Vertrieb und Service, um neue Wege zu gehen.“ Außerdem kümmert sich ATU aus Weiden in der Oberpfalz für Borgward um die Logistik und das Teilemanagement. Gut zwei Jahre lang hätten beide Seiten an den Details der Kooperation gefeilt, wie ATU-Geschäftsführer Andreas Schmidt erläuterte.

          Borgward gehört chinesischem Hersteller Foton

          Das Fahrzeug wird in China in Miyun in der Nähe von Peking gebaut. Angaben zum geplanten Absatz in Deutschland machte ein Sprecher nicht. In diesem Jahr soll das Fahrzeug auch noch in Luxemburg und Island auf den Markt kommen, 2019 dann in der Schweiz, Österreich, Skandinavien und dem Baltikum. Im Jahr 2020 soll es in Spanien, Frankreich, Italien und Portugal erhältlich sein.

          Im Innenraum des Borgward BX7 TS Bilderstrecke

          Wie das Vertriebsmodell in der Praxis funktionieren kann, ist auch für Borgward selbst noch nicht endgültig sicher. Bislang gibt es erst ein „Brand Center“ in Stuttgart, in dem potenzielle Kunden das Fahrzeug auch mal anfassen und fahren können, bevor sie es kaufen. Weitere Standorte seien angedacht, sagte Anliker, zudem „Roadshows“, bei denen Mitarbeiter des bislang 80 Mitarbeiter zählenden Unternehmens mit den Autos durch die Lande fahren und sie Interessenten vorführen. „Wir glauben, dass das Geld sehr gut im Online-Geschäft investiert ist“, sagte Europa-Chef Gerald Lautenschläger. „Statische Repräsentanzen sind teuer, die Wirtschaftlichkeit ist fraglich.“

          Borgward gehört dem chinesischen Nutzfahrzeughersteller Foton, der leichte Lastwagen sowie Geländewagen und Pick-ups produziert. Die Wiederbelebung der ehemaligen deutschen Kultmarke wurde von Christian Borgward, dem Enkel des Firmengründers Carl F. W. Borgward, sowie dem ehemaligen Daimler-Pressesprecher und Berater Karlheinz Knöss vorangetrieben.

          100.000 Fahrzeuge in China verkauft

          Den einstigen Ruhm der Marke prägte vor allem die legendäre sportliche Limousine Isabella, die in den fünfziger Jahren der Traumwagen vieler Bundesbürger war. Der Autohersteller ging aber Anfang der 1960er-Jahre in Konkurs. Vom Diesel will die wiederbelebte Automarke, die bei der Finanzierung mit der Consorsbank zusammenarbeitet, die Finger lassen. Bislang gibt es nur Benziner; ein Elektro-Geländewagen soll in der zweiten Hälfte 2019 auf den Markt kommen.

          Bauen will das Unternehmen ihn den früheren Angaben zufolge in einem neuen Werk in Bremen, wo die Marke ihre Wurzeln hat. An dem Plan halte man aus jetziger Sicht auch fest, teilte ein Sprecher weiter mit. Investor Foton warte allerdings noch auf das Ja der chinesischen Regierung, die das Projekt genehmigen müsse.

          In China hat Borgward nach eigenen Angaben knapp 100.000 Fahrzeuge absetzen können. Auch in Südostasien, Südamerika und im Mittleren Osten sind die Fahrzeuge zu haben. Etwa 360.000 Autos könnten pro Jahr in der Fabrik bei Peking vom Band laufen.

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