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Blog Ad hoc : An die Deutschen: Innovation heißt Erneuerung

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In keinem Land der Welt werden so viele Personalcomputer selbst zusammengeschraubt wie in Deutschland. Das Land begeistert sich für Technik - für alles, was rollt, funkt und rechnet. Aber wo bleibt das Neue in der Informations- oder Biotechnologie?

          In keinem Land der Welt werden so viele Personalcomputer selbst zusammengeschraubt wie in Deutschland. Das Land begeistert sich für Technik, nicht zuletzt für alles, was rollt, funkt und rechnet. Umfragen bestätigen das. Fast die Hälfte der Deutschen hat sich schon einmal gewünscht, etwas wirklich Neues zu entdecken. Insofern müsste Deutschland ein sehr innovationsfreudiges Land sein. In vielen etablierten Industrien, vor allem im Maschinen- und Fahrzeugbau, stimmt das ja auch. Hier sind die deutschen Unternehmen Weltklasse und werden das auf lange Sicht bleiben. Aber wo bleibt das Neue, zum Beispiel in der Informations- oder Biotechnologie?

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Wo bleibt das Neue?

          In der Software gibt es hinter SAP oder der Software AG keine international nennenswerten Unternehmen. Das ist schon lange so. Die Jahre gehen ins Land, es ändert sich nichts; inzwischen sind in Amerika Facebook, Twitter und Google entstanden. Ähnlich sieht es in der Hardware aus oder in der Unterhaltungselektronik. Hoffnung, dass sich daran alsbald etwas ändern könnte, gibt es nicht: Von den so fortschrittlichen Deutschen geht ein Viertel nicht ins Internet, jeder Zehnte hat sogar Angst vor der Nutzung des weltumspannenden Datennetzes. Auch die Skepsis vor Neuerungen im Internet ist sehr groß. Nicht weniger als eine Viertelmillion Häuseraufnahmen musste Google in seinem Street- View-Angebot in Deutschland unkenntlich machen. In den Vereinigten Staaten gab es keine Einsprüche. Die deutsche Bürokratie, zum Beispiel rund um die Vorratsdatenspeicherung, verursacht den Unternehmen zudem hohe Kosten. Das Geld fehlt zur Entwicklung neuer Produkte.

          Effizienz staatlicher Forschungs-Subventionen?

          Das deutsche Bildungssystem hat es noch immer nicht geschafft, den Mangel an IT-Fachkräften zu lindern. 16 500 Informatiker-Stellen sind unbesetzt. Drei Viertel der Deutschen warten auf einen Breitbandanschluss zum Internet, der moderne Internetanwendungen erst möglich macht. Und natürlich gibt es in Deutschland auch viel weniger Risikokapital als im Heimatland des Silicon Valley: Neugegründeten Unternehmen stehen in den Vereinigten Staaten rund 30 Milliarden Dollar zur Verfügung. In Deutschland dürfte die Summe deutlich unter 1 Milliarde Euro liegen. Der Vergleich sagt auch viel über die Effizienz staatlicher Subventionen zur Entwicklung neuer Technologien aus: Denn was bringt es angesichts solcher riesigen Unterschiede, wenn der Staat eine weitere Milliarde Euro zum Beispiel zur Entwicklung der Technik für Elektroautos ausgibt?

          Aber auch manche Unternehmen sehen neue Entwicklungen auf dem Gebiet der IT noch immer eher als Bedrohung denn als Chance. Nicht selten wird in etablierten Strukturen ein Kampf gegen die Innovation geführt. Angst geht um: Erfolge in der Vergangenheit, von denen es gerade in Deutschland genügend gibt, können so zum größten Feind der Innovation werden. Welches Unternehmen ist schon dazu bereit, eine Innovationsjagd auf sich selbst zu eröffnen? Will man sie eröffnen, ist es jedenfalls unklug, immer nur die angepassten Mitarbeiter zu befördern. Dann sollte auch Widerspruch goutiert werden.

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