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Opel-Übernahme : Sind große Clans die besseren Autohersteller?

Eine mächtige Familie, verschwiegen und zerstritten, und der Staat als Miteigentümer – für deutsche Ohren klingt das nicht unvertraut. Auch Volkswagen, der größte Automobilkonzern der Welt, ist ein Familienunternehmen. Aber die Geschichte geht ein bisschen anders. Gewöhnlich läuft die Entwicklung ja nach folgendem Muster: Pionier gründet Firma, holt sich fremde Kapitalgeber, irgendwann scheidet die Gründerfamilie ganz aus. So wie es bei Opel war. Die Geschichte von Volkswagen ist ein Beispiel für das Gegenteil: VW gehört heute mehrheitlich den Nachfahren von Ferdinand Porsche, dem Käfer-Erfinder. Die Familie tut gern so, als wäre das seit je so gewesen, was nicht stimmt.

Die angebliche naturgegebene Einheit von VW und Clan ist ein Mythos. Urahn Ferdinand Porsche setzte zwar den Grundstein für das VW-Werk in Wolfsburg, nach Kräften assistiert von Diktator Adolf Hitler. Der geniale Konstrukteur war aber ein Angestellter, das Eigentum lag bei den Nazis. Auch sein Enkel Ferdinand Piëch, Jahrzehnte später der VW-Alleinherrscher, diente dem Konzern nur als leitender Angestellter.

Auf die Eigentümer kommt es an

In die Rolle des Großaktionärs schlüpften er und der Rest der Verwandtschaft erst nach dem Coup von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der 2005 zum Angriff auf Wolfsburg blies: Volkswagen und Porsche wurden schließlich eins und der Clan der Bestimmer über alles. Mit ihrer Stuttgarter Finanzholding, der Porsche SE, kontrollieren die Porsche-Piëchs 52 Prozent der Stammaktien, mit den Scheichs aus Qatar und dem Land Niedersachsen in Nebenrollen. Dass sie lieber allein das Sagen hätten, ist kein Geheimnis. Dass sie gerne ihren VW-Anteile aufstocken würden, ebenso wenig. „Wir halten uns die Möglichkeit offen“, bestätigt ein Sprecher der Porsche SE.

Wie auch immer es kommen wird: Dafür, dass eine milliardenschwere Familie Garant für gute Unternehmensführung ist, bietet Volkswagen das schlechteste Beispiel. Schon vor dem Diesel-Skandal haben Affären aller Art den Konzern belastet. Es gibt, soweit man sieht, nur einen großen Automobilkonzern, in dem die Familie, seit sie dabei ist, offenbar immer alles richtig gemacht hat: BMW.

Unangefochtener Großaktionär ist dort die Familie Quandt aus Bad Homburg, im Aufsichtsrat vertreten durch Stefan Quandt und seine Schwester Susanne Klatten. Der golden scheinende Mythos des Clans erklärt sich aus dem Schicksalsjahr 1959. Der damalige BMW-Vorstand hatte sich den misslichen Zuständen ergeben.

Auf die Eigentümer kommt es an

Das Ende der Firma schien besiegelt, da reiste der BMW-Betriebsratschef zu Herbert Quandt. Er möge bei BMW einsteigen, bekniete der Gewerkschafter den Industriellen: Sie, die Arbeitnehmer, hätten die Ideen, um die Firma zu retten, er, Quandt, das nötige Geld. So gelang der Wiederaufstieg, von dieser Legende zehrt BMW bis heute. Wer bei BMW als Manager anheuert, weiß, worauf er sich einlässt. Das letzte Wort hat die Familie, und zweistellig wird das Millionensalär der Chefs nicht werden. Die Boni wurden gedeckelt, lange bevor die Debatte darüber in Fahrt kam.

Der BMW-Erfolg beweist: Auf die Eigentümer kommt es an. Die Familie Quandt, seit mehr als 50 Jahren BMW-Großaktionär, erwies sich als Segen für die Firma. Umgekehrt stimmt es genauso. Mehrere hundert Millionen Euro Dividende schüttet der Konzern jedes Jahr an die Familie aus. Das ist ein warmer Regen im Vergleich zu den tristen Kontobewegungen bei italienischen oder französischen Autodynastien, etwa den Peugeots, mit den Quandts persönlich bekannt. Ob es also ein Segen ist, wenn Opel wieder ein Familienunternehmen wird? Sicher ist das nicht, auch nicht im guten Familienkapitalismus.

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