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Dienstleistung : Die Zahlungsbereitschaft für Online-Journalismus steigt

Ob Sie gerade „Kicktipp“ checken? Deutsche Fans während der Fußball-EM in Paris Bild: dpa

Eine Umfrage des Digitalverbandes Bitkom zeigt: Immer mehr Menschen sind bereit für Online-Journalismus zu zahlen. Auch die Onlinerecherche wird sich weiterentwickeln.

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          Die Zahlungsbereitschaft für journalistische Inhalte im Internet steigt. 36 Prozent der Internetnutzer haben in den vergangenen zwölf Monaten für Nachrichten oder andere journalistische Inhalte im Internet Geld ausgegeben. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es erst 31 Prozent. Das hat eine repräsentative Umfrage unter gut 1000 Internetnutzern in einem Alter ab 14 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom ergeben. In der Gruppe der Internetnutzer, die Online-Nachrichten lesen, liegt der Anteil derjenigen, die für diese Geld ausgegeben haben, sogar bei 48 Prozent (Vorjahr: 40 Prozent).

          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Dabei zahlen 22 Prozent der Internetnutzer eine monatliche Pauschale – und ein Fünftel hat in den vergangenen zwölf Monaten für einzelne Artikel oder Ausgaben Geld ausgegeben. „Ein gutes journalistisches Angebot lassen sich die Nutzer auch im Internet etwas kosten“, wird der Bitkom-Vizepräsident Achim Berg zur Vorstellung der Studienergebnisse in einer entsprechenden Mitteilung des Verbandes zitiert: „Medienunternehmen brauchen zusätzliche Erlösquellen, um die digitale Transformation vorantreiben zu können.“

          Crowdfunding wird immer wichtiger

          Wer nicht bereit ist, für Nachrichten und ähnliche Inhalte zu bezahlen, führt vor allem die große Menge kostenloser Angebote als Grund seiner mangelnden Ausgabebereitschaft an (73 Prozent). Nur einem Drittel (32 Prozent) sind die Digitalangebote zu teuer. Und nur noch 9 Prozent der Befragten halten das Bezahlen im Internet für zu kompliziert. Im Rahmen einer Bitkom-Befragung im Jahr 2013 waren es noch 32 Prozent, seitdem ist dieser Wert kontinuierlich gesunken.

          Trotz einer steigenden Zahlungsbereitschaft haben sich Abrechnungsmodelle für journalistische Inhalte im Internet in den Verlagen aber noch nicht in der Breite durchgesetzt. Das zeigt eine weitere, ebenfalls repräsentative Umfrage, in diesem Fall unter den Geschäftsführern und Vorstandsmitgliedern von 148 Medienunternehmen: 41 Prozent der Anbieter journalistischer Inhalte geben an, dass sie Abrechnungsmodelle für journalistischen Content haben. 31 Prozent setzen auf das sogenannte „Freemium“-Modell, bei dem nur als besonders hochwertig eingestufte Inhalte bezahlt werden müssen. 15 Prozent haben eine Bezahlschranke („Paywall“) für alle Inhalte eingeführt. Und 7 Prozent nutzen ein Kontingentmodell, bei dem die kostenlose Nutzung mengen- oder zeitmäßig beschränkt ist.

          Auf der anderen Seite sagen 59 Prozent, dass sie sämtliche Inhalte kostenlos anbieten. „Einnahmen aus dem Verkauf digitaler Inhalte sind notwendig, um die aufwendige Produktion journalistischer Inhalte für Print- und Online-Medien finanzieren zu können“, sagte Berg. Mit Blick auf die kommenden Jahre meint fast die Hälfte (49 Prozent) der befragten Medienunternehmen, dass die Bedeutung digitaler Verkaufserlöse steigen oder sogar stark steigen wird. 46 Prozent erwarten, dass Crowdfunding immer wichtiger wird. Im Rahmen solcher Projekte wird auf Internetplattformen für journalistische Projekte Geld eingesammelt. Mit 77 Prozent erwarten aber die weitaus meisten Unternehmen ein steigendes Gewicht digitaler Werbung als Erlösquelle. Die Digitalisierung führe dazu, dass Verlage ihre bestehenden Angebote laufend anpassten und neue Produkte auf den Markt bringen müssten. Unwirtschaftliche Produkte verschwinden früher oder später.

          Gemütliches Lesen auf dem Sofa

          „Online-Medien, Video-Streaming-Dienste und Internet-Radio werden in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen“, sagte Berg. Auf den Trend zur mobilen Nachrichtennutzung haben die Anbieter journalistischer Inhalte ebenfalls reagiert. 92 Prozent der befragten Medienunternehmen haben eine mobile Website, bei der sich die Inhalte an unterschiedliche Bildschirmgrößen anpassen. Zwei Drittel (67 Prozent) haben eine oder mehrere Smartphone-Apps im Angebot und gut die Hälfte (55 Prozent) eine Tablet-App. Ein Viertel (25 Prozent) bietet ein digitales E-Paper an, bei dem in der Regel die Zeitung als PDF-Datei zur Verfügung gestellt wird.

          „Journalistische Inhalte werden zunehmend für unterschiedliche Nutzungssituationen, Zielgruppen und Gerätetypen aufbereitet“, sagte Berg. Zum Beispiel eignen sich Smartphone-Apps für den schnellen Nachrichtenüberblick unterwegs, Tablet-Apps oder E-Paper für gemütliches Lesen auf dem Sofa oder Websites für Berufstätige, die sich in der Mittagspause über das aktuelle Geschehen am Computer informieren wollen.

          Negativer Effekt für Regionalzeitungen

          Die befragten Medienmanager rechnen damit, dass sich das Berufsbild des Journalisten in den kommenden Jahren wandeln und die Digitalisierung für die Erstellung journalistischer Inhalte eine Rolle spielen wird. So gehen 40 Prozent davon aus, dass in zehn Jahren journalistische Texte automatisch von Algorithmen erstellt werden. Schon heute kommt der sogenannte Roboter-Journalismus in einigen Redaktionen bei der Erstellung einfacher Standardtexte wie Börsenberichten, Verkehrsmeldungen oder Wettervorhersagen zum Einsatz. „Intelligente Software kann Journalisten von eintönigen Routinetätigkeiten entlasten, ihn aber nicht ersetzen“, betonte Berg. „Fundierte Analysen, investigative Recherchen oder meinungsstarke Kommentare werden auch in Zukunft Markenzeichen von Qualitätsjournalismus sein.“

          Digitale Systeme eröffnen Journalisten schon heute bei der Recherche zusätzliche Möglichkeiten. Für die Zukunft gehen 51 Prozent der befragten Medienmanager davon aus, dass Daten-Journalisten mit Hilfe spezieller Software unbekannte Zusammenhänge aufdecken werden.

          Dem stimmt auch Katja Nettesheim zu, die vor einigen Jahren in Berlin eine Unternehmensberatung mit dem Schwerpunkt Medien gegründet hat. Sie empfiehlt Verlagen auch deshalb, sehr viel stärker als bisher Kooperationen mit jungen Unternehmen aus der digitalen Medienbranche einzugehen, um technologisch am Puls der Zeit zu bleiben. „Dabei könnte man zum Beispiel daran denken, gemeinsam erzielte Umsätze zu teilen oder sich auf der Basis der gemeinsam geschaffenen Ergebnisse sukzessive am Kapital des jungen Unternehmens zu beteiligen“, sagt Nettesheim. Immer aber müsse es den Verlagen darum gehen, in der digitalen Welt ihre Identität nicht zu verlieren. Gerade bei Regionalzeitungen könne die Digitalisierung durch den zunehmenden Einfluss von Bloggern und Leserkommentaren zu einem Verlust der Deutungshoheit und daher veränderten Selbstwahrnehmung führen.

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