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BMW : Freude am Führen

Harald Krüger wird bald BMW führen. Norbert Reithofer gibt überraschend die Führung ab. Bild: dpa

BMW bekommt einen neuen Chef. Die Ära Norbert Reithofer endet. Alles läuft nach Drehbuch.

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          Bei BMW hatten eigentlich alle gebannt auf das Jahr 2016 geblickt. Dann wird der Automobilkonzern 100 Jahre alt, Zeit für einen schönen Rückblick und die notwendige Weichenstellung für die Zukunft. Außerdem wird der heutige BMW-Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer dann 60 Jahre alt, das ist für das Spitzenpersonal von BMW die interne Grenze. Danach gibt es, wenn überhaupt, nur noch Vertragsverlängerungen um jeweils ein Jahr.

          Es überrascht daher, dass BMW schon zur Hauptversammlung 2015 den Generationswechsel einleitet. Mit Harald Krüger hat der Konzern dann einen Vorstandsvorsitzenden im Alter von 49 Jahren. Er wird überwacht von einem Aufsichtsratsvorsitzenden, der nur zehn Jahre älter ist. Und über allem thront die Familie Quandt, die schon selbst den Generationswechsel hinter sich hat.

          Es war am 9. Dezember 1959, als Herbert Quandt in einer emotionalen Hauptversammlung BMW vor dem Verkauf an Daimler bewahrte. Für viele im Unternehmen ist dieses Datum die eigentliche Geburtsstunde der weiß-blauen Automarke. Heute hat bei BMW mit der 52 Jahre alten Susanne Klatten und ihrem 48 Jahre alten Bruder Stefan Quandt die nächste Generation das Sagen. Sie führen den Konzern an der „langen Leine“ und vertrauen auf eine Managerelite, die meist im eigenen Unternehmen groß geworden ist. Da sehen sich die BMW-Erben ganz in der Familientradition.

          Kontinuität wird großgeschrieben bei BMW, seit Herbert Quandt 1980 den Aufsichtsratsvorsitz abgab. Ob Hans Graf von der Goltz, Eberhard von Kuenheim oder aktuell die Manager Joachim Milberg und Norbert Reithofer, sie alle wirkten oft mehrere Jahrzehnte auf verschiedenen Posten. Gern wechselten sie nahtlos vom Vorstandsvorsitz auf den Chefsessel im Kontrollgremium.

          Auch für das kommende Aktionärstreffen im Mai 2015 gibt es dieses bekannte Drehbuch: Dann wird Reithofer seinem alten Freund und Förderer Milberg folgen, um vom Aufsichtsrat die Arbeit seines eigenen Nachfolgers zu betreuen. Mit den Regeln der guten Unternehmensführung (Corporate Governance) ist das nicht zu vereinbaren. Aber diese Regeln kümmern die Familie Quandt nicht. Sie haben ihre eigenen. Und sie fahren bisher gut damit, selbst in Krisenzeiten wie in den Jahren 2008 und 2009, als auch bei BMW die Bänder mehrere Wochen stillstanden. Mehr als 700 Millionen Euro Dividende schüttet der Konzern an die Familie aus. Warum sollte sie also etwas ändern?

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

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