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Nach Flugzeugabstürzen : Boeing drosselt 737-Max-Produktion

Produktion der Boeing 737 Max Bild: AP

Das Flugzeug wird seit Wochen nicht mehr an Kunden ausgeliefert, jetzt gibt es auch in der Fertigung Einschnitte. Ein Airline-Chef beklagt, der Maschine hänge nun ein Stigma an.

          Für die 737 Max, die innerhalb von weniger als sechs Monaten in zwei Flugzeugabstürze verwickelt war, herrscht seit wenigen Wochen ein Flugverbot, und ihr Hersteller Boeing liefert die Maschine im Moment nicht mehr an Kunden aus. Produziert wird der Jet weiterhin. Nun aber sieht sich das Unternehmen gezwungen, die Produktion deutlich zu drosseln. Wie es am Freitag mitteilte, will es von Mitte April an „vorübergehend“ nur noch 42 Flugzeuge des Typs fertigen. Bislang liegt die Produktionsrate bei 52 Exemplaren, und Boeing hatte eigentlich vor, dies in naher Zukunft auf 57 Einheiten im Monat auszuweiten. Vorstandsvorsitzender Dennis Muilenburg sagte in einer Mitteilung, mit der Anpassung reagiere das Unternehmen zum einen auf den gegenwärtigen Auslieferungsstopp, außerdem könne es frei werdende Ressourcen nutzen, um sich noch stärker auf die Arbeit an der Zertifizierung einer neuen Software für die 737 Max und der Aufhebung des Flugverbots zu konzentrieren. Eine Produktionsrate von 42 Flugzeugen wird es Boeing nach den Worten von Muilenburg erlauben, seine gegenwärtigen Mitarbeiterzahlen zu halten.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Boeings Ankündigung kam einen Tag, nachdem in Äthiopien der vorläufige Bericht zum Absturz einer 737 Max in dem Land am 10. März vorgelegt wurde. Das Unternehmen hat daraufhin zugegeben, dass irrtümliche Aktivierung eines Softwaresystems mit dem Namen „MCAS“ eine Rolle bei diesem Unglück und dem Absturz in Indonesien im vergangenen Oktober gespielt hat. Boeing arbeitet an einer Aktualisierung der Software, und dieses Update wird nach Muilenburgs Worten „verhindern, dass Unfälle wie diese jemals wieder passieren“. Der Vorstandschef sagte weiter, Boeing mache Fortschritte bei der Software, allerdings war zu Wochenbeginn bekannt geworden, dass es zu Verzögerungen gekommen ist und es noch einige Wochen dauern könnte, bis das Unternehmen das Update der amerikanischen Flugaufsicht FAA zur Genehmigung vorlegen kann.

          Mögliche Stornierungen im Gespräch

          Für die 737 Max hat Boeing einen Auftragsbestand von fast 4700 Exemplaren, und die Abstürze und das damit verbundene Flugverbot werfen die Frage auf, ob Fluglinien sich die Anschaffung der Maschine noch einmal überlegen könnten. Tatsächlich hat die indonesische Fluglinie Garuda vor rund zwei Wochen angekündigt, ihre Bestellung von 49 Maschinen des Typs stornieren zu wollen. Am Freitag sagte außerdem der Vorstandschef der in den zweiten Absturz verwickelten Fluglinie Ethopian Airlines zur Nachrichtenagentur „Bloomberg“, er überdenke seine Bestellung von weiteren 25 Exemplaren der 737 Max. Der Maschine hafte jetzt ein „Stigma“ an, sagte er. Es ist für Fluggesellschaften freilich nicht so leicht, Alternativen zu finden. Das offensichtliche Ersatzprodukt wäre der A320 Neo des europäischen Boeing-Rivalen Airbus, aber auch für diese Maschine gibt es schon einen gewaltigen Auftragsbestand. Entsprechend lange müsste man wohl bei einer Bestellung warten.

          Boeing kündigte am Freitag außerdem die Einrichtung eines neuen Gremiums im Verwaltungsrat an, der die „unternehmensweiten Richtlinien und Prozesse für das Design und die Entwicklung von Flugzeugen“ überprüfen soll. Dieser Ausschuss solle mit seiner Arbeit dazu beitragen, die Sicherheit des 737-Max-Programms ebenso wie anderer Produktlinien zu gewährleisten. Nach den Abstürzen ist das Design der 737 Max hinterfragt worden, ebenso wie die grundsätzliche Entscheidung, diese Maschine überhaupt zu bauen. Boeing entschied sich vor einigen Jahren, als Konkurrenzmodell für den A320 Neo eine neue Generation für seine erfolgreiche und erstmals 1967 eingeführte Modellreihe 737 zu bauen anstatt eines ganz neuen Flugzeugtyps. Weil sich bei der Neuauflage im Vergleich zur Vorgängergeneration die Aerodynamik änderte, sah sich Boeing gezwungen, zum Ausgleichen dieses Effekts die MCAS-Software zu entwickeln.

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