https://www.faz.net/-gqe-8v15x

Opel-Übernahme : Sind große Clans die besseren Autohersteller?

Als Opel noch den Opels gehörte: Der „große Sechszylinder“ von 1927 als Werbemotiv. Hubraum: 3160 Kubikzentimeter Bild: INTERFOTO

Opel wird Teil von Peugeot – und damit wieder ein Familienunternehmen. Auch hinter Volkswagen, BMW, Fiat und Toyota stecken starke Familien. Doch ihre Geschichten unterscheiden sich.

          6 Min.

          Seit 1929 gehört Opel zum amerikanischen Konzern General Motors. Überrascht von der Nachricht, der deutsche Autobauer könnte an den französischen Wettbewerber Peugeot verkauft werden, war nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch der eine oder andere unmittelbar oder mittelbar Betroffene. Vor allem in Rüsselsheim selbst, dem deutschen Opel-Sitz, zeigte man sich ziemlich unvorbereitet. Im Kanzleramt in Berlin allerdings auch. Entsprechend vernehmlich fiel das Murren und Knurren aus; sonderlich relevant ist es nicht.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Rechtlich ist an dem Vorgang nichts auszusetzen. In einer Marktwirtschaft sind Käufer und Verkäufer frei, ihre Unternehmensanteile und Fabriken zu tauschen. Sie brauchen dafür weder Regierungen noch deutsche Gewerkschaften um Erlaubnis zu fragen. Wenn sie jetzt doch in Paris und Berlin antichambrieren, dann hat das eher kosmetisch-atmosphärische Gründe: Politiker, Management und Belegschaften sollen in Sicherheit gewiegt werden, es werde sich schon nichts ändern und trotzdem alles besser werden.

          Aber das ist Lyrik. Übersetzt in nüchterne Prosa, wird der Befund offenkundig: GM hat die Freude an seinem deutschen Tochterunternehmen verloren. Kein Wunder, wurden dort zuletzt in fast zwei Jahrzehnten doch Jahr für Jahr nur Verluste präsentiert. Das kann sich niemand auf Dauer leisten. Was Peugeot daran reizt, einen notorischen Verlustbringer zu integrieren, und wie viel Geld die Franzosen dafür zu zahlen bereit sind (über zwei Milliarden Dollar wird spekuliert), ist hingegen schon weniger offensichtlich. Größenvorteile und Effizienzgewinne versprechen die Unternehmensberater in solchen Fällen. Immerhin würde Peugeot im besten Fall seine Marktanteile in Europa fast verdoppeln. Dass es am Ende noch jede Peugeot-, Citroën- und Opel-Fabrik geben wird, ist eher unwahrscheinlich.

          Eines ist sicher, bislang aber noch gar nicht aufgefallen: Opel würde, kommt der Deal zustande, nach 90 Jahren Pause wieder ein Familienunternehmen werden, was es die ersten 70 Jahre seiner Geschichte schon einmal war. Zwar musste die Familie Peugeot im Jahr 2013 ihre Mehrheit bei PSA, wie Peugeot heute mit vollem Namen heißt, in einer lebensbedrohlichen Krise abgeben. Aber bis heute ist der traditionsreiche französische Clan mit knapp 14 Prozent der Anteile und gut 22 Prozent der Stimmrechte größter Einzelaktionär im Konzern neben dem französischen Staat und einem chinesischen Teilhaber.

          Eine Start-Up-Story aus der Garage des 19. Jahrhunderts

          Wer meint, der Familien-Kapitalismus sei am Ende oder habe sich in einer komplexen und globalisierten Weltwirtschaft als träge und nicht mehr kreativ erwiesen, liegt falsch. Ein Blick auf die Marktanteile der größten Automobilhersteller in Europa lehrt das Gegenteil. Fünf der zehn Größten haben starke Familien unter ihren Anteilseignern. Nicht bloß bei Peugeot, auch bei Volkswagen, BMW, Fiat und Toyota sind es Familien, die schon seit Jahrzehnten dem Auto die Treue halten, allen Widrigkeiten zum Trotz. Das ist es wohl auch, was den Unternehmen einen Vorteil bringt: Familien sind in der Regel geduldiger als Investmentfonds.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.