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Biotech : „Deutschland ist ein Billiglohnland“

Biotech in Deutschland Bild: dpa

Deutschland ist ein gutes Land für Biotechnik-Unternehmen. Die Angestellten sind rund 30 Prozent günstiger als in Amerika und Nachwuchssorgen gibt es keine. Nur am Kapitalmarkt läuft es nicht.

          4 Min.

          "Die deutsche Biotechnologie-Branche erwartet nach zwei schwierigen Jahren eine Trendwende." Solche Aussagen, zuletzt von der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie, bleiben an der Börse ohne Wirkung.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß die Aktie des Martinsrieder Biotech-Unternehmens Morphosys zur Zeit zu den heißesten Werten am Aktienmarkt gehört. Auch wenn sich der Kurs von Morphosys nach guten Quartalszahlen und neuen Partnerschaftsabkommen seit August in der Spitze mehr als verdoppelt hat, haben zu viele Anleger mit den Aktien der Branche in den vergangenen Jahren Verlust gemacht.

          Umfeld in Deutschland „gar nicht so schlecht“

          Erschwerend kommt hinzu, daß noch kein deutsches Unternehmen den Markterfolg einer Schweizer Serono oder Actelion, geschweige denn der großen amerikanischen Unternehmen der Branche erzielt hat. "Es ist schon traurig, daß wir mit unseren 145 Mitarbeitern zu den größten deutschen Biotechunternehmen gehören", sagt Oliver Schacht, Finanzvorstand der Berliner Epigenomics, am Rande des Deutschen Eigenkapitalforums in Frankfurt.

          Mitarbeiter in Amerika rund 30 Prozent teurer

          Dabei sei das Umfeld in Deutschland gar nicht so schlecht. "In der Biotech-Branche ist Deutschland ein Billiglohnland", sagt Schacht. Die Mitarbeiter in Amerika seien "rund 30 Prozent teurer", und Schwierigkeiten, in Berlin qualifizierte Leute zu finden, gebe es auch nicht. "Schließlich gibt es allein in der Stadt drei Universitäten." Über die Lohnnebenkosten müsse er ebenfalls nicht klagen.

          Allerdings gibt es viele Vorschriften

          Der einzige Unterschied: "Hier ist vieles gesetzlich vorgeschrieben, in Amerika freiwillig, eben vom Markt vorgegeben." Ein größeres Problem ist die kritische Einstellung der deutschen Kapitalanleger, mit der Epigenomics, das erste deutsche Biotech-Unternehmen, das seit 2001 den Gang an die Börse gewagt hat, erst seine Erfahrungen machen mußte.

          "Den Schritt auf das Frankfurter Parkett haben wir zwar nicht bereut", sagt Schacht. Doch sei es erstaunlich gewesen, daß in einigen Berichten zum Börsengang vor allem von den im Emissionsprospekt - pflichtgemäß - aufgezählten Risiken die Rede gewesen sei. In Amerika gingen die Anleger mit den Bilanzen von Biotech-Unternehmen professioneller um: "Die haben eben schon mehrere Zyklen von Hochs und Tiefs an der Börse hinter sich", sagt Schacht.

          Börsengang von Epigenomics nur mit Unterstützung gelungen

          Erst nach einer Verschiebung und der deutlichen Absenkung der Preisspanne war Epigenomics schließlich der Börsengang gelungen. Der Emissionspreis lag mit 9 Euro am unteren Ende der vorherigen Erwartungen. Derzeit notiert das Papier zu Kursen um 7,70 Euro. Das ist nicht befriedigend, doch tröstet sich Schacht mit der Feststellung, daß Epigenomics das eingelöst habe, was man versprochen habe. Pfizer und Biogen wurden als neue Partner gewonnen, in der Zusammenarbeit mit Roche Diagnostics wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht.

          Gleichwohl: Der Börsengang wäre wohl gescheitert, wäre das Schweizer Biotech-Beteiligungsunternehmen BB Biotech nicht über den Kauf von 1 Million Aktien im großen Stil bei Epigenomics eingestiegen. "Die Technologie von Epigenomics ist nach unserer Meinung absolut führend", sagt Christian Lach von der Bellevue Asset Management AG, die für BB Biotech das Beteiligungsportfolio verwaltet, zur Begründung für den Kauf.

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