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Fahrdienst aus China : Neue Sorgen nach Pekings Schlag gegen Didi

Selbstfahrende Taxis der Didi Chuxing Technology Co. (DiDi) fahren auf einer Straße in Schanghai. Bild: dpa

Der Fahrdienstleister Didi geht in New York an die Börse – dann stellt China ihn unter Bann. Das Vorgehen der Regierung könnte die Entkoppelung des amerikanischen Kapitalmarkts von Chinas Wirtschaft beschleunigen.

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          Das harsche Vorgehen der chinesischen Regierung gegen den Fahrdienstleister Didi Chuxing kurz nach dessen Börsengang in New York könnte nach Einschätzung von Beobachtern die Entkoppelung des amerikanischen Kapitalmarkts von Chinas Wirtschaft beschleunigen.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.
          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Am Freitag hatte das Pekinger Ministerium für Staatssicherheit angekündigt, das ebenfalls in der chinesischen Hauptstadt angesiedelte Unternehmen auf eine Gefährdung von Chinas Cybersicherheit hin zu überprüfen. Didi Chuxing darf fortan bis auf Weiteres in China keine neuen Kunden aufnehmen. Auf dem chinesischen Markt, an dem Didi einen Anteil von etwa 80 Prozent hat, macht der nach dem amerikanischen Wettbewerber Uber zweitgrößte Fahrdienst der Welt 95 Prozent seines Umsatzes.

          Didi: Kundendaten werden in China gespeichert

          Zwar darf Didi, das nach eigenen Angaben rund 40 Millionen Fahrten am Tag tätigt, seine bestehenden Kunden weiterhin bedienen. Doch dass die Didi-App in China nun nicht mehr heruntergeladen kann, ist ein schwerer Schlag für das Unternehmen. Dieses war erst zwei Tage zuvor an der New Yorker Börse Nasdaq notiert worden und hatte dabei 4,4 Milliarden Dollar an Kapital eingesammelt. Nach Bekanntwerden der Untersuchung in China fiel der Preis der Aktie gegenüber dem Vortag um fast 6 Prozent.

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          Offensichtlich ist Peking zum einen besorgt, dass die Daten der rund 380 Millionen Didi-Kunden in China ins Ausland gelangen könnten. Im April des vergangenen Jahres hatten insgesamt 12 chinesische Regierungsbehörden neue Regeln erlassen, nach denen Unternehmen untersucht würden, deren Zulieferer eine Gefahr für die nationale Sicherheit seien. Didi behauptet, alle seine Daten würden in China gespeichert. Weiter könnte Peking verärgert sein, dass Didi seinen Börsengang in den USA gegen den Willen der chinesischen Regulatoren beschleunigt hatte. In diesem Fall könne dem Fahrdienst im schlimmsten Fall die Entzug seiner Transportlizenz in China drohen, schreibt Ernan Cui vom Pekinger Analysehaus Gavekal Dragnomics.

          In Kürze will die amerikanische Börsenaufsicht verkünden, wie sie mit den in den USA gelisteten Unternehmen aus China umgeht, die nicht die geforderten Offenlegungspflichten erfüllen, weil ihnen dies die chinesische Regierung nicht erlaubt. Angesichts des Vorgehens Pekings nur zwei Tage nach Börsengang könne die amerikanische Aufsicht verfügen, dass die Unternehmen aus China bis 2024 von der Börse gehen müssten, schreibt Beobachterin Cui.

          Didi hat prominente amerikanische Großaktionäre. Der Elektronikkonzern Apple kaufte 2016 einen Anteil im Wert von einer Milliarde Dollar, im Zuge der Investition bekam er auch einen Sitz im Verwaltungsrat. Welche Absichten er damit verfolgte und ob dies womöglich mit seinen angeblichen Plänen zusammenhing, ein eigenes Auto zu entwickeln, wurde nie ganz klar. Vorstandschef Tim Cook sagte damals nur vage, Apple investiere "aus mehreren strategischen Gründen" in Didi, unter anderem um mehr über bestimmte Segmente des chinesischen Marktes zu lernen. "Natürlich glauben wir auch, dass dies im Laufe der Zeit auch eine starke Rendite auf unser eingesetztes Kapital bringen wird," fügte er hinzu. Ebenfalls seit 2016 gehört der amerikanische Fahrdienst Uber zum Aktionärskreis der Chinesen. Uber verkaufte damals seine eigene chinesische Tochtergesellschaft an Didi und bekam einen Anteil an Didi, der mittlerweile auf 12 Prozent reduziert wurde.

          Auch für Investoren ein Risiko

          Das offensive Vorgehen Pekings gegen erfolgreiche und im Ausland gelistete Unternehmen entwickelt sich auch zu einem Risiko für den japanischen Technologie-Investor Softbank Group. In den vergangenen Monaten war das Unternehmen, mit rund 25 Prozent der größte Anteilseigner, von den Aktienkursverlusten des chinesischen Internet-Kaufhauses Alibaba betroffen. Softbank ist aber auch der größte Anteilseigner von Didi Chuxing. Entsprechend verlor die Aktie der Japaner am Montag an der Börse in Tokio 5,4 Prozent.

          Vor dem Börsengang von Didi in den Vereinigen Staaten hatte Softbank fast 11 Milliarden Dollar in den Mitfahrdienst investiert. Der Softbank Vision Funds hält einen Anteil von rund 20 Prozent. Es ist die größte Einzelinvestition des Fonds in ein Technologie-Unternehmen. Softbank ist zugleich indirekt betroffen, weil es der größte Investor des amerikanischen Mitfahrdienst Uber ist, der zweitgrößter Anteilseigner von Didi ist. Darüber hinaus ist Softbank an Full Truck Alliance beteiligt, gegen das in China gleichfalls Untersuchungen laufen.

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