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Krise um 737 Max : Immer mehr schlechte Nachrichten für Boeing

737-Max-Flugzeuge von Boeing stehen auf einem Gelände des Unternehmens in Seattle. Bild: Reuters

Es steht nicht gut, um den Flugzeugbauer Boeing: Der politische Druck rund um die Ermittlungen zu den beiden Abstürzen der 737-Max-Maschinen wird immer größer – und nun verliert das Unternehmen auch an der Börse immer mehr an Wert.

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          Für den amerikanischen Flugzeughersteller Boeing reißt die Kette schlechter Nachrichten nicht ab: Während die meisten Börsenwerte an der Wall Street am Montag nach oben gingen, verlor der Flugzeugbauer als schwächste Dow Jones-Aktie mehr als 3,7 Prozent an Wert. Seit Donnerstag nach Börsenschluss hat die Aktie damit mehr als zehn Prozent eingebüßt, was einem Wertverlust von etwa 18 Milliarden Dollar entspricht.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Analysehäuser hatten den Unternehmenswert der Firma herabgestuft, nachdem immer noch nicht klar ist, wann das umstrittene Modell 737 Max wieder seinen Flugbetrieb aufnimmt. Die amerikanische Flugaufsicht FAA hat noch keinen Termin genannt. Nun wurde bekannt, dass die Europäische Flugaufsicht entgegen üblicher Gepflogenheiten sich bei der Genehmigung des Flugbetriebs der 737 Max-Flugzeuge nicht an den Zeitplan der FAA gebunden fühlt.

          Autorität der FAA in Zweifel

          Die europäischen Aufseher wollen Berichten zufolge noch eigene unabhängige Simulator-Tests vornehmen und sich zudem bei den nationalen Flugaufsichtsbehörden rückversichern. Der Schritt hat weitreichende Bedeutung, weil er die lange unangefochtene globale Autorität der FAA in Zweifel zieht. Es gibt Hinweise, dass Boeing-Ingenieure und Prüfer der FAA enger zusammengewirkt haben, als es für eine unabhängige Überprüfung üblich ist. Zudem ist es schon länger Praxis, dass ein Teil der Zertifizierung neuer Flugzeuge von Boeing-Ingenieuren im Auftrag der FAA vorgenommen wird.     

          Unterdessen steigt der politische Druck auf das Management weiter. Der Chef des Unternehmens, Dennis Muilenberg, wurde für die kommende Woche zu einer Anhörung vor den zuständigen Ausschuss des Repräsentantenhauses zitiert. Äußerungen des Ausschussvorsitzenden Peter DeFazio lassen eine scharfe Befragung erwarten. Der Demokrat aus Oregon reagierte verärgert darüber, dass nach seiner Darstellung seinem Ausschuss brisante interne Emails und Textnachrichten nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt worden waren.

          Am Freitag hatte der Ausschuss schließlich Dokumente von Boeing erhalten, aus denen laut DeFazio unter anderem hervor vorgeht, dass das Unternehmen der Flugaufsicht Informationen vorenthalte. Das sei schockierend, zugleich im Einklang mit den Erkenntnissen aus den fortlaufenden Ermittlungen, sagte DeFazio. Hier gehe es nicht um Verfehlungen einzelner, sondern um das Versagen einer Sicherheitskultur bei Boeing, in der Mitarbeiter unter Druck stehen, Gewinne zu sichern und Fristen einzuhalten auf Kosten der Sicherheit. DeFazio zitierte aus internen Boeing-Mails an Prüfer der Luftaufsicht, in denen sich Boeing-Mitarbeiter über den Zertifizierungsprozess lustig machten und prahlten, sie würden „Jedi-Tricks“ beherrschen und gewöhnlich bekommen, was sie wollten.

          Neuen Ärger hat Boeing auch mit der Luftaufsichtsbehörde FAA selbst. Vor dem Wochenende waren kritische Anmerkungen eines für die Entwicklung der Maschine zentralen hochrangigen Piloten bekannt geworden. Er hatte sich 2016 nach einem Simulator-Test verwundert und kritisch über das Flugkontrollsystem geäußert, das in den Zusammenhang mit zwei Flugzeugabstürzen in Indonesien und Äthiopien in Zusammenhang gebracht wird. Die Flugaufsicht wurde aufgeschreckt durch entsprechende Meldungen. Deren Führung hatte am Freitag darauf verärgert und besorgt reagiert und einen Brief an das Boeing-Management geschrieben. Muilenberg versuchte, die FAA in einem Telefonat zu beschwichtigen.

          Rücktrittsforderungen an die Boeing-Führung

          Amerikas bekanntester Verbraucher-Advokat Ralph Nader hat unterdessen die Boeing-Führung abermals ins Visier genommen. Er verlangt den Rücktritt des Vorstandschefs Dennis Muilenberg. Naders Großnichte war bei einem der beiden 737 Max-Abstürze ums Leben gekommen. Insgesamt starben dabei 346 Menschen. Eine Gruppe Angehöriger der Absturzopfer kämpft inzwischen gegen eine Neugenehmigung des 737 Max-Models.  

          Boeing-Chef Muilenberg hatte vor kurzem seine Rolle als Verwaltungsratsvorsitzender eingebüßt. Er ist aber CEO. Der Verwaltungsrat war am Sonntag und Montag in Austin, Texas zusammen gekommen. Weitreichende Entscheidungen sind nicht bekannt geworden.

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