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Biotechnologie : GPC Biotech muß in seinen Hoffnungsträger viel investieren

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Das Biotechnologieunternehmen GPC-Biotech wird auch in diesem Jahr bei einem weiter sinkenden Umsatz mehr Verlust machen. Für den GPC-Biotech-Vorstandsvorsitzenden Bernd Seizinger ist das aber nicht gleichbedeutend mit einer schlechten Nachricht. Vielmehr handle es sich um einen normalen Vorgang im Vorgriff auf die mit entsprechenden Vorlaufkosten verbundene Markteinführung des ersten Medikaments des Unternehmens.

          Die auf den ersten Blick negative Entwicklung in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung hat zwei Gründe: Zum einen hat sich GPC Biotech entschieden, keine neuen Technologieallianzen mehr einzugehen und sich statt dessen auf die Entwicklung eigener Medikamente zu konzentrieren. Zum anderen steigen die Kosten für die letzten klinischen Studien des Krebsmittels Satraplatin, das 2007 auf den Markt kommen könnte.

          Satraplatin ist das einzige Produkt von GPC, das in absehbarer Zeit vor der Markteinführung steht. GPC verspricht sich von dem Medikament zur Behandlung von Prostatakrebs einen Jahresumsatz von mindestens 500 Millionen Dollar. "Und das ist eine konservative Schätzung", sagte Seizinger auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Bis dahin fallen aber weitere Verluste an - und auch 2004 hat das Unternehmen aus Martinsried bei München bei einem deutlichen Umsatzrückgang einen größeren Verlust verbucht als im Jahr zuvor. Zwar hatte GPC eine entsprechende Entwicklung schon angekündigt, die GPC-Aktie verlor am Dienstag im Verlauf dennoch rund 5,5 Prozent auf Kurse um 9,14 Euro. Analysten begründeten diese Entwicklung nicht in erster Linie mit den Zahlen, sondern mit dem Ausbleiben neuer, positiver Nachrichten. In den vergangenen zwölf Monaten hat die GPC-Aktie rund ein Drittel ihres Wertes verloren.

          Für das Jahr 2004 weist GPC einen Verlust von 39,9 (Vorjahr: 26,8) Millionen Euro aus. Der Umsatz ist um 41 Prozent auf 12,6 Millionen Euro gesunken, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind aber um 7 Prozent auf 40,2 Millionen Euro gestiegen. Da sich, unter anderem wegen der Kosten für die Notierung der Aktie an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq auch die Verwaltungsausgaben erhöht haben, hat das Unternehmen im vergangenen Jahr liquide Mittel von 38,9 (24,6) Millionen Euro verbraucht. Dem Finanzmittelverbrauch steht allerdings eine Barreserve von 131 Millionen Euro gegenüber, was angesichts des absehbaren weiteren Kapitalbedarfs bis zur Markteinführung von Satraplatin ausreichen müßte. Den hohen Barmittelbestand hat GPC vor allem einer Kapitalerhöhung zu verdanken, bei der das Unternehmen im vergangenen Jahr 78 Millionen Euro eingenommen hatte und in deren Folge die GPC-Aktie an der Nasdaq eingeführt wurde.

          Das 1997 gegründete Unternehmen erzielt seinen Umsatz bisher ausschließlich aus Technologieallianzen. Inzwischen läuft aber nur noch die bis Mitte 2007 ausgelegte Partnerschaft mit dem Bad Homburger Pharmaunternehmen Altana, das rund 8 Prozent des GPC-Kapitals hält, weiter. Diese Partnerschaft ist bis dahin die wichtigste Umsatzquelle von GPC. Nach den Worten von Seizinger könnte sein Unternehmen "jederzeit" in eine Vermarktungs- oder Entwicklungsallianz für Satraplatin eintreten. Doch gehe es darum, die Rechte für das Produkt so lange wie möglich allein zu behalten, um später aus dem Medikament den größtmöglichen Ertrag für GPC Biotech zu ziehen. "Eine Partnerschaft würde die Wahrscheinlichkeit einer Zulassung jedenfalls nicht weiter erhöhen", sagte Seizinger. Schon heute genießt Satraplatin einen bevorzugten Zulassungsstatus bei der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA. (Kno.)

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