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Börsenstreit : Berlin warnt vor staatlichen Eingriffen

  • Aktualisiert am

Die Börse - bullish mit zweistelligen Wachstumsraten Bild: AP

Im Tauziehen um eine deutsch-französische Börsenfusion verteidigt die Bundesregierung das Geschäftsmodell der Börse in Frankfurt. Die hat gerade das beste Quartalsergebnis in ihrer Geschichte erzielt.

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          Die Deutsche Börse hat dank des boomenden Wertpapierhandels das beste Quartalsergebnis in ihrer Geschichte erzielt. Der Umsatz kletterte von Januar bis März 2006 um 16 Prozent auf 465 Millionen Euro, der Quartalsüberschuß sogar um 49 Prozent auf 162 Millionen Euro. Das teilte die Deutsche Börse AG am in Frankfurt mit. Damit wurden die Erwartungen von Analysten klar übertroffen.

          „Deutlich zweistellige Wachstumsraten über alle Kerngeschäftsbereiche und fortgesetzte Kostendisziplin“ seien für das Rekordergebnis verantwortlich, sagte Finanzvorstand Mathias Hlubek. Zum Stand der Gespräche über eine Fusion mit dem Wettbewerber Euronext machte die Deutsche Börse keine Angaben.

          Umsatzstärkste Sparte war Clearstream

          Umsatzstärkste Sparte war Clearstream, die für die Abwicklung von Börsengeschäften und die Verwahrung von Wertpapieren zuständig ist. Hier lag der Umsatzzuwachs bei 18 Prozent - ebenso wie im Segment Eurex, der gemeinsam mit dem Schweizer Handelsplatz betriebenen größten Terminbörse der Welt. In der kleineren Sparte Xetra, die die Börsentransaktionen über die elektronische Handelsplattform gleichen Namens umfaßt, lag das Plus sogar bei 41 Prozent. Beim Gewinn habe die Deutsche Börse jetzt schon das ursprünglich für 2007 angepeilte Ziel einer Eigenkapitalrendite von 20 Prozent nach Steuern erreicht, betonte Hlubek.

          Unterstützung im Verhandlungspoker um einen möglichen Zusammenschluß mit der Vierländerbörse Euronext erhielt die Deutsche Börse von der Bundesregierung. Die gewachsene Struktur mit Handel und angeschlossener Abwicklung und Verrechnung solle in Deutschland erhalten bleiben, sagte Finanzstaatssekretär Thomas Mirow am Freitag in Brüssel am Rande des EU-Finanzministertreffens. Berlin wehre sich deshalb gegen EU-Regelungen in diesem Bereich. Damit spielte er auf den Plan der bei Euronext tonangebenden Franzosen an, die Deutsche Börse mit Hilfe einer EU-Gesetzesinitiative zu zerschlagen.

          Franzosen wollen Deutschen Clearstream nehmen

          Der französische Wirtschafts- und Finanzministers Thierry Breton setzt sich dafür ein, daß sich die Deutsche Börse von der Wertpapier-Abwicklungssparte Clearstream trennt. Breton will die Trennung der Geschäftsfelder über eine EU-Richtlinie regeln. In diesem Fall würde sich das Gewicht bei einer Fusion zu Gunsten von Euronext verschieben. Zu einem Schlagabtausch bei den Finanzministern kam es am Freitag aber nicht, weil weder Bundesfinanzminister Peer Steinbrück noch Breton an der Sitzung teilnahmen. Ob der aufgrund von Fusionsplänen Streit der Börsen entstandene Streit durch eine bilaterale Absprache beigelegt werden könne, ließ Mirow auf Nachfrage offen. „Unsere Grundhaltung ist, daß Fragen der Zusammenarbeit oder gar einer Fusion zunächst von diesen Unternehmen geprüft werden muß.“

          Das Unternehmen erledigt derzeit nicht nur den Handel, sondern auch die Verrechnung (Clearing), Abwicklung (Settlement) und Verwahrung (Custody) von Wertpapieren, was bei Konkurrenten und Investmentbanken auf Kritik stößt. Euronext will mit Hilfe einer Zerschlagung erreichen, dass es über einen Zusammenschluß auf Augenhöhe verhandeln kann. Nach dem derzeitigen Stand wäre die Deutsche Börse gemessen am Börsenwert nämlich der größere Partner und macht daher auch Ansprüche auf einen Hauptsitz der fusionierten Börse in Frankfurt geltend.

          Nach Vorlage von Zahlen gewannen die Titel der Deutschen Börse am Freitag als Dax-Spitzenreiter 1,66 Prozent auf 114,90 Euro. Einige Analysten machen dafür die zahlreichen Fusionsspekulationen verantwortlich und halten das Papier deshalb für überbewertet.

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