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Blohm + Voss : Liebesgrüße aus Hamburg

Aber wenn der britische Finanzinvestor nicht über eine Schrumpfkur oder sofortige Teilverkäufe in Hamburg reüssieren will, wie will er dann auf seine Kosten, geschweige denn auf eine vernünftige Rendite kommen? Die Antwort liegt in dem Auftrag, den Blohm + Voss in Aussicht hat. Ein öffentlich nicht bekannter Kunde will eine mehr als 100 Meter lange Megayacht bestellen, pocht aber auf klare und vor allem zukunftssichere Verhältnisse im Gesellschafterkreis der Werft. Weil der Auftrag noch nicht unterschrieben ist, fließt er nicht in die derzeitige Bewertung von Blohm + Voss ein. Da Thyssen-Krupp zudem für den Fall, keinen Käufer für die Werft zu finden, die dann möglichen Abwicklungskosten einkalkulieren dürfte, kann der Finanzinvestor vermutlich auf einen relativ niedrigen Kaufpreis hoffen. Die Rechnung geht für die Briten allerdings nur dann auf, wenn Blohm + Voss mit dem Bau des neuen Schiffs endlich auch Geld verdient, wenn also die teure Lernkurve in der Vertragsgestaltung und Projektplanung sowie der komplette Umbau der internen Organisationsstruktur tatsächlich Früchte tragen.

Zeit für ein neues Schiff?

Doch was passiert, wenn der Finanzinvestor nach dem tiefen Blick in die Bücher doch noch vor den Übernahmerisiken zurückschreckt und der ersehnte Großauftrag ausbleibt? Strategische Investoren aus der Schifffahrtsbranche dürften sich allenfalls für die profitablen Teile der Werftgruppe interessieren, also für die auf Schiffsreparaturen und Maschinenbau spezialisierten Tochtergesellschaften. Der Schiffsfertigung (Blohm + Voss Shipyards) in Hamburg droht hingegen die Schließung, sobald die bestehenden Fregattenaufträge der Deutschen Marine abgearbeitet sind.

Angesichts dieser Perspektiven ist es verwunderlich, dass sich die IG Metall zuletzt derart kritisch zu den Plänen des Finanzinvestors geäußert hat. Dieser will zwar mangels Perspektiven in der Tat nichts mit dem Militärschiffbau (Blohm + Voss Naval) zu tun haben. Aber deshalb lautstark vor einer „Zerschlagung“ zu warnen, wie dies der Gewerkschaftsfunktionär und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Thyssen-Krupp-Werften-Holding TKMS, Heino Bade, getan hat, geht an der Sache vorbei. Wenn Blohm + Voss im zivilen Schiffsgeschäft unter neuer Flagge und mit neuen Aufträgen eine Zukunft bekommt, dürfte davon auch das Militärgeschäft profitieren. Ohne die Belastung, die eigene Fertigung dauerhaft auslasten zu müssen, könnten die Konstrukteure und Entwickler von Blohm + Voss Naval leichter Exportaufträge ergattern für Schiffe, die dann im Land des Auftraggebers gebaut werden. Genau in diese Richtung entwickelt sich jedenfalls das unter großen Sparzwängen leidende Marinegeschäft.

Roman Abramowitsch dürfte das Tauziehen um Blohm + Voss herzlich egal sein. Trotzdem fungiert er ungewollt als Werbeträger für die Hamburger Schiffbauer. Denn wo auch immer der Milliardär mit seiner „Eclipse“ haltmacht, warten schon die Paparazzi. Am vergangenen Wochenende dümpelte er mit seiner Yacht vor Porto Cervo (Costa Smeralda) in Sardinien. Auf einem Foto sieht man ihn mit Blümchenhemd und blauer Sonnenbrille. Der Russe wirkt nachdenklich. Vielleicht Zeit für ein neues Schiff?

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