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Boeing in der Krise : Die Rückkehr der 737 Max bleibt ungewiss

Bleibt voraussichtlich noch länger am Boden: eine Maschine des Typs Boeing 737 Max Bild: AFP

Der Absturz in Äthiopien jährt sich, und Boeing sieht sich neuen Hürden gegenüber: Es geht um die Verkabelung in den 737-Max-Maschinen. Die Flugaufsichtsbehörde fürchtet, dass es zu Kurzschlüssen in bereits produzierten Flugzeugen kommen könnte.

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          An diesem Dienstag jährt sich der Absturz einer von Ethiopian Airlines betriebenen 737 Max von Boeing zum ersten Mal. Das Flugzeug war auf dem Weg von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba nach Nairobi in Kenia, aber verunglückte schon wenige Minuten nach dem Start. 157 Menschen starben. Es war der zweite Absturz einer 737 Max innerhalb von weniger als sechs Monaten. Im Oktober 2018 war schon eine Maschine des Typs in Indonesien zu Boden gegangen, damals gab es 189 Tote. Der zweite Absturz in Äthiopien führte dazu, dass Aufsichtsbehörden in aller Welt das Modell innerhalb weniger Tage aus dem Verkehr zogen. Boeing hatte eigentlich gehofft, dass dieses Flugverbot mittlerweile längst wieder aufgehoben sein würde. Aber die 737 Max bleibt bis heute am Boden. Nach einem Bericht der „Seattle Times“ will das Unternehmen zum Jahrestag des Unglücks in Äthiopien seiner Belegschaft eine Videobotschaft zeigen und darin thematisieren, wie wichtig ihm die Sicherheit seiner Maschinen ist.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Ein Jahr nach Verhängen des Flugverbots bleibt ungewiss, wann die 737 Max wieder eingesetzt werden kann, und nun sieht sich Boeing offenbar einer weiteren Hürde gegenüber. Mehreren Medienberichten zufolge will die amerikanische Flugaufsichtsbehörde FAA, dass das Unternehmen Änderungen an der Verkabelung in der Maschine vornimmt. Das gegenwärtige Layout der Kabel stellt nach Auffassung der Behörde ein mögliches Sicherheitsrisiko dar. Offenbar gibt es die Sorge, dass einige Kabel zu nahe beieinander liegen und dies die Gefahr eines Kurzschlusses mit sich bringe. Im Extremfall könnte dies dem Piloten erschweren, die Kontrolle über das Flugzeug zu behalten. Diese Sicherheitsbedenken rund um Kabel in der 737 Max sind schon seit einigen Wochen bekannt. Boeing hat allerdings versucht, die FAA zu überzeugen, dass es keine Gefahr gebe. Die Kabel seien in der Vorgängergeneration der 737 Max genauso angeordnet gewesen und hätten so kein Sicherheitsrisiko dargestellt.

          Sorgenkind Flugautomatik

          Wenn Boeing nun tatsächlich die Kabel anpassen muss, könnte das nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ die Rückkehr der 737 Max in den Flugbetrieb noch einmal um mindestens mehrere Wochen verzögern. Der Konzern stellt weiterhin in Aussicht, dass die Maschine Mitte des Jahres wieder eingesetzt werden könnte. Viele Fluggesellschaften stellen sich indessen darauf ein, dass die 737 Max für den großen Teil der Sommersaison nicht zur Verfügung stehen wird. Southwest Airlines und American Airlines haben Flüge mit der Maschine bis August aus dem Programm genommen, United Airlines sogar bis 4. September.

          Ermittler am Absturzort in Addis Abeba am 12. März 2019
          Ermittler am Absturzort in Addis Abeba am 12. März 2019 : Bild: AP

          Die Verkabelung ist für Boeing ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor auf dem Weg zur Rückkehr der 737 Max, neben der Flugautomatik „MCAS“, die mit den beiden Abstürzen in Verbindung gebracht worden ist. Boeing arbeitet an einer Nachbesserung des MCAS-Systems, und dieses Update sowie Veränderungen an den Schulungen für Piloten müssen von Behörden noch genehmigt werden. Bevor die FAA die 737 Max wieder regulär abheben lässt, will sie selbst einen Zertifizierungsflug durchführen und hat vor einigen Wochen auch schon angedeutet, dass dies bald geschehen könnte. Es ist unklar, ob die Bedenken rund um die Kabel zu einer neuen Verzögerung führen könnten.

          Das Debakel um die 737 Max hat Boeing in die schwerste Krise in seiner mehr als einhundert Jahre währenden Geschichte gestürzt. Der Konzern beziffert die finanziellen Belastungen aus dem Flugverbot derzeit auf 18,6 Milliarden Dollar. Davon entfallen allein 8,3 Milliarden Dollar auf Entschädigungen von Fluglinien, die das Flugzeug im Moment nicht einsetzen können. Weitere Milliardenaufwendungen schlagen dafür zu Buche, dass Boeing die Produktion der 737 Max nach dem Flugverbot zunächst zurückgefahren und im Januar sogar vorübergehend ganz eingestellt hat. Nachdem die Maschine aus dem Verkehr gezogen worden war, hat Boeing noch 400 Exemplare produziert, die bislang nicht an Kunden abgegeben werden konnten. Auch nach Aufhebung des Flugverbots wird der Konzern diese geparkten Maschinen nicht sofort ausliefern können. Er hat gesagt, dieser Prozess könne sich bis 2021 hinziehen, und die FAA will jedes einzelne Flugzeug prüfen, bevor es fliegen darf.

          BOEING

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          Boeing hat im vergangenen Jahr noch unter dem früheren Vorstandsvorsitzenden Dennis Muilenburg wiederholt und zum Ärger der FAA Prognosen zur Rückkehr der 737 Max gegeben, die sich als zu optimistisch herausgestellt haben. Im Dezember wurde Muilenburg entlassen, und jetzt wird das Unternehmen von David Calhoun geführt, der zuvor schon viele Jahre einen Sitz im Verwaltungsrat hatte. Calhoun hat vor wenigen Tagen mit einem Interview in der „New York Times“ für Aufsehen gesorgt, in dem er sich deutlich von seinem Vorgänger distanzierte.

          Er sagte, die Aufräumarbeiten hätten sich als umfangreicher herausgestellt, als er das selbst erwartet hätte, und er brachte das mit „Schwächen in unserer Führung“ in Verbindung. Er arbeite daran, das angespannte Verhältnis zu den Fluggesellschaften zu kitten und das Vertrauen von Regulierungsbehörden wiederzugewinnen. Er warf Muilenburg auch vor, die Produktionsraten von Boeing erhöht zu haben, ohne dass die Lieferketten dafür bereit gewesen seien. Calhoun ist aber mittlerweile wieder etwas zurückgerudert. Nach einem Bericht der Zeitung schrieb er eine Nachricht an Führungskräfte und sagte darin, der Artikel sei ihm peinlich, und er bedaure ihn, denn damit sei der Eindruck entstanden, er stehe nicht hinter seinen Managern.

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