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Wichtiger Rohstoff : Bolivien stoppt Lithiumprojekt mit deutscher Firma

  • -Aktualisiert am

Unter der Salzkruste des Sees Salar de Uyuni im bolivianischen Hochland lagern die größten Lithiumreserven der Welt. Bild: dpa

Die deutsche Industrie will sich mit dem Vorhaben direkten Zugriff auf den wichtigen Batterie-Rohstoff sichern. Die Entscheidung des bolivianischen Präsidenten kommt überraschend.

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          Ein Leuchtturm-Projekt der deutschen Rohstoffversorgung droht zu scheitern. Boliviens Staatspräsident Eva Morales stoppte am Wochenende ein Gemeinschaftsprojekt mit dem deutschen Unternehmen ACI Systems zur Förderung und Verarbeitung von Lithium. ACI Systems GmbH aus Zimmern ob Rottweil hatte vor gut einem Jahr eine entsprechende Absichtserklärung mit dem bolivianischen Staatsunternehmen Yacimientos de Litio Bolivianos (YBL) unterzeichnet. Zu dem Konsortium gehört auch das Unternehmen K-Utec aus Sondershausen in Thüringen, das für die technische Planung der Anlagen zuständig ist.

          Geplant war unter anderem die Produktion von 40.000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr. Die deutsche Industrie hätte sich damit erstmals einen direkten Zugriff auf den Batterierohstoff gesichert. In dem bolivianischen Salzsee Uyuni lagern auf 4000 Meter Höhe die größten Vorkommen des Metalls auf der ganzen Welt.

          In den vergangenen Wochen war es in dem betroffenen Departement Potosí zu Streiks und Protesten gegen das Projekt gekommen. Lokale Gruppen hatten insbesondere eine Erhöhung der zu entrichtenden Lizenzgebühren (Royalties) durch die Projektbetreiber von geplanten 3 auf 11 Prozent gefordert. Nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen vom 20. Oktober kam es in Bolvien überdies zu andauernden Unruhen wegen des umstrittenen Wahlergebnisses, bei dem sich Präsident Eva Morales mit knappen Vorsprung die abermalige Wiederwahl sicherte. Vertreter der Opposition wollen das nach ihrer Einschätzung  manipulierte Ergebnis nicht anerkennen und fordern Neuwahlen beziehungsweise eine Stickwahl zwischen Morales und dem zweitplatzierten Kandidaten Carlos Mesa, der auch von den wichtigsten Mitkonkurrenten der konservativen Opposition unterstützt wird.

          Wichtig für Elektroautos

          Die Annullierung der Vereinbarungen von Ende 2018 durch ein neues Dekret der bolivianischen Regierung kam dennoch völlig unerwartet. „Wir sind selbst völlig überrascht“, sagte Stefan Kosel, Projektleiter von ACI Systems in Bolivien. Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee, der bei der Vertragsunterzeichnung in La Paz zugegen war, hatte die geplante Zusammenarbeit zwischen den deutschen und bolivianischen Unternehmen bei der Vertragsunterzeichnung als eine „Partnerschaft von höchster strategischer Bedeutung für Deutschland und Europa“ bezeichnet.

          Lithium ist ein elementarer Bestandteil von Akkus, Speichersystemen und insbesondere Batteriezellen für Elektrofahrzeuge. Die großen Pläne der deutschen Automobilindustrie zum Ausbau der Elektromobilität werden den Bedarf an Lithium-Batterien auch in Deutschland rasant steigen lassen. Laut Projektion der Rohstoffagentur DERA wird sich die globale Lithiumnachfrage je nach Szenario bis 2025 verdoppeln bis verdreifachen. Je nach der Entwicklung der Nachfrage könnten sich „erhebliche Preis- und Lieferrisiken“ entstehen, warnte die deutsche Rohstoffagentur DERA 2017 in einer Studie.

          Kurzfristig zeichnet sich allerdings eher ein Angebotsüberschuss für Lithium ab. Angetrieben von den enormen Preiszuwächsen bis Mitte 2018, seien viele neue Lithiumprojekte auf den Markt gekommen, heißt es im jüngsten Bericht der DERA zu den Rohstofftrends im vierten Quartal 2019. Vor allem das Lithiumangebot aus Australien sei deutlich ausgeweitet worden. Australien ist mittlerweile weltweit der größte Lithiumproduzent vor Chile.

          Auch wenn der Bedarf an Lithium durch die E-Mobilität gestiegen ist, sei durch das zusätzliche Angebot ein erheblicher Preisdruck entstanden. In China, dem bislang größten Markt für Elektrofahrzeuge, seien die Verkäufe von Elektrofahrzeugen im Juli und August zum ersten Mal rückläufig. Ab Juli habe die chinesische Regierung Subventionen für Elektrofahrzeuge um durchschnittlich die Hälfte gekürzt.

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