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Blessing-Nachfolge : Commerzbank findet Chef in eigenen Reihen

Martin Zielke Bild: dpa

Privatkundenvorstand Martin Zielke und Firmenkundenvorstand Markus Beumer haben sich gegen externe Kandidaten durchgesetzt. Hat Zielke die Nase vorn?

          2 Min.

          Die Commerzbank wird aller Voraussicht nach am Sonntag einen neuen Vorstandsvorsitzenden ernennen. Dem Vernehmen nach diskutiert der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrates nur noch über interne Kandidaten, also aktuelle Vorstandsmitglieder. Bankvorstände aus dem Ausland, die nach Informationen dieser Zeitung auch zur engeren Wahl gehörten, sind offenbar aus dem Rennen. Nun läuft es wohl auf Privatkundenvorstand Martin Zielke oder Firmenkundenvorstand Markus Beumer als Nachfolger von Martin Blessing hinaus. Der Aufsichtsrat wird am Sonntag Vormittag darüber beraten.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Blessing hatte im Herbst das Angebot des Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus-Peter Müller ausgeschlagen, seinen im Oktober 2016 auslaufenden Vertag zu verlängern. Der 52 Jahre alte Blessing führt die Commerzbank seit Mai 2008 als Vorstandsvorsitzender, musste nach der verlustreichen Übernahme der Dresdner Bank im Winter 2008/2009 mehr als 18Milliarden Euro Staatshilfe annehmen und sanierte anschließend das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut, wenn auch begleitet von vielen Rückschlägen. Dem Staat gehören noch immer 15,6 Prozent der Commerzbank-Aktien. Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2015 legte Blessing mit rund 1 Milliarden Euro einen ansehnlichen Gewinn vor, der erstmals seit 2007 wieder die Zahlung einer Dividende an die Aktionäre erlaubt. Damit ist für Blessing der Moment gekommen, beruflich noch einmal etwas Neues zu wagen.

          Wie zu hören ist, wird sein Nachfolger mit Zielke oder Beumer ein langjähriger Vorstandskollege sein. Der 53 Jahre alte Zielke rückte 2010 in den Vorstand auf und sanierte das lange verlustreiche Filialgeschäft. Der 51 Jahre alte Beumer ist schon seit 2008 für das Firmenkundengeschäft („Mittelstandsbank“), die wichtigste Ertragssäule der Commerzbank, verantwortlich. Deshalb galt der frühere Basketballjugendnationalspieler Beumer lange als inoffizieller Kronprinz Blessings, auch weil er für den Vorstandsvorsitzenden Aufgaben etwa im Bundesverband deutscher Banken übernommen hat. Den besseren Lauf aber hatte zuletzt Zielke.

          Martin Blessing

          Zwar trug Beumers Firmenkundensparte 2015 rund 1060 Millionen Euro zum Gewinn bei; aber mit rund 750 Millionen Euro Gewinnbeitrag und hohen Wachstumsraten ist Zielkes Privatkundengeschäft inzwischen klar zweitwichtigste Ertragssäule. Das Privatkundengeschäft der Commerzbank schaffte die Ertragswende in einer Zeit, in der andere Banken Filialen schließen. „Filialen schließen ist nicht Teil unserer Strategie“, sagt Zielke gerne und hielt die Bank damit zuletzt aus Artikeln mit negativen Schlagzeilen heraus.

          Wie Beumer hat auch Zielke seine Karriere in der Deutschen Bank begonnen. Blessing und Zielke wiederum arbeiteten gemeinsam in der Dresdner Bank, für die beide 1999 den gescheiterten Zusammenschluss mit der damals geplanten Privatkundenbank Deutsche Bank 24 verhandelten. Nun wird der in Nordhessen geborene Zielke oder der in Krefeld geborene und in Bayern beheimatete Beumer an die Spitze der Commerzbank rücken. Von beiden ist kein großer Kurswechsel zu erwarten.

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