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Bootsbauer : Wieder eine Handbreit Wasser unterm Kiel

Auf dem Trockenen: Dennoch geht es bei Bavaria Yachtbau wieder aufwärts Bild: ddp

Nur dank eines Kapitalschnitts hat Bavaria Yachtbau die Krise überlebt. Jetzt werden in Unterfranken wieder Segel- und Motorboote gebaut. Die Branche segelt hart am Wind.

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          Die Männer tragen weiße Schutzanzüge und Masken im Gesicht. Sorgfältig legen sie Glasfasermatten in die Rumpfform, jede wird einzeln glattgestrichen und Schicht um Schicht laminiert, bis eine Schale aus hochfestem Kunststoff entsteht. Es sieht aus wie das Tapezieren einer Wohnung und es dauert noch länger. Zwei Hallen weiter fräst und bohrt der einzige Roboter, vom Computerprogramm gesteuert, millimetergenau Löcher in das Deck der Segelyacht. Und das ist schon ungewöhnlich, denn der Automatisierungsgrad in den meisten Yachtwerften ist immer noch extrem gering. Bootsbau ist Handarbeit.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Es gibt nur wenige Werften in der Welt, die über eine kombinierte Fräs-, Schleif- und Bohrmaschine dieser Größe verfügen, wie sie bei der Bavaria Yachtbau in Giebelstadt schon seit Jahren im Einsatz ist. Endlich ist sie aber auch wieder ordentlich ausgelastet, denn nach Jahren der Krise rollen bei Deutschlands größtem Bootsbauer wieder Rümpfe und Decks in ausreichender Stückzahl durch die Montagehallen. „Wir planen für 2012 mit einem Absatzplus von 5 bis 10 Prozent“, sagt Geschäftsführer Jens Ludmann. 1300 Segel- und Motoryachten könnten dann das 700 Meter lange Taktband in Giebelstadt nahe Würzburg verlassen. In der Spitze liefen hier einst 3000 Segel- und 600 Motoryachten von 9 bis 15 Meter Länge vom Stapel. „Profitabel sind wir schon heute“, behauptet Ludmann.

          Für ihn ist das nur der Anfang einer Aufholjagd. Die zahlungskräftigen Freizeitskipper in Russland und Nordamerika sollen schon bald Boote „made in Germany“ kaufen können, sogar der Export nach Asien ist in der Planung. Bavaria hat gerade erst die Übernahme der italienisch-französischen Gruppe Cantiere del Pardo abgeschlossen. Das Unternehmen mit den renommierten Bootsmarken Dufour und Grand Soleil ist aus dem italienischen Gläubigerschutzverfahren zur Bavaria nach Unterfranken gestoßen. Den Kauf haben die neuen Bavaria-Eigentümern, die amerikanischen Finanzinvestoren Oaktree und Anchorage, finanziert. Die beiden Gesellschaften haben auch den 47 Jahre alten Ludmann vor genau einem Jahr an Bord geholt, um Bavaria wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

          In den Händen von Heuschrecken

          Bavaria könnte das Vorbild sein für den zweiten großen Yachtbauer in Deutschland, die Greifswalder Bootswerft Hanseyachts. Unternehmensgründer Michael Schmidt, der in zwei Jahrzehnten die Werft vom Billiganbieter zum fünftgrößten Serienhersteller der Welt gemacht hat, gab jetzt seine Mehrheitsbeteiligung an den Finanzinvestor Aurelius ab. Nach drei Verlustjahren ist die börsennotierte Hanseyachts nur noch 30 Millionen Euro wert. Dass die beiden einzigen deutschen Großserienhersteller in den Händen von Heuschrecken sind, ist für Jürgen Tracht nachvollziehbar. „Auf Dauer ist der Yachtbau ein Wachstumsmarkt“, sagt der Geschäftsführer des Bundesverbands Wassersportwirtschaft. Der Einstieg von Aurelius am Beginn eines Aufschwungs sei also nur folgerichtig, sagt Tracht.

          Ein schlechtes Timing hatte der amerikanische Finanzinvestor Bain Capital, der Ende 2007 bei Bavaria eingestiegen war. Rund 1,2 Milliarden Euro soll Bain den Eigentümerfamilien Herrmann und Meltl im Rekordjahr von Bavaria gezahlt haben, als das Unternehmen mehr als 600 Festangestellte und 200 Leiharbeiter beschäftigt und fast 300 Millionen Euro umgesetzt hat. Jahrzehntelang war es in Giebelstadt immer nur bergauf gegangen, seit der Gründer Winfried Herrmann 1978 damit begonnen hatte, in seiner Kunststofffenster-Fabrik auch Segelboote zu bauen. Herrmanns Boote waren Serienyachten, in der individuelle Eignerwünsche kaum berücksichtigt wurden, dafür aber auch kostengünstig gebaut werden konnten. Doch in der Wirtschafts- und Finanzkrise halbierte sich der Markt. „Ein Boot braucht eigentlich niemand“, sagt Verbandschef Tracht, „und Luxus ist in der Krise besonders anfällig.“

          Fast 1 Milliarde Euro Schulden

          Bei Bavaria wurden wegen der Absatzkrise 100 Arbeitsplätze abgebaut, der Umsatz schrumpfte auf rund 100 Millionen Euro. Schlimmer waren aber die Schulden von fast 1 Milliarde Euro, die auf Bavaria nach der Bain-Übernahme lasteten. Der Investor war immerhin zu einem Kapitalschnitt bereit, schrieb sein Investment ab und reichte es an Oaktree und Anchorage weiter. Bavaria-Chef Ludmann sagt, dass Bavaria ohne den Schuldenerlass die Krise wohl nicht überlebt hätte. Nun freut er sich über ein weitgehend schuldenfreies Unternehmen, das mit anziehender Konjunktur wieder gut im Wind liegt. Mit den beiden neuen Marken Dufour und Grand Soleil kann Bavaria nun auch den gehobenen Yachtmarkt bedienen. „Meine Aufgabe ist es, Bavaria vom Einzelbetrieb zu einer Mehrmarkengruppe zu formen“, sagt Ludmann.

          Mit kritischem Blick geht er durch die Montagehallen, immer auf der Suche nach Verbesserungen. Ludmann war vor einem Jahr noch Entwickler beim Autokonzern Ford, baute dort erst die Mittelklassemodelle Mondeo, S-Max und Galaxy, dann die Motoren. Auch hundert Jahre nach der Erfindung der Fließbandfertigung durch Henry Ford ist die Serienproduktion im Schiffsbau noch immer die Ausnahme, bei Bavaria dagegen die Regel. Für Ludmann ist es der Schlüssel zum Erfolg: „Unsere Boote sind deshalb preiswerter und von gleichbleibender Qualität.“ Im Chartergeschäft im Mittelmeerraum sind Bavaria-Yachten beliebt. Für Eigner lässt Ludmann eine neue Serie entwickeln, die im Januar auf der Messe Boot in Düsseldorf vorgestellt wird.

          Die Produktion in Giebelstadt wird im September wieder hochgefahren. „Bootsbau ist ein saisonales Geschäft“, sagt Ludmann. Bis Pfingsten wollen die Kunden ihre neuen Schiffe. Bis dahin laufen die Maschinen am Taktband auf Hochtouren. Und die Kapazitätsspitzen kann Bavaria über Zeitkonten und Leiharbeiter ausgleichen. Beinahe so, wie vor der Krise.

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