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Blackrock : Der mächtigste Investor

  • -Aktualisiert am

Blackrock gehört auch in Deutschland zu den einflussreichsten Aktieninvestoren. Bild: AFP

Das amerikanische Finanzunternehmen Blackrock ist die einflussreichste Fondsgesellschaft der Welt. Allerdings ist auch ihre Macht nur geliehen.

          Wohin der Anleger auch blickt, da ist Blackrock. Die amerikanische Fondsgesellschaft, weltgrößter Vermögensverwalter mit 4,6 Billionen Dollar im Rücken, ist der mächtigste Investor in den 30 Unternehmen, deren Kursentwicklung der deutsche Aktienindex Dax nachzeichnet. Ausländische Investoren dominieren den Dax mit einem Anteil von 82 Prozent an der Marktkapitalisierung, rechnete der Deutsche Investor Relations Verband kürzlich vor. Wer steht an oberster Stelle? Blackrock, war ja klar. Blackrock Asset Management hält demnach ein Aktienpaket von 21,9 Milliarden Euro an den Dax-Unternehmen. Hinzu kommt Blackrock Fund Advisors mit weiteren 14,2 Milliarden Euro.

          In Deutschland ist Blackrock einer der einflussreichsten Aktieninvestoren, aber auch in vielen anderen Ländern der Welt, in den meisten entwickelten auf jeden Fall. Allein das Aktienvermögen von Blackrock beziffert sich auf rund 2,5 Billionen Dollar oder umgerechnet 1,9 Billionen Euro, eine kaum vorstellbar große Zahl. Addiert man die Marktkapitalisierung von allen 30 Dax-Unternehmen, kommt man auf einen Börsenwert von weniger als einer Billion Euro.

          Im Jahr 1988 haben eine Handvoll Investmentbanker um den Vorstandsvorsitzenden Larry Fink in New York Blackrock gegründet und diesen in wenigen Jahrzehnten an die Weltspitze geführt. Als andere Banken und Vermögensverwalter nach der Finanzkrise 2008 am Boden lagen, hatte Blackrock die Ressourcen zur Expansion. Als die britische Großbank Barclays Kapital brauchte, kaufte Fink im Juni 2009 das Asset Management von Barclays und legte dafür 13,5 Milliarden Dollar auf den Tisch. Damit verdrängte Blackrock die Schweizer Großbank UBS vom ersten Rang unter den größten Vermögensverwaltern der Welt.

          Durch den Kauf bekam Blackrock von Barclays die ETF-Marke iShares. So wurde Blackrock größter Anbieter von Indexfonds, wie diese kostengünstige Form von Investmentfonds auch genannt wird. Noch ist der Marktanteil von ETF überschaubar. 27,4 Billionen Euro liegen derzeit weltweit in Fonds. ETF kommen auf einen Marktanteil von gut 7 Prozent. Doch Indexfonds sind das am schnellsten wachsende Geschäft in der Vermögensverwaltung, denn viele Investoren entdecken diese als preiswerte und bequeme Alternative zu herkömmlichen Fonds. Zudem macht iShares Blackrock zum einflussreichen Aktionär.

          Deutschland erreicht die Debatte um die Macht der Fondsgesellschaften erst allmählich. Doch in den Vereinigten Staaten ist die Frage gestellt: Wie groß ist die Macht der Fondsindustrie? Wie groß darf sie sein? Darf von ihrem Votum der Erfolg oder Misserfolg von Börsengängen und Kapitalerhöhungen abhängen? Wie lange kann es ein Vorstand oder ein Aufsichtsrat sich leisten, die Ratschläge der großen Vermögensverwalter und ihrer Fondsmanager zu missachten?

          Wir sind nur die treuhänderischen Verwalter im Dienste unserer Anleger, beteuern die Vertreter der Fondsbranche gern. Doch es mehren sich die Zweifel an dieser Version. Im Sommer wurde bekannt, dass Sue Wagner, eine der Gründerinnen von Blackrock, in den Verwaltungsrat des Computerkonzerns Apple berufen wurde. Ein Amt, das sie allein im Interesse der Millionen Kunden von Blackrock in mehr als 100 Ländern ausübt? Oder geht es ihr nicht doch darum, den Einfluss der rund 11.000 Blackrock-Angestellten zu mehren?

          Anlageerfolg wichtiger als Macht

          Lange richtete sich die Kritik an der Fondsbranche gegen die Investmentfonds selbst. Diese Finanzvehikel galten in der Vergangenheit als intransparent und wenig rentabel. Undurchsichtige Gebührenstrukturen machten Fonds für die Anbieter ertragreich und selten für die Anleger. Heute sind die Produkte eng reguliert. Die Kritik richtet sich nun gegen die Anbieter: Zu groß, zu mächtig, zu einflussreich – so lautet die Kritik an der Branche.

          Mehr als auf das schiere Gewicht des Aktienportfolios stützt sich die Macht von Blackrock auf Aladdin, ein gigantisches Computersystem, bestehend aus 5000 Großrechnern und ungezählten Analysten. 200 Millionen Kalkulationen kann Aladdin pro Woche ausführen. Es ist das machtvollste System zur Analyse von Unternehmen und Wirtschaftsdaten. Kein Investor von Gewicht will Aladdin missen – und investiert zumindest einen Teil seines Kapitals bei Blackrock. Doch die Macht hat zuletzt gebröckelt. Die Eigenkapitalrendite lag Ende 2013 bei nur 11,1 Prozent, während Konkurrenten wie T. Rowe Price auf mehr als 20 Prozent kommen. Zudem verzeichnete Blackrock im zweiten Quartal Mittelzuflüsse nur mit Privatkunden, während institutionelle Anleger unter dem Strich 5,5 Milliarden Dollar abzogen.

          Das Schicksal von Pimco sollte Blackrock eine Warnung sein: Lange war der kalifornische Spezialist für Anleiheportfolios so machtvoll, dass ihr oberster Fondsmanager Bill Gross respektvoll „King of Bonds“ genannt wurde. Doch er wurde entthront, und Pimco ist seitdem etwas weniger mächtig. Macht zählt in diesem Geschäft weniger als der Anlageerfolg. Bleibt der aus, geraten die Fondsgesellschaften schnell in die Ohnmacht. Denn ihre Macht leihen sie sich am Ende nur von ihren Anlegern.

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