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Technischer Fortschritt : BMW macht Ernst mit dem selbstfahrenden Roboterauto

Freude am gefahren werden? - Angeblich tüftelt BMW zusammen mit Intel und einem israelischen Unternehmen an selbstfahrenden Autos. Bild: obs

Hände vom Steuer, Blick von der Straße: BMW will in fünf Jahren das autonome Fahren zur Serienreife bringen. Intel und Mobileye sollen helfen.

          Harald Krüger redet in diesen Tagen viel von der Zukunft. „i Next“ heißt das in der Sprache des BMW-Vorstandsvorsitzenden und ein erklärtes Ziel ist es, ein Auto, vollgeladen mit neuen Technologien, für das autonome Fahren auf die Straße zu bringen. „Anfang des nächsten Jahrzehnts“ solle der „i Next“ auf den Markt kommen, sagte Krüger vor kurzem und bezeichnete das Fahrzeug als eine „technische Speerspitze“ – noch innovativer, noch ausgetüftelter als das Elektroauto i3 mit seiner ultraleichten Karbonkarosserie. Dem eigenen Anspruch ist BMW wieder einen Schritt nähergekommen. Mit dem amerikanischen Chiphersteller Intel und dem israelischen Softwareunternehmen Mobileye haben die Bayern zwei Entwicklungspartner gefunden. Am heutigen Freitag will Krüger mit seinen Kollegen von Intel, Brian Krzanich, und Mobileye, Amnon Shashua, die Pläne bekanntgeben.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Hier der Autohersteller, da die Technologieunternehmen: Das frisch geschlossene Kooperationsabkommen zeigt eindrucksvoll, wie Unternehmen aus unterschiedlichen Welten gemeinsame Sache machen wollen. Noch schweigen sich die beteiligten Gesellschaften über den genauen Inhalt ihrer Vereinbarung aus. Nach Informationen dieser Zeitung geht es um ein System, das den Fahrer am Steuer ersetzen kann. Es ist eine Form der künstlichen Intelligenz, die hohe Prozessorleistungen benötigt. Die Technologie basiert auf Sensoren und Kameras, die die Umgebung erfassen und die Daten in Sekundenschnelle verarbeiten. Darauf ist Mobileye spezialisiert. Das israelische Unternehmen, vor ein paar Jahren vom heute 56 Jahre alten Informatik-Professor Shashua gegründet, liefert die Chips für Einparkhilfen oder Stauassistenten. BMW gehört zu den Kunden von Mobileye, ebenso wie General Motors und der Elektropionier Tesla. Jetzt soll die Kameratechnik weiterentwickelt werden. Das ist nötig, weil die heutigen Monokameras die Fahrzeugumgebung nur begrenzt räumlich abbilden und auch nur über eine Reichweite von 150 Metern verfügen. Für die räumliche Wahrnehmung sind Stereokameras zuständig, die Entfernungen abmessen können, so dass das selbstfahrende Auto einen Fußgänger wahrnimmt, Straßenschilder erkennt und auf plötzlich auftretende Hindernisse reagieren kann. Gesteuert wird die Elektronik von Chips. Intel wird in die Gemeinschaftsentwicklung die Rechnertechnologie einbringen, BMW muss die neue Technik in das Fahrzeug integrieren. Für einen Autohersteller wie BMW ist das eine Herausforderung, muss er sich doch an die schnellen elektronischen Entwicklungszyklen anpassen.

          Selbstfahrende Autos sind neben den alternativen Antriebstechnologien ein Schwerpunkt in der Entwicklung der Autokonzerne. Der Wille zur Kooperation ist angesichts der enormen Entwicklungskosten groß. Im vergangenen Jahr haben Audi, BMW und Daimler gemeinsam den digitalen Kartenspezialisten Here von Nokia gekauft. Here bietet die wohl präzisesten Karten, die als Voraussetzung für das automone Fahren unabdingbar sind. Den drei Autokonzernen waren sie 2,8 Milliarden Euro wert. Erste teilautonome Assistenzsysteme sind heute bereits Gang und Gäbe. Sie finden freie Parkplätze und manövrieren das Auto wie von Geisterhand in die Lücke. Allerdings muss der Fahrer die Assistenzsysteme ständig überwachen, also weiter aktiv mitfahren. Das System warnt den Fahrer dann rechtzeitig, wenn es selbst nicht mehr reagieren kann. Bei völlig autonom fahrenden Autos könnte der Fahrer dagegen auch auf dem Rücksitz Platz nehmen. In dem Mercedes F015, einem dank Stereokameras und Radarsensoren selbstfahrenden Forschungsauto mit Gestik- und Blicksteuerung, sitzen sich die Insassen wie in einer Kutsche gegenüber. Dank drehbarer Klubsessel herrscht in dem Daimler-Prototypen entspannte Wohnzimmeratmosphäre.

          Wie sich BMW die Zukunft vorstellt, hat der Konzern vor wenigen Monaten auf der weltgrößten Elektronikmesse CES in Las Vegas gezeigt. Das kupferfarbene Pilotfahrzeug „i Vision Future Interaction“ genannt, fährt nicht nur selbst, es reagiert auch auf Fingerzeig im Cockpit. Es weiß genau, was der Fahrer von ihm erwartet, und erledigt die Dinge ganz allein, informiert über eingegangene Videoanrufe, macht das Display für E-Mail-Anhänge frei und lässt das Sportlenkrad blau leuchten, wenn gerade in den automatisierten Fahrmodus gewechselt wird. Dieser pilotierte BMW basiert auf dem heutigen Sportwagen i8.

          Das selbstfahrende Auto, für das BMW auf die Zulieferungen von Intel und Mobileye setzt, dürfte dagegen kein offener, zweisitziger Sportwagen werden. Krüger sprach in der Bilanzpressekonferenz von einem „völlig neuen Fahrzeug der i-Reihe“ und nach allem, was aus dem Umfeld des Konzerns zu hören ist, wird es wohl eher eine alltagstaugliche Limousine im Stil der Fünfer-Reihe sein. Elektroantrieb und Leichtbau verstehen sich dabei von selbst. Manche sprechen von dem Auto, das noch als „i Next“ bezeichnet wird, bereits vom i5.

          Bevor der Computer die Kontrolle übernehmen darf, müssen Gesetze geändert werden. Das Wiener Verkehrsabkommen von 1968, das in Europa und in einigen anderen Ländern gilt, schreibt noch die ständige Kontrolle des Fahrzeugs durch den Fahrer vor. Und die Straßenverkehrsordnungen müssen ebenso angepasst werden wie die Bestimmungen von Kfz-Versicherungen oder Zulassungsverfahren. So lange müssen auch beim BMW „i Next“ die Hände am Steuer bleiben.

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