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Nach Flugzeugabstürzen : Boeing gibt weiteres Softwareproblem zu

  • Aktualisiert am

Mitarbeiter arbeiten Ende März im amerikanischen Renton am Bau einer Boeing 737 Max 8: Nach den Abstürzen hat Boeing nun ein zweites Softwareproblem zugegeben. Bild: dpa

Boeing gesteht ein weiteres Softwareproblem ein. Das Unternehmen spricht von einer „geringfügigen Angelegenheit“. Die Luftfahrtbehörde stuft das Problem allerdings als entscheidend für die Flugsicherheit ein.

          Nach zwei Abstürzen von Boeings Flugzeugtyp 737 Max 8 in weniger als einem halben Jahr hat der amerikanische Hersteller Probleme mit einer weiteren Software zugegeben. Diese seien bei der Überarbeitung des umstrittenen Steuerungsprogramms MCAS festgestellt worden, stünden aber nicht in direktem Zusammenhang damit, teilte Boeing in der Nacht auf Freitag mit. Zuvor hatte die „Washington Post“ berichtet, dass die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA das neue Problem beanstandet habe. Solange es nicht gelöst sei, werde das Startverbot für Boeings Unglücksflieger der 737-Max-Serie nicht aufgehoben.

          Die Zeitung schreibt unter Berufung auf zwei mit der FAA-Untersuchung vertraute Quellen, dass das Problem als entscheidend für die Flugsicherheit eingestuft werde. Boeing bezeichnete es indes als „relativ geringfügige Angelegenheit“, die zusammen mit dem MCAS-Update adressiert werde. „Wir haben bereits eine Lösung dafür in Arbeit“, hieß es in der Stellungnahme des Konzerns. In den „kommenden Wochen“ werde das Update soweit sein, dass es der FAA zur Zertifizierung vorgelegt werden könne. Boeing verfolge einen „umfassenden, disziplinierten Ansatz, um es richtig zu machen“.

          Vorstandschef Dennis Muilenburg hatte kurz zuvor so deutlich wie noch nie Probleme mit der Steuerungssoftware MCAS eingeräumt. Es scheine nach dem vorläufigen Ermittlungsbericht zum Absturz in Äthiopien, als ob das Programm durch falsche Sensordaten unnötigerweise eingeschaltet worden sei, teilte Muilenburg am Donnerstag mit. Damit wird die Theorie, dass ein Softwarefehler die Maschine Richtung Boden lenkte, von oberster Konzernstelle gestützt.

          Das dringend erwartete MCAS-Update werde sicherstellen, dass Unfälle wie in Äthiopien und Indonesien „nie wieder passieren“, versicherte Boeing-Chef Muilenburg. Bislang hatte der Flugzeughersteller stets bestritten, dass die MCAS-Software ein Sicherheitsrisiko darstellt. Kurz vor Muilenburgs Stellungnahme hatte der Konzern aber bereits versprochen, dass Piloten künftig immer die Möglichkeit haben werden, die Automatik auszuschalten und zur manuellen Kontrolle zu wechseln.

          Das eigens für die spritsparende Max-Neuauflage von Boeings 737-Serie entwickelte MCAS-Programm soll eigentlich dafür sorgen, in bestimmten Flugsituationen – wie bei einem zu steilen Aufstieg des Jets – automatisch den Flugwinkel zu korrigieren. Doch die bisherigen Unfallberichte deuten darauf hin, dass das System bei den Abstürzen durch falsche Sensordaten fälschlicherweise aktiviert wurde – mit fatalen Folgen.

          Beim Absturz der Lion-Air-Maschine in Indonesien Ende Oktober soll der Bordcomputer die Nase der Boeing 737 Max 8 wegen der MCAS-Fehlfunktion automatisch immer wieder nach unten gedrückt haben, während die Crew gegenzusteuern versuchte. Ein ähnliches Szenario gilt inzwischen auch beim Ethiopian-Airlines-Absturz am 10. März als wahrscheinlich. Insgesamt starben bei den Unglücken 346 Menschen.

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