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Größter Automarkt der Welt : BMW steht voll zu China

BMW-Werk in der Stadt Shenyang im Nordosten Chinas Bild: AFP

Der Premiumhersteller will der Volksrepublik trotz der politischen Differenzen treu bleiben. Man strebe eine „partnerschaftliche Beziehung“ zwischen Deutschland und China an, sagt der Finanzvorstand.

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          Ungeachtet der politischen Diskussion hält der Münchner BMW-Konzern an seinen Expansionsplänen in China fest. „Wir streben eine partnerschaftliche Beziehung zwischen Deutschland und China an“, sagte Finanzvorstand Nicolas Peter am Montag vor Journalisten in München. Die global aufgestellte Autoindustrie lebe von der Zusammenarbeit, insbesondere in der Elektromobilität und Digitalisierung.

          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Peter nannte als Beispiel die Kooperation mit dem chinesischen Batteriezellenhersteller CATL , der gerade in Debrecen eine riesige Batteriefabrik aus dem Boden stampfen will. In der ungarischen Stadt hat BMW kürzlich sein neuestes Werk eingeweiht, um dort Elektroautos zu bauen. China sei zudem der größte Automarkt der Welt, und BMW wolle dort „nah am Kunden“ sein und „logistische Vorteile nutzen“, sagte Peter.

          Die Expansionspläne sind angesichts der neuen geo- und handelspolitischen Spannungen umstritten. Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine hat die Debatte um die große Abhängigkeit deutscher Unternehmen vom chinesischen Markt an Schärfe gewonnen.

          Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will das China-Geschäft deutscher Unternehmen bremsen und fordert öffentlich einen härteren Umgang mit dem autoritären Regime. Doch bei BMW wird weiter betont, wie wichtig die Geschäfte in der Volksrepublik für die eigenen Unternehmensziele seien.

          Auf „Achterbahnfahrt“ in China

          Die Regierung in Peking hatte BMW Anfang Februar als erstem westlichen Autokonzern gestattet, die Mehrheit an einem chinesischen Gemeinschaftsunternehmen zu übernehmen – nämlich an jenem mit Brilliance (BBA) . So kamen auf Anhieb rund 25.000 Beschäftigte und mehr als 700.000 Autos aus Fernost in die Bilanz, und die Vollkonsolidierung des chinesischen Joint Ventures ließ allein das Finanzergebnis um 7,7 Milliarden Euro steigen.

          Und wenn Peter nun davon spricht, „gut unterwegs zu sein“, um im laufenden Jahr Absatz- und Gewinnziele erreichen zu können, ist das nicht zuletzt dem China-Geschäft zu verdanken. Zwar sei die Marktentwicklung dort eine „Achterbahnfahrt“ gewesen – nach gutem Start und einem harten Lockdown gebe es inzwischen wieder prozentual zweistellige Zuwachsraten – aber am Jahresende werde BMW gewiss mehr Autos verkauft haben als im Vorjahr, sagte Peter.

          Zur Jahresmitte hatte der Vorstand die globale Absatzerwartung für das gesamte Jahr gesenkt. Peter geht auf Jahressicht von 2,45 Millionen Verkäufen aus, was einem leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der im ersten Halbjahr verlorene Absatz könne nicht mehr aufgeholt werden, auch wenn es im zweiten Halbjahr etwas besser laufe. Wie anderen Autoherstellern machten auch BMW Lieferengpässe bei Komponenten wie Halbleitern zu schaffen.

          Weniger kritisch beurteilte der Finanzvorstand die Auswirkungen der Gaskrise. Davon sei BMW nicht direkt betroffen. Bisher gebe es auch keine Ausfälle bei Lieferanten. Im kommenden Jahr will BMW wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren und den Autoabsatz steigern. Das gelingt in diesem Jahr nur bei den vollelektrischen Fahrzeugen, die mit 245 000 Einheiten erstmals 10 Prozent vom Absatz ausmachen sollen. Und 2023 will BMW dann rund 400 000 Stromer verkaufen.

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