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Elektromobilität : BMW hat große Pläne in China

Den Elektro-Mini stellt BMW derzeit in seinem Werk nahe Oxford her. Bild: AFP

Der Autohersteller verkauft ein Drittel seiner Autos in dem Land. Künftig sollen es noch mehr werden. Auch deshalb stellt das Unternehmen bald die Elektroversion des Mini in einem neuen Werk in China her.

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          Eigentlich hätte Oliver Zipse an diesem Donnerstag die Quartalszahlen des BMW-Konzerns in einer Telefonkonferenz vorstellen sollen. Doch der Vorstandsvorsitzende des Münchner Autoherstellers, der binnen drei Monaten vor Steuern stolze 4,1 Milliarden Euro verdient hat, überließ diesen Teil seiner Arbeit seinem Finanzvorstand Nicolas Peter. Zipse selbst begab sich auf schwierigeres Terrain. Er begleitet in diesen Tagen Bundeskanzler Olaf Scholz auf dessen so umstrittener Reise zu Chinas Staatschef Xi Jinping.

          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Nun ist weder die deutsche noch die europäische Linie in der Chinapolitik geklärt. Für BMW „als globales Unternehmen“ mit 31 Standorten in 15 Ländern scheint die Sache hingegen klar, wie ein Konzernsprecher zu verstehen gab: „Wir brauchen den Dialog.“ Deshalb habe Zipse die Einladung des Kanzlers angenommen.

          Eine Überraschung ist die Teilnahme nicht. Schließlich fliegt neben den Chefs von Adidas, BASF, Bayer, Merck oder Siemens auch Zipses Volkswagen-Kollege Oliver Blume mit. Kaum eine Branche ist so abhängig von China wie die deutsche Autoindustrie. BMW verkauft dort ein Drittel seiner Autos. Und wenn es nach dem Vorstand geht, sollen es noch mehr werden, zumal die wirtschaftlichen Aussichten in der Volksrepublik besser sind als in Europa.

          „Wir sind in China mit Blick auf die Marktentwicklung nicht pessimistisch“, sagte Finanzvorstand Peter. Und das, obwohl wegen Xi Jinpings rigider Corona-Politik derzeit 10 Prozent der BMW-Händler geschlossen sind. China sei der Treiber der Elektromobilität, und BMW werde im Jahr 2030 mehr als die Hälfte seiner vollelektrischen Fahrzeuge hier verkaufen, sagte Peter.

          160.000 Elektroautos sind im ersten Jahr geplant

          Auch deshalb wird BMW die neueste Elektroversion der Kleinwagenmarke Mini künftig nicht in Oxford bauen, sondern in China. Partner ist hierfür der chinesische Great-Wall -Konzern, mit dem die Bayern Ende 2019 ein Joint-Venture vereinbart haben, das den Aufbau einer gemeinsamen Produktion von Elektroautos zum Ziel hat. Schon im kommenden Jahr sollen in der Provinz Jiangsu die ersten 160.000 Batterieautos vom Band rollen, je zur Hälfte vollelektrische Mini und Kleinwagen von Great Wall. In die neue Fabrik mit zunächst 3000 Beschäftigten wurden gemeinsam 650 Millionen Euro investiert. Dass BMW die dort hergestellten Elektro-Mini auch exportieren wird, steht außer Frage.

          Wie viel es sein werden, hänge von der globalen Nachfrage ab, sagte Peter. Im englischen Mini-Werk sollen nur noch Verbrennermodelle gebaut werden. „Oxford bleibt Herzstück der Mini-Produktion“, sagte Peter, „weiterreichende Pläne werden zu gegebener Zeit kommuniziert.“ Offen bleibt somit, ob das traditionsreiche Werk für die Elektromodelle umgerüstet wird. Dass Great Wall dort künftig eigene Kleinwagen produzieren lässt, ist Peter zufolge „momentan nicht geplant“. Zuletzt hatte es sogar Gerüchte gegeben, Oxford könne komplett an die Chinesen abgegeben werden.

          Finanziell hätte BMW mögliche Erlöse aus einem Standortverkauf nicht nötig. Zwar produziert der Konzern wegen der bekannten Lieferschwierigkeiten wichtiger Komponenten weniger Fahrzeuge, er kann sie aber aufgrund der hohen Nachfrage gewinnbringender verkaufen. Allein im dritten Jahresviertel nahm der Gewinn vor Zinsen und Steuern um 28 Prozent auf knapp 3,7 Milliarden Euro zu. Die operative Marge erreichte 8,9 Prozent nach 7,8 Prozent vor einem Jahr.

          Auf Jahressicht steuert BMW auf ein neues Rekordergebnis zu. Der Grund liegt abermals in China: Im Februar hatten die Münchner ihr zweites chinesisches Produktions-Joint-Venture mit Brilliance mehrheitlich übernommen und kontrollieren es nun zu 75 Prozent. Aus der Neubewertung der bereits gehaltenen Anteile resultiert ein Buchgewinn von 7,7 Milliarden Euro. Und so liegt der Konzernüberschuss nach neun Monaten mit 16,4 Milliarden Euro bereits gut sechs Milliarden Euro über dem Wert des Vorjahres.

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