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Biotechnologie : Biotech-Branche sonnt sich in guten Nachrichten

Bild: F.A.Z.

Die Biotechnologie sorgt plötzlich für viele gute Nachrichten. Neuentwickelte Krebsmedikamente glänzen mit vielversprechenden Forschungsergebnissen.

          3 Min.

          Die Biotechnologie sorgt plötzlich für viele gute Nachrichten. Neuentwickelte Krebsmedikamente glänzen mit vielversprechenden Forschungsergebnissen. Nach einer längeren Pause gibt es mit Idec und Biogen endlich wieder zwei Unternehmen, die auf dem Weg eines Zusammenschlusses Kosten abbauen wollen. Und auf der wichtigsten Branchenmesse, der "Bio", die in diesem Jahr in der amerikanischen Hauptstadt Washington stattfindet, werden mit rund 16000 Besuchern so viele Interessenten wie nie zuvor in der zehnjährigen Geschichte der Veranstaltung erwartet. Sogar der amerikanische Präsident George Bush gab sich die Ehre, um den Europäern genetisch verändertes Saatgut schmackhafter zu machen. Einer der Gründe für die neue Hoffnung ist auch, daß die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA unter ihrem neuen Chef Mark B. McClellan jüngst wichtigen Präparaten der Branche die Zulassung erteilt hat.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Der Biotechnologie-Index der Technologiebörse Nasdaq hat dann auch seit Jahresbeginn mehr als 40 Prozent an Wert gewonnen. "Die ganze Maschinerie aus Produktentwicklung und Zulassungen ist wieder ins Rollen gekommen", sagt Carl Feldbaum, Präsident des Veranstalters der Bio. Die Schweizer Beteiligungsgesellschaft BB Biotech geht davon aus, daß sich die Zahl der zugelassenen Produkte der Branche in den kommenden drei bis vier Jahren verdoppeln wird. Die Biotechnologieunternehmen der Welt hatten nach den Zahlen aus der Schweiz im vergangenen Jahr 280 Medikamente in der dritten Phase der klinischen Entwicklung während die traditionellen Pharmakonzerne nur auf eine Zahl von rund 190 Präparaten kommen. Das von BB Biotech prognostizierte Gewinnwachstum in den Jahren 2002 bis 2005 liegt für die Biotechbranche bei 41 Prozent, für die traditionelle Pharmaindustrie bei lediglich 12 Prozent. Und doch spiegelt die oberflächliche Jubelstimmung nicht die ganze Wahrheit wider.

          Enbrel - gefragtes „Wundermittel”

          Noch nie kollektiv Gewinn gemacht

          In den rund 25 Jahren in denen die Branche entstanden ist, hat die Industrie noch nicht ein einziges Mal kollektiv von einem Gewinn berichten können. Es gibt zwar manche Analysten, die diesen Durchbruch nun für das Jahr 2007 in Aussicht stellen; doch zeigt eine aktuelle Branchenstudie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young auch, daß ein Drittel aller Biotechunternehmen mit den vorhandenen liquiden Mitteln ihren Geschäftsbetrieb nur noch ein weiteres Jahr aufrecht erhalten können. So schlecht war die Lage seit 1999 nicht mehr, weshalb neben dem Zusammenschluß von Biogen und Idec, der allerdings nicht von Finanznot, sondern eher von sich abschwächenden Wachstumshoffnungen motiviert war, weitere Übernahmen in der Branche erwartet werden. Dennoch: Gerade bei den für das künftige Wachstum so wichtigen Krebstherapien muß die Pharmaindustrie auf die Innovationen aus der Biotechnologie hoffen, denn für etwa die Hälfte der rund 200 Krankheiten, die unter dem Oberbegriff Krebs zusammengefaßt werden, sind in den Laboren der Biotechnologieunternehmen, aber eben kaum bei den traditionellen Anbietern Medikamente in Entwicklung.

          Und diese Krebs-Präparate werden in den kommenden Jahren nach allgemeiner Analystenmeinung zu einem wesentlichen Teil Umsatz- und Ertragsmotor der Pharmaindustrie sein. Die forschenden Pharmakonzerne der Welt sehen sich unterdessen mit einer großen Schwierigkeit konfrontiert, der sich auch die Biotech-Branche nicht entziehen kann - und die beide Seiten geradezu zu Kooperationen zwingt: Bis zur Markteinführung von neuen Medikamenten vergeht mit zehn bis zwölf Jahren zu viel Zeit, die Kosten erreichen inzwischen 800 Millionen Dollar. Ziel aller forschenden Pharmahersteller muß es daher sein, die Entwicklungszeiten und die Kosten zu reduzieren sowie die Erfolgswahrscheinlichkeit bei der Entwicklung zu erhöhen.

          Wissensexplosion nicht nur hilfreich

          Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms hat dieses Vorhaben noch komplizierter werden lassen. Denn das Wissen über krankheitsrelevante Gene und deren Genprodukte, die sogenannten Targets hat seither erheblich zugenommen. Waren noch vor wenigen Jahren nur etwa rund 500 Targets für neue Medikamente bekannt, hat die Genomforschung 25000 bis 50000 neue Targets zu Tage gefördert, auch wenn nicht alle von ihnen die Basis für neue Medikamente sein werden. Wissenschaftler räumen ein, daß über die Vielzahl neuer Genprodukte krankheitsrelevanter Gene bisher so gut wie kein Wissen besteht. "Das läßt sich schon daran ablesen, daß die Zahl der Erwähnungen je bekanntem Target in der wissenschaftlichen Literatur von rund 100 im Jahr 1990 auf nahezu Null im Jahr 2002 zurückgegangen ist", sagt Rolf Porsche, der beim Beratungsunternehmen IBM Global Services für die Pharmabranche verantwortlich ist.

          Damit liegt noch viel mühevolle Arbeit vor den Unternehmen der Biotechnologie. Die Forschung wird viel Geld kosten - und deshalb gibt es auf der Bio auch diverse Fortbildungsveranstaltungen darüber, wie sich bei Investoren am geschicktesten neue Gelder beschaffen lassen.

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