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Boni an der Wall-Street : Elf Millionen Dollar für sechs Monate Arbeit

  • Aktualisiert am

Zehn Millionen? Zehn Prozent mehr? Bild: AP

„Ferrari-Händler, macht euch bereit. Die Wall-Street-Boni sind da, und sie sind groß“, schreibt die New York Times. Glänzende Geschäfte bescheren Managern und Händlern an der Wall Street Sonderzahlungen wie nie zuvor.

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          Wall-Street-Manager, Bankiers und Händler können sich in diesem Jahr auf Sonderzahlungen wie nie zuvor freuen. Die meisten haben jetzt mitgeteilt bekommen, was sie zu erwarten haben. Teure Landsitze, seltene Kunst, Luxusautos und Beteiligungen an privaten Jets zählen zu den gefragteren Dingen der Wall-Street-Größen.

          Die Wall-Street-Boni für 2005 haben nach Angaben der Onlineausgabe der „New York Times“ ein Rekordniveau von 21,5 Milliarden Dollar (17,8 Milliarden Euro) erreicht. Damit wird der bisherige Rekord von 19,5 Milliarden Dollar auf dem Höhepunkt der Börsenhausse im Jahr 2000 übertroffen. Die Boni seien von Rekordgewinnen vieler Wall-Street-Investmentbanken wie Goldman Sachs, Bear Stearns und Lehman Brothers angetrieben worden.

          Auch in der Londoner City wiesen amerikanische Investmentbanken im Geschäftsjahr 2005 noch nie dagewesene Gewinne aus und zahlen Gratifikationen von insgesamt 13,1 Milliarden Dollar (10,8 Milliarden Euro). Im Schnitt erhält jeder Mitarbeiter in der Londoner City 23.000 Pfund (33.459 Euro) Jahresbonus, schätzt das Centre for Economics and Business Research (CEBR) in London. Dabei stützt sich CEBR auf Prognosen, die die Entwicklung am Aktienmarkt und die Aktivitäten bei Fusionen und Übernahmen (M&A) berücksichtigen. Der FTSE 100 legte im vergangenen Jahr 17 Prozent zu und das Fusionsvolumen in Europa fiel 34 Prozent höher aus, zeigen Zahlen von Bloomberg.

          Noch einmal 16 Prozent mehr

          Vier der fünf führenden amerikanischen Investmentbanken, darunter Goldman Sachs Group Inc. und Morgan Stanley, meldeten einen Rekord-Gesamtgewinn für das zurückliegende Geschäftsjahr von zusammen 14,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 15 Prozent. Alan Hevesi von der Bankenaufsicht des Bundesstaates New York sagt, die 21,5 Milliarden Dollar Boni der Wertpapierhäuser an ihre New Yorker Beschäftigten entsprächen einem Anstieg von 16 Prozent.

          „Der Aktienmarkt hat sich recht gut entwickelt und in den letzten Jahren ist das M&A-Geschäft sprunghaft angestiegen, das hat enorme Gebühreneinnahmen gebracht“, sagte Douglas McWilliams, Mitautor der CEBR-Studie. „Es gab außerdem einen Trend zu Dienstleistungen, die höhere Gebühren einbringen“, beispielsweise Beratung für Hedgefonds.

          Höher als vor der Technologieblase 2000

          Die Zahl der Mitarbeiter in der Finanzdienstleistungsbranche in der Londoner City ist 2005 drei Prozent auf 325.500 gestiegen. Nach der dreijährigen Baisse am Aktienmarkt ist diese Zahl wieder höher als vor der Technologieblase 2000, als 324.200 Beschäftigte in der Branche arbeiteten, führte McWilliams aus. „Das vergangene Jahr hat die Trendumkehr gebracht und dieses Jahr ist das Jahr der Konsolidierung“, sagte McWilliams. Die Bonuszahlungen für 2004 stiegen 32 Prozent auf 6,4 Milliarden Pfund (9,3 Milliarden Euro) und überschritten erstmals die Rekordmarke von 5,4 Milliarden Pfund (7,9 Milliarden Euro) aus dem Jahr 2000. Für das kommende Jahr rechnet McWilliams damit, daß die Bonuszahlungen in London zehn Prozent höher ausfallen, weil die Unternehmen 1,9 Prozent mehr Mitarbeiter einstellen wollen.

          Zu der Mitarbeitergruppe, die die höchsten Gratifikationen erhält, zählen Fusionsberater bei Investmentbanken und Rohstoffhändler, schätzt Peter Gonye, Personalberater bei Spencer Stuart in New York.

          Mehr als die Hälfte der Gesamtvergütung

          Die Bonuszahlungen werden üblicherweise nach Ende des Geschäftsjahres im Dezember oder Januar angekündigt und im darauf folgenden Monat ausgezahlt. Bei Beschäftigten auf Senior-Ebene machen Bonuszahlungen mehr als die Hälfte der Gesamtvergütung aus. Rund 3.000 Beschäftigte in der Branche dürften in diesem Jahr einen Bonus von über einer Million Pfund bekommen, geht aus der Studie von CEBR hervor.

          Die Wall-Street-Bosse stünden ganz oben. Henry M. Paulson Jr., der Goldman-Sachs-Chef, habe 2005 ein Paket von 38 Millionen Dollar verdient. Richard S. Fuld Jr., der Chef von Lehman Brothers, habe 14,9 Millionen Dollar in Form von Aktien erhalten. John J. Mack, der bei Morgan Stanley im vergangenen Sommer die Führung übernommen hatte, hat nach Darstellung der „New York Times“ für sechs Monate Arbeit elf Millionen Dollar verdient.

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