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Boeings Hoffnungsträger : Dreamliner könnte sich weiter verzögern

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Boeing-Chef Jim McNerney vor dem Dreamliner 787 im britischen Farnborough Bild: dpa

Boeing will seinen Dreamliner noch dieses Jahr ausliefern. Allerdings könne dies auch erst 2011 gelingen. Das sagte Vorstandschef McNerney vor der britischen Luftfahrtsmesse, die am Montag beginnt. Erzrivale EADS will dort größere Aufträge bekanntgeben.

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          Er ist gelandet, erstmals in Europa und außerhalb der Vereingten Staaten: Boeings neuer Dreamliner 787. Am Sonntag berührte der Hoffnungsträger des amerikanischen Flugzeugbauers bei London britischen Boden. Tausende Schaulustige verfolgten die Landung in Farnborough. Dort beginnt am Montag die britische Luftfahrtmesse, die bis Sonntag dauert. Zuletzt waren Sorgen aufgekommen, dass der Dreamliner wegen kurzfristig aufgetretener Technik-Probleme gar nicht kommen würde (siehe Abermals Panne beim Dreamliner: Boeing sagt Testflüge ab).

          Gleich nach der Ankunft des Dreamliners ging Boeing-Chef Jim McNerney an Bord - und verliess die Maschine für Fotografen und Kameras lächelnd wieder. Wenig Grund zur Freude bietet ihm dagegen, dass sich die erste Auslieferung des Flugzeuges an einen japanischen Kunden wegen Problemen in der Produktion schon um mehr als zwei Jahre verzögert. Ein Grund mehr, um Hoffnung zu verbreiten: McNerney zeigte sich zuversichtlich, dass der erste Dreamliner noch in diesem Jahr ausgeliefert werden kann. Allerdings könne sich der Termin auch noch auf 2011 verschieben, sagte er der „Welt am Sonntag“. Das Flugzeug konkurriert mit dem Airbus-Modell A350 XWB, das ab 2013 auf den Markt kommen soll.

          Schwachstellen am Rumpf und Falten an der Außenhaut warfen den Dreamliner zurück

          Der Airbus-Rivale Boeing habe demnach 863 feste Bestellungen für den Dreamliner. Ab 2013 sollten zehn Maschinen pro Monat ausgeliefert werden. Die Amerikaner mussten den Erstflug bereits fünfmal verschieben - zuletzt warfen Schwachstellen am Rumpf und Falten an der Außenhaut das Projekt zurück. Für die Zukunft des Konzerns gab sich McNerney optimistisch: „Wir haben eine schwierige wirtschaftliche Phase hinter uns gelassen, sind finanziell gesund und mit einem großen Auftragsbuch.“ In diesem Jahr wollten sie zwischen 460 und 470 neue Flugzeuge ausliefern. Er erwarte eine ähnlich hohe Anzahl neuer Bestellungen.

          Auch Boeings Erzrivale EADS zeigt sich auf der britschen Flugzeugmesse. Dessen Tochtergesellschaft Airbus streitet sich mit dem amerikanischen Flugzeugbauer um einen wertvollen Auftrag der amerikanischen Luftwaffe, um den beide Unternehmen ihre Angebote abgegeben haben. Die Europäer wollen den Milliardenauftrag nicht mit einem Preisnachlass gewinnen. „Wir wollen Geld verdienen“, sagte EADS-Chef Louis Gallois am Sonntag in Farnborough. EADS verliere lieber den Auftrag als Geld.

          Dauerstreit um amerikanische Tankflugzeuge im Wert von 35 Milliarden Dollar

          Seit Jahren streiten sich die beiden Unternehmen um das Milliarden-Geschäft mit den Bau von 179 Tankflugzeugen für die Luftwaffe der Vereinigten Staaten. Die erste Ausschreibung hatte Boeing 2003 gewonnen, in einem zweiten Verfahren setzten sich EADS mit dem Partner Northrop Grumman durch. Beide Vergabeverfahren wurden allerdings annulliert und der Auftrag jeweils neu ausgeschrieben. Boeing und Airbus reichten vergangene Woche neue Angebote ein, eine Entscheidung soll im November fallen (siehe Amerikanische Tankflugzeuge: Airbus und Boeing streiten weiter).

          Gallois sagte, Airbus berechne seine Preise anhand von Profitabilitätszielen. Die Preise seien aber wettbewerbsfähig. Er erwarte vom US-Verteidigungsministerium eine „faire“ Entscheidung. Das Pentagon habe bislang gezeigt, dass ihm an Wettbewerb gelegen sei, um das beste Produkt und den besten Preis zu erhalten.

          Die Hälfte der Rüstungsausgaben gehen auf das Konto der Amerikaner

          Airbus-Verkaufschef John Leahy sagte, bei der Luftfahrtsmesse werde es bedeutende neue Aufträge für sein Unternehmen geben, ohne mögliche Kunden zu nennen. „Sie werden überrascht sein über die Ankündigungen, die wir machen werden.“ Bei der letzten Ausgabe der Messe hatte Airbus 256 Aufträge im Wert von insgesamt 40,5 Milliarden Dollar (31,3 Milliarden Euro) erhalten. Im Juni bestellte die Fluggesellschaft Emirates während der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin 32 Exemplare des neuen Großraumfliegers A380 im Wert von 11,5 Milliarden Dollar (8,9 Milliarden Euro).

          Rund die Hälfte aller Rüstungsausgaben gehen auf das Konto der Vereinigten Staaten. Um sich einen weiteren Teil davon sichern zu können, bereitet sich EADS derzeit auch auf einen Hubschrauberauftrag der amerikansichen Armee vor. Nach Angaben des Chefs der Eurocopter-Sparte, Lutz Bertling, steckt das Unternehmen etwa 50 bis 75 Millionen Dollar in die Entwicklung einer bewaffneten Version seines Allzweckhubschraubers. Drei Prototypen würden amerikanischen Armeevertretern präsentiert. Aber auch in der Golf-Region wachse das Interesse an diesen Maschinen, sagte Bertling in Farnborough. Über die Ausschreibung des Auftrags wird wohl im zweiten Quartal 2011 entschieden. Die Armee der Vereinigten Staaten schließt allerdings auch eine Modernisierung der bestehenden Flotte nicht aus. Sollten neue Hubschrauber bestellt werden, dann könnte der Auftrag Experten zufolge ein Volumen von bis zu acht Milliarden Dollar haben.

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