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Neues Modell „Zinoro“ : China elektrisiert BMW

Neugierige Blicke: BMW stellt den „Zinoro“ auf der Automesse in Guangzhou vor. Bild: dpa

Normale Autos werden in Peking kaum noch zugelassen - Elektroautos schon. BMW nutzt das und bringt einen Stromflitzer nach China. Doch den gibt es erst mal nur zur Miete.

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          Auf ihr elektrisch betriebenes Stadtauto i3 sind die BMW-Ingenieure ziemlich stolz. Nicht allein wegen der Elektrifizierung, sondern wegen der neuen Leichtbaumethode, die den Gewichtsnachteil der schweren Batterien mindert. Beim i3 trägt ein Chassis aus Aluminium eine Fahrgastzelle aus Karbon. Eigentlich ist das Vorzeigeauto der Bayern die passende Antwort auf die ungelösten Fragen der Umweltverschmutzung in den Metropolen Chinas.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Ob in Peking oder Shanghai, Chinas Millionenstädte sind selbst bei Sonnenschein oft von einer Dunstglocke umhüllt, zur Rush-hour ist auf den zehnspurigen Hauptverkehrsstraßen kein Fortkommen. Längst hat die chinesische Regierung die Not erkannt und strenge Emissionsrichtlinien erlassen. Gleichzeitig bezuschusst sie den Kauf von emissionsarmen Autos. 60.000 Yuan oder umgerechnet 7000 Euro erhält ein chinesischer Autofahrer, wenn er sich ein Elektrofahrzeug anschafft, weitere Zuschüsse gibt es von der jeweiligen Bezirksregierung.

          Das ist eigentlich genau das Umfeld, in dem BMW den i3 in großen Stückzahlen verkaufen kann. BMW-Chef Norbert Reithofer sieht in dem i3 auch „das richtige Fahrzeug für China“. Doch tatsächlich ist der i3 zu Preisen jenseits der 40.000 Euro sehr teuer. Mit Leichtbautechnologie und unkonventionellem Öko-Design ist er womöglich zu ambitioniert für das Reich der Mitte.

          Auf Chinas langem Marsch in die Elektromobilität erscheint die Zusammenarbeit der Bayern mit ihrem chinesischen Joint-Venture-Partner Brilliance erfolgversprechender. Auf Basis des sportlichen Geländewagens X1 haben BMW und Brilliance den Zinoro 1 E auf die Räder gestellt, ein ebenso zweckmäßiges wie repräsentatives Auto, das es mit einem 125-Kilowatt-Elektromoto auf eine Reichweite von 150 Kilometern bringen soll.

          850 Euro im Monat für das Komplettpaket

          Der Zinoro wird in diesen Tagen ausgeliefert. Und, auch das ist ein Novum, er kann nur gemietet werden. „Wir machen den Kunden ein Gesamtangebot aus Fahrzeugmiete, Zulassung und Wallbox, stellen also die Ladeinfrastruktur berteit“, sagt ein BMW-Sprecher. Wer das neue Auto drei Jahre lang mietet, zahlt dafür 7400 Yuan im Monat, umgerechnet rund 850 Euro. Die Tagesmiete kostet 400 Yuan. „Das ist ein wettbewerbsfähiger Preis“, sagt der Unternehmenssprecher. Mit dem Mietangebot sollen Restwert-Bedenken der Kunden zerschlagen werden, die der jungen China-Marke nicht dasselbe Vertrauen entgegenbringen wie dem deutschen Partner.

          Für Chinas Autofahrer kann jedoch ein anderes Argument ein viel größeres Gewicht haben: In Peking erhalten Elektroautos leicht eine Zulassung, während die Autos mit Verbrennungsmotoren in eine Lotterie mit geringer Erfolgsaussicht geschickt werden. So will die Politik Verkehrsstau und Smog begrenzen: Chinas Hauptstadt verlost in diesem Jahr nur 130.000 Lizenzen, und seit Jahresbeginn sind dafür schon mehr als 2 Millionen Bewerbungen eingegangen. Für Elektroautos ist die Sache viel einfacher. Hier stehen 20.000 Nummernschildern nur 4800 Anträge gegenüber. Beim Zinoro 1 E ist die Zulassung garantiert. Aber über die Stückzahlen hüllen sich BMW und Brilliance in Schweigen.

          Die Strom-Gegenwart ist ernüchternd: Nach Zahlen des chinesischen Automobilverbands CAAM legte der Absatz der Elektroautos im vergangenen Jahr zwar um 40 Prozent zu, es wurden aber gerade einmal 17.600 Akkuautos verkauft, darunter 3000 Hybridfahrzeuge. Das waren 0,08 Prozent vom Gesamtabsatz im größten Neuwagenmarkt der Welt. Das Ziel der Regierung, schon im kommenden Jahr 500.000 Fahrzeuge mit alternativen Antrieben auf die Straße zu bringen, ist damit in weite Ferne gerückt.

          China wird für die Elektromobilität  wegweisend sein, da sind sich Fachleute einig. Aber ein Selbstläufer wird es auch für BMW nicht, wenn der Konzern dort im Herbst seinen i3 auf den Markt bringt. Anders als der Zinoro werden Chinesen den i3 kaufen können. Und anders als der Zinoro ist der i3 für die Deutschen ein Technologieträger, der ausschließlich in Deutschland gebaut wird. China muss warten.

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