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Smartphones : Oh, mein Blackberry!

Heute eine Seltenheit auf den Straßen: Ein klassisches Blackberry Bild: dpa

Blackberry-Smartphones waren einmal der Renner. Heute sind sie fast verschwunden. Warum ich trotzdem noch eines habe.

          Es gab eine Zeit, da gehörte ein Blackberry zu einem Manager wie Anzug und Dienstwagen. Bequem in der Hand liegend war das Telefon aus Kanada mit seiner schicken Tastatur eine Marke und verkaufte sich auch unter Privatleuten blendend. Bloß, diese Zeit ist längst Geschichte. Blackberry kommt heute auf kümmerliche 0,1 Prozent Marktanteil. iPhones und Android-Handys haben den einstigen Star der Szene an den Rand gedrängt. Legt man heute sein Q10 auf den Tisch, reagieren die Anwesenden in der Regel mit einer Mischung aus Erstaunen, Amüsement und Mitleid: „Ist das echt ein Blackberry?“ „Die gibt's noch?“ „Kann man damit auch ins Internet?“

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In den vergangenen Wochen überwog das Mitleid. Konzern-Chef John Chen hatte quasi das Ende des Blackberrys verkündet. Smartphones sollen künftig nur noch Partnerunternehmen bauen.

          Digitaler Notstand

          Als langjähriger Blackberry-Nutzer ist man freilich leidgeprüft. Das hauseigene Betriebssystem Blackberry 10 sieht zwar schön aufgeräumt aus und läuft durchaus fix, nur hilft das wenig, wenn das Gros der bunten App-Vielfalt nur für iOS und Android ausgelegt ist. Twittern lässt sich noch ganz ordentlich, Facebook macht ebenfalls keinen Ärger, aber schon bei Instagram ist Schluss. Eine offizielle Version für Blackberry 10 gibt es nämlich nicht. Will man trotzdem Fotos mit der Instagram-Welt teilen, muss man sein Handy „austricksen“ und über Umwege die Android-App installieren. Bei Snapchat hilft selbst das nicht.

          Im Mobile-Reporting-Seminar hat man so mit einem Blackberry immerhin die Lacher auf seiner Seite – und ist arbeitslos, während die Kollegen auf ihren iPhones munter die selbstgedrehten Filme auch gleich schneiden. Die Filme sehen auf den großen iPhone-Displays auch noch besser aus als auf dem durch die Tastatur gestauchten Bildschirmchen des Q10.

          Klein, schwarz und mit großer Tastatur: Das Blackberry Q 10

          Dieser digitale Notstand war lange kein allzu großes Drama. Schließlich bietet das kleine Schwarze auch einige nicht zu verachtende Vorteile. Allen voran natürlich die schicke Voll-Tastatur. Keine kalte unnahbare Glasplatte, kein Auto-Korrektur-Wirr-Warr – einfach schöner schreiben. Mit etwas Übung sogar ohne hinzuschauen.

          Niedergang war absehbar

          Das Q10 ist nicht nur gut verarbeitet und kommt dezent-schick designt daher, es passt auch noch problemlos in jede Hosentasche. Selbst die App-Not hat seinen Reiz: Es blitzt und blinkt nicht permanent, weil sich irgendeine Anwendung meldet. Wenn doch, ist es in der Regel wichtig. Und ein wenig findet man ja dann auch Gefallen daran, mit dem kleinen schwarzen Etwas in der tastenlosen Masse aufzufallen.

          Selbst Angela Merkel vertraute lange auf ein Blackberry Q 10 - was freilich kein Kaufargument für den Autor war und bei der Kanzlerin wohl vor allem einen Grund hatte: Blackberry hatte 2014 das deutsche Verschlüsselungs-Unternehmen Secusmart gekauft, das die Bundesregierung damals mit Handys versorgte.

          Den Niedergang konnte auch das freilich nicht aufhalten und selbst als treuer Blackberry-Nutzer ist man darüber nicht allzu überrascht. Das liegt gerade auch am Preis. Blackberrys waren schon immer teuer. Als man noch ein großer Name im Geschäft war, fiel das nicht allzu sehr ins Gewicht. Heute sieht das bekanntlich dezent anders aus.

          Selbst Whatsapp stellt Support ein

          Trotzdem ging das Q10 2013 mit einem Preis von stolzen 630 Euro an den Start, das neue Topmodell PRIV Ende 2015 dann sogar für 779 Euro. Dazu kommen Design-Katastrophen wie das quadratische Blackberry Passport, im Stile einer Ritter-Sport-Tafel, mit einem riesigen Display und einer darunter gequetschten Miniatur-Tastatur. Auch das PRIV ist als Schiebehandy weder schön, noch am Zahn der Zeit. Dafür läuft es als erstes Smartphone der Kanadier mit Android-Betriebssystem. Nur nach Blackberry sieht es eben nicht mehr aus – und bei dem stattlichen Preis greift selbst ein hartgesottener Fan schnell zur tastenlosen Konkurrenz.

          Auch ich werde mich wohl bald von meinem Q10 verabschieden. Der wachsende technische Rückstand schlägt mittlerweile schlichtweg den Charme. Selbst Whatsapp stellt den Support für das gute alte Q10 Ende 2016 ein und erinnert einen daran täglich. John Chens Plan passt also perfekt ins ohnehin schon trübe Bild. Auch wenn Chen weiterhin einen Markt für Handys mit Voll-Tastatur sieht: Die Smartphone-Welt dürfte auch gut ohne die klassischen Blackberrys auskommen. Doch wird es eine hässlichere Welt sein.

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