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Anleger enttäuscht : Teure Produktion belastet Bayer

Die neue Konzernzentrale der Bayer AG, aufgenommen vom Obergeschoss der alten Zentrale in Leverkusen. Bild: dpa

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern blickt optimistischer auf das Jahr, die Aktie taucht trotzdem ab. Das hat gleich mehrere Gründe.

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          Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer leidet in seiner Agrarsparte unter hohen Herstellungskosten und Währungsschwankungen. Obwohl der Leverkusener Dax-Konzern den Absatz seiner neuen Produkte zum Pflanzenschutz und gegen Pilzbefall steigern konnte und etwa für sein glyphosathaltiges Unkrautvernichtungsmittel Roundup momentan höhere Preise aufrufen kann, ist der operative Gewinn der Agrarsparte deutlich gesunken. Das Ebitda vor Sondereinflüssen sank um mehr als ein Viertel, was auch das operative Ergebnis auf Konzernebene um 10,6 Prozent auf rund 2,58 Milliarden Euro fallen ließ. Analysten hatten mehr erwartet, weshalb die Aktie am Donnerstagmorgen zunächst um mehr als 5 Prozent abstürzte.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Grundsätzlich blickt Bayer allerdings optimistischer in das Jahr, der Konzern erhöht seine Prognose für den Umsatz und das bereinigte Ergebnis je Aktie. „Wir erwarten für all unsere Geschäfte eine anhaltend positive Umsatzdynamik“, sagte der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Baumann. Impulse kommen dabei vor allem aus dem Pharmageschäft. „Wir haben große Erfolge bei der Entwicklung und Einführung von Medikamenten erzielt, von denen einige Blockbuster-Potenzial haben“, sagte Baumann. Als Blockbuster werden Medikamente bezeichnet, die ein Umsatzpotenzial von jährlich mehr als einer Milliarde Dollar haben. Dazu gehört etwa das neu eingeführte Krebsmedikament Nubeqa, das nach Baumanns Worten die Erwartungen übertreffe.

          Xarelto und Eylea liefern ab

          Verlässliche Ergebnisse liefert etwa der Gerinnungshemmer Xarelto, dessen Umsatz im zweiten Quartal vor allem durch einen gestiegenen Absatz in China und Russland um 10 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro stieg. Weil die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie nachgelassen haben, gab es auch in der Augenheilkunde mehr Behandlungen, das Augenmedikament Eylea legte im Umsatz um ein Viertel auf 711 Millionen Euro zu. Auch in den rezeptfreien Medikamenten legte der Umsatz vor allem wegen der hohen Nachfrage nach Nahrungsergänzungsmitteln und der starken Allergiesaison vor allem in Amerika deutlich zu.

          BAYER

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          In der Pharmasparte hat Bayer zuletzt mehr Geld in Forschung und Entwicklung gesteckt, vor allem um seine Zell- und Gentherapie zu stärken. Die soll „potenziell bahnbrechende medizinische Neuerungen in der klinischen Entwicklung“ liefern, etwa zur Behandlung von Parkinson. Damit will sich Bayer unabhängiger von einzelnen Medikamenten machen, dafür kauft das Unternehmen auch weiter fleißig zu. So hat Bayer am Donnerstag angekündigt, für bis zu 2 Milliarden Dollar das amerikanische Biotechnologieunternehmen Vividion Therapeutics zu übernehmen.

          Interessant für Bayer ist vor allem die Forschungsplattform des Unternehmens, die eine Bibliothek für chemische Substanzen enthält und neue Screeningmöglichkeiten gerade für Proteine in der Krebsforschung und entzündlichen Krankheiten wie Reizdarm. Damit will Bayer neue Medikamente entwickeln, der Zukauf steht in einer Reihe mit den vorigen Biotech-Zukäufen in Amerika, zuletzt hatte Bayer dort die Unternehmen Blue Rock Therapeutics und Ask Bio gekauft.

          Auf Konzernebene ist der Umsatz von Bayer im zweiten Quartal um 8 Prozent auf 10,85 Milliarden Euro gestiegen, wozu alle drei Sparten positiv beigetragen haben. Wegen der abermaligen Rückstellungen von 3,8 Milliarden Euro für Vergleiche und Prozesse rund um Glyphosat liegt der Konzernverlust bei 2,3 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum war der Verlust – auch wegen des Glyphosat-Streits – mehr als vier Mal so groß. Für das Gesamtjahr erwartet Bayer nun einen Umsatz von 43 Milliarden Euro, was einem Anstieg von etwa 6 Prozent entspricht. Zuvor war das Unternehmen von Erlösen von 41 Milliarden Euro ausgegangen. Bei einem um Sondereinflüsse bereinigten Ebitda zwischen 10,6 und 10,9 Milliarden Euro soll das einer Marge von etwa 25 Prozent entsprechen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll zwischen 6 und 6,20 Euro liegen, zuvor lag die Spanne zwischen 5,60 und 5,80 Euro.

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