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BMW antwortet auf VW : 50 Prozent mehr Elektroautos verkaufen – pro Jahr

Anders als der Wettbewerber Audi aus Ingolstadt wollen die Münchner an der Entwicklung von Benzin- und Dieselmotoren festhalten. Bild: Reuters

Teilweise selbstfahrend und zunehmend elektrisch: Der bayrische Premium-Hersteller gibt eine klare Richtung vor. Aber auch der Verbrennungsmotor hat Zukunft, sagt BMW-Chef Zipse.

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          Noch immer steht die deutsche Autoindustrie am Beginn des Wandels vom Verbrenner- hin zum Elektromotor, doch die Unternehmen drücken in dieser Transformation aufs Tempo. Dabei geht es nicht nur um Elektrifizierung, sondern auch um Digitalisierung.

          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Am Dienstag kündigte Volkswagen-Chef Herbert Diess eine Softwareoffensive angekündigt mit dem Ziel, aus Europas größtem Autohersteller einen internationalen IT-Konzern zu machen. Am Mittwoch zog nun BMW-Chef Oliver Zipse nach: Zur Mitte dieses Jahrzehnts will er die Fahrzeuge der weiß-blauen Premiummarke „technologisch auf ein neues Niveau heben“, wie Zipse in der Bilanzpressekonferenz sagte.

          Autos werden zu rollenden Smartphones und Geschwindigkeit spielt offenkundig eine große Rolle. So soll etwa das teilweise selbstfahrende Elektroauto i4, das BMW in der virtuellen Präsentation erstmals öffentlich vorstellte, in diesem Jahr drei Monate eher auf den Markt kommen als ursprünglich geplant. Und der vollelektrische Stadtgeländewagen iX soll Zipse zufolge mit schnellen Ladezeiten und einer Reichweite von 600 Kilometern den Kunden die Vorbehalte gegenüber der Elektromobilität nehmen.

          Nur Elektro-Minis

          „Wir sind mit hoher Dynamik in das neue Jahr gestartet und wollen schnellstmöglich wieder an das Vorkrisenniveau anknüpfen – und darüber hinausgehen“, sagte Zipse und stellte seinen Fahrplan bis zum Jahr 2030 vor, mit dem er die Transformation der Branche „zu einem echten Wettbewerbsvorteil für BMW“ machen will: „kompromisslos elektrisch, digital, zirkulär.“

          Zipse sprach von drei Phasen, in denen der Umbau hin zur vollelektrischen und vernetzten Mobilität gelingen soll. Die erste Phase habe BMW mit seinem vor acht Jahren vorgestellten elektrischen Pionierfahrzeug i3 bereits hinter sich. In der zweiten Phase bis zum Jahr 2025 soll die digitale Interaktion mit dem Fahrzeug umgesetzt werden und der Absatz der vollelektrischen Autos im Durchschnitt um „deutlich über 50 Prozent pro Jahr“ wachsen. Im Jahr 2030 soll schließlich jedes zweite verkaufte Auto des Konzerns ein vollelektrisches sein.

          Und die britische Kleinwagenmarke Mini soll dann ausschließlich reine Steckdosenautos anbieten. Dabei will BMW den CO2-Ausstoß nicht nur auf der Straße vermindern, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette von den Rohstoffen über die Fabrik bis zum Recycling.

          „Der Verbrenner hat Zukunft“

          Anders als der Wettbewerber Audi aus Ingolstadt wollen die Münchner an der Entwicklung von Benzin- und Dieselmotoren festhalten. Audi-Chef Markus Duesmann hatte gegenüber der F.A.Z. angekündigt, dass die Volkswagen-Tochtergesellschaft ab sofort keine Verbrennungsmotoren mehr neu entwickeln, sondern nur noch bestehende an die schärferen Emissionsregeln anpassen werde. „Der Verbrenner hat Zukunft“, erwiderte Zipse darauf. „Wenn eines Tages die Kunden diese Technologie nicht mehr wollen, dann hören wir auf damit.“  

          In der Gegenwart geht es für den BMW-Konzern auch darum, die Folgen der Corona-Pandemie zu bewältigen. Auch in der Krisenbewältigung will Zipse schnell sein, wohl wissend um den Rückenwind aus dem größten Absatzmarkt in China. Also strebt BMW nach zwei Jahren mit

          Gewinnrückgängen für das laufende Geschäftsjahr „einen deutlichen Anstieg beim Konzernergebnis vor Steuern an“, wie Finanzvorstand Nicolas Peter versprach. Die Autoverkäufe sollen solide wachsen. Vor allem in China war die Nachfrage zuletzt stark gestiegen. Die Ergebnismarge im Autosegment soll von 2,7 auf 6 bis 8 Prozent vom Umsatz steigen. „2021 steht für uns im Zeichen des Wachstums. Gleichzeitig sind wir darauf vorbereitet, flexibel zu reagieren“, sagte Peter.

          Parallel dazu wird der Stellenabbau  weitergehen, wenn auch im verminderten Tempo. Nachdem im vergangenen Jahr rund 5000 Stellen gestrichen wurden, soll die Mitarbeiterzahl Ende 2021 „leicht unter dem Niveau des Vorjahres liegen“.

          Die wichtigsten Zahlen des vergangenen Jahres hatte BMW in der vorigen Woche veröffentlicht: Danach fielen die Verkaufszahlen um 8 Prozent auf 2,3 Millionen Autos, der Umsatz schrumpfte von 104 auf 99 Milliarden Euro, und der Gewinn brach um ein Viertel auf 3,86 Milliarden Euro ein.

          BMW-Aktionäre müssen zum zweiten Mal mit einer Dividendenkürzung rechnen. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung am 12. Mai eine auf 1,90 Euro je Stammaktie reduzierte Dividende vor, nachdem im vergangenen Jahr noch 2,50 Euro ausgeschüttet worden waren. Vor zwei Jahren wurde noch 3,50 Euro je Stammaktie gezahlt, was dazu führte, dass in die des Großaktionärs Quandt mehr als 1 Milliarde Euro geflossen waren. Die Erben des Großindustriellen Herbert Quandt, seine Kinder Stefan Quandt und Susanne Klatten halten zusammen 46,7 Prozent des Grundkapitals.

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