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BMW : Freude am Investieren

  • -Aktualisiert am

BMW investiert in die moderne Produktion: Fertigung der 1-Serie in Leipzig Bild: AP

BMW will einen Milliardenbetrag in Deutschland investieren, so viel wie immer. Klingt normal, ist in diesen Zeiten aber bemerkenswert - besonders, wenn es um deutsche Produktionsstandorte und deutsche Arbeitsplätze geht.

          3 Min.

          Von der Krise in der Autoindustrie und vom Ende der Abwrackprämie lässt sich der bayerische Automobilbauer nicht beirren. BMW investiert in diesem und im nächsten Jahr 1 Milliarde Euro in die deutschen Standorte, kündigt Produktionsvorstand Frank-Peter Arndt im Gespräch mit dieser Zeitung an. „Wir stärken die Wettbewerbsfähigkeit unserer Produkte für die erwartete Erholung des Marktes im Jahr 2010“, sagt er. Die eine Milliarde sei genauso viel, wie schon vor der Krise geplant war. Und es ist eigentlich so viel wie immer, was an Budgets für die acht deutschen Werke im Zeitraum von zwei Jahren eben anfällt.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Was so normal klingt, verdient in diesen Zeiten eine Würdigung – besonders, wenn es um deutsche Produktionsstandorte und deutsche Arbeitsplätze geht. Denn der Einbruch im weltweiten Absatz veranlasst die Autobauer zum Zusammenstreichen seiner Etats. Selbst bei BMW: Von 4,2 auf 4 Milliarden Euro wird der Etat gekürzt, in dem ebenso die Kosten für Forschung und Entwicklung anfallen. Die halbe Milliarde Euro für Sachinvestitionen im Inland bleibt indes unverändert.

          Der Ingolstädter Konkurrent Audi hat angekündigt, ob der Krise die Investitionen von zuletzt 2,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr zu kürzen; um wie viel, wird nicht gesagt. Der Mutterkonzern VW will sein Budget für Sachinvestitionen um 2 Milliarden Euro kürzen; auf wie viel, bleibt unbekannt. Aber der größte europäische Autokonzern hält an seinen Plänen fest, mittelfristig 8 Milliarden Euro im Jahr in neue Antriebstechnologien zu stecken. Daimler will 2009 und 2010 rund 10 Milliarden Euro in sparsame Verbrennungsmotoren, Elektroantriebe oder Brennstoffzellen investieren; davon allein 6,4 Milliarden Euro in der Autosparte Mercedes. Hinzu kommen 9,4 Milliarden Euro an Sachinvestitionen in diesen zwei Jahren, 5,9 Milliarden Euro davon bei Mercedes. Es sind voraussichtlich die Sachinvestitionen, die am ehesten gekappt werden könnten, nicht die entscheidenden Zukunftsprojekte. Denn auch Daimler hat angekündigt, 4 Milliarden Euro einsparen zu wollen, unter anderem bei den Investitionen.

          Angenehm ist den Herstellern das Thema nicht. Denn sie tun genau das, was in einer Krise nicht gemacht werden sollte: bei zukunftsträchtigen, produktiven und damit wettbewerbssichernden Investitionen zu kürzen. Doch die Lage auf den Automobilmärkten bleibt gespannt. Und sie wird sich allein in Deutschland nach dem Wegfall der Abwrackprämie wieder verschärfen. Fixkosten und Personalaufwendungen können nicht so schnell gekürzt werden, wie die Umsätze sinken. Die Liquidität muss zusammengehalten werden. Relativ schnell lässt sich da im Budget der Sachinvestitionen kürzen. Die Ausgaben für neue Modelle hingegen sind entweder längst projektiert oder tabu, um nicht die Marktchancen der Zukunft zu verspielen.

          Das ist der Grund, warum BMW seine Investitionen hochhält – in Deutschland wie im Übrigen auch im Ausland. Denn in diesem Jahr werden 750 Millionen Dollar in das amerikanische Werk Spartanburg gesteckt, etwa für den Hochlauf der Produktion des BMW X3. Im Inland sind hohe Ausgaben wegen der bevorstehenden Modelloffensive zwangsläufig. „Dazu zählt der BMW X1, der gerade im Werk Leipzig angelaufen ist, oder der BMW 5er Gran Turismo im Werk Dingolfing“, sagt Produktionsvorstand Arndt. Rund 20 neue Modelle oder Modellvarianten (einschließlich neuer Motorisierungen) stehen nach Angaben des Unternehmens in den nächsten zwei Jahren an. In diesen Zeitraum fällt auch die Premiere der neuen 5er-Reihe. Die neue 3er-Serie als weiteres Volumenmodell rückt dann schon näher.

          Vor allem in die Standorte Regensburg, Dingolfing, Leipzig und München. „Wir setzen konsequent unsere Investitionen um, um neue Modelle noch effizienter fertigen zu können“, sagt Arndt. „Zusätzlich investieren wir in neue Technologien.“ Der größte Teil der Investitionen fließe in Karosseriebauten, Montagen und Presswerke. Allein in Dingolfing sind in diesem Jahr zwei neue Presswerke für 50 Millionen Euro errichtet worden. „Wenn wir große Karosseriebauteile direkt vor Ort herstellen, entfallen aufwendige Logistik- und Transportwege.“ Zusätzlich will BMW die Umform- und Presstechnik weiter entwickeln, damit die Teile leichter und zugleich sicherer werden.

          Durch die Investitionen würde eine dreistellige Anzahl an Arbeitsplätzen geschaffen. „Aber wir werden diese Stellen weitgehend aus bestehendem Personal besetzen“, sagt der Produktionschef. Tendenziell werde die Beschäftigung bei BMW insgesamt weiter leicht zurückgehen. Seit Ende 2008 hat sich über die normale Fluktuation die Zahl der Mitarbeiter von 100 000 auf gut 98 000 reduziert. Punktuell hatte BMW seit Jahresanfang Kurzarbeit eingesetzt. In Regensburg und in Dingolfing wurde sie inzwischen beendet, könnte aber wieder eingeführt werden, sollte sich die Marktlage verschlechtern. Die Investitionen sollen das verhindern.

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